Moshammers Beisetzung

Großer Rummel mit leisen Tönen

Mit schwarzer Schleife: Moshammers Daisy

Mit schwarzer Schleife: Moshammers Daisy

22. Januar 2005 Die Trauerfeier für den ermordeten Rudolph Moshammer haben Tausende auf den Straßen in München und Millionen vor dem Fernseher begleitet.

Der Tag der Beisetzung des Modemachers begann am Samstag um 10 Uhr in der Allerheiligen-Hofkirche. Unter den 400 Gästen waren sein Chauffeur mit Moshammers Hund „Daisy“ und die engsten Freunde wie Roberto Blanco und dessen Ehefrau Mireille. Nach der Trauerfeier wurde der Sarg durch eine große Mengenmenge in der Maximilianstraße an Moshammers Boutique vorbei zum Ostfriedhof gefahren.

Zahlreiche Showstars - keine Politiker

Der einbalsamierte Moshammer war aufgebahrt in einem Mahagonisarg, der von weißen Lilien, weißen Rosen und roten Nelken bedeckt war. Der Bestatter Karl Denk sagte, er trage einen Gehrock aus dunklem Samt und sehe „genauso wie im Leben“ aus. In der Kirche waren neben Moshammers engsten Freunden wie Silvio Belli Schauspieler und Showstars wie Senta Berger, Ottfried Fischer, Patrick Lindner, Petra Schürmann, die Jacob-Sisters und Karl-Heinz Wildmoser. Politiker waren offenbar nicht vertreten.

Roberto Blanco sagte RTL: „Ein Freund fehlt mir.“ Moshammer sei der Patenonkel seiner Tochter. Patricia Blanco begleitete ihre Eltern jedoch nicht. Sie kommentierte das Gedränge auf den Straßen in Sat.1 so: „Er ist jetzt da oben und lacht sich kaputt.“ Chauffeur Andreas K. hatte für die Mitnahme des Yorkshireterriers „Daisy“ eine Ausnahmegenehmigung bekommen.

Kein Kreuz bei der Trauerfeier

Die Trauerfeier fand in einem Konzertsaal ohne Kreuz statt, wie Moshammers Freundin Birgit Bergen in RTL sagte. Moshammer war aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Die Trauerfeier fand wegen Moshammers Engagements für Obdachlose trotzdem mit Ansprachen von Geistlichen statt.

Der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser kritisierte den Rummel. In der ehemaligen Kirche in der Residenz, die Bürger mieten können, sollten eigentlich „nur würdige Veranstaltungen“ stattfinden. „Bei dem Rummel habe ich meine Zweifel. Ich hätte das nicht genehmigt“, sagte er der Münchner „Abendzeitung“.

„Eine Flucht aus einer weiten Einsamkeit“

Die Zeremonie begann mit Klängen aus Mozarts Requiem in D-Moll. Der evangelische Pfarrer Christian Stalter sagte, das brutal beendete Leben des Modeschöpfers sei ebenso schillernd wie wechselhaft gewesen. „Manches spricht dafür, daß bei allem Wohlstand vieles, sehr vieles unerfüllt blieb“, sagte er. „Manches spricht dafür, daß sein Auftreten ... eine Flucht aus einer weiten Einsamkeit war.“

Moshammer habe unter dem frühen Verlust seines Vaters gelitten und nie vergessen, „wie es sich anfühlt, am Rande der Gesellschaft“ zu leben. Er habe von seinem Reichtum abgegeben. Das „war seine Weise, verantwortungsvoll zu wirken und so Gott zu loben“, sagte Stalter. Hunderte verfolgten die Übertragung der Feier draußen auf einer Leinwand. Nach Gebeten, einer „Schriftlesung“ von Thomas Schmid und dem „Valetsegen“ des Pfarrers wurden „Worte des Gedenkens“ gesprochen.

Nach dem Auszug aus der Kirche fuhr der Trauerzug an Moshammers Modeboutique vorbei. Der Sarg wurde zur Aussegnungshalle auf dem Ostfriedhofshalle gebracht und sollte im Mausoleum bestattet werden, wo bereits seine 1993 gestorbene Mutter Else Moshammer liegt. Moshammer war in der Nacht zum 14. Januar in seiner Villa ermordet worden. Der 25jährige Herisch Ali Abdullah hat gestanden, den 64jährigen erdrosselt zu haben.

Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, REUTERS

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