Von Cornelia Pretzer, Hannover
16. März 2002 In Deutschland sind Domain-Namen am längsten. Namen, die auf .de enden haben durchschnittlich 12,71 Zeichen. Gleich danach kommen die Domains mit der Endung .com, die im Durchschnitt 12,04 Zeichen lang sind. Auf diese Endung sind auch die allermeisten der 39 Millionen Domains registriert, nämlich 22 Millionen.
Diese Zahlen legen einen Schluss nah: Der Platz im WWW ist schlecht strukturiert. Um sich zu unterscheiden und auffindbar zu sein, müssen Firmen, Institutionen und Einzelpersonen immer längere Namen für ihre Website wählen. Dem wollen die Vergabestellen für Namen im Internet abhelfen, und haben deshalb neue so genannte Top level domains eingeführt. Also neue Endungen für bestimmte Bereiche des Internets geschaffen.
Neue Endungen für Websites
Dazu gehören die Endungen .us als Länderkennung für die Vereinigten Staaten, .biz, für Wirtschaftsunternehmen, .name für Namenswebsites und .info für Informationsseiten. Für jeden dieser neuen Bereiche gelten feste Regeln, wer welche Namen für sich belegen darf. Welche Voraussetzungen zum Beispiel Firmen erfüllen müssen, um eine .biz Adresse nehmen zu dürfen. .biz-Domains dürfen nicht weiterverkauft werden und müssen mindestens zwei Jahre behalten werden, sagt Richard Tindal, von der Firma Neulevel, die die .biz Domains verwaltet. So soll Domaingrabbing verhindert werden. Im Bereich .name soll garantiert werden, dass Namensträger sich nur eine Website sichern und nicht ähnliche Namen oder Variationen auch blockieren.
Domain-Grabbing ist eine Hauptbefürchtung der Kritiker, die vermuten, dass Firmen mit berühmten Namen, Domains in allen Bereichen für sich reservieren. Tindal sagte, das Problem gebe es natürlich, Kollisionen seien möglich, aber dass Firmennamen so bekannt seien wie Coca Cola, seidoch relativ selten. Seine Kollegin Jenny-Marie Idler fügte an, dass das Markennamen-Problem nie gelöst werden könne, da es keine weltweite Datenbank für Markennamen gebe. Sie halte das jedoch für ein Problem der Anfangsphase.
Chaos durch neue Namen?
Eine weitere Sorge der Kritiker ist, dass das neue System die Suche nach der richtigen Seite erschwere. Eine einfache Eingabe des Namens beispielsweise eines gesuchten Unternehmens und dem Anfügen des Länderkürzels sei dann nicht mehr möglich. Das Einteilen in feste Bereiche erleichtert die Suche sogar, entgegnete Idler. Die Endungen trügen schon dazu bei, eine Einordnung vorzunehmen.
Zumindest scheint das Interesse an den neuen Domains groß. Kirsten Haynberg von Schlund + Partner, einem großen deutschen Hoster von Websites, berichtete von 750.000 Registrierungen unter. Info und 650.000 unter .biz, seit der Einführung. .name wartet auf die Einführung in einem Monat.
Weniger neue Sites unter den alten Kennungen
Insgesamt gehe die Zahl der neuregistrierten Seiten nicht zurück, die Struktur verändere sich, sagte Eric Schätzlein, der bei der deutschen Vergabestelle für Namen, der Denic, bei Schlund + Partner und im Aufsichtsrat von Afilias tätig ist. Die Registrierungen unter .org, .net und .com gingen zurück, aber unter den Länderkennungen und den neuen Namen mehrten sich die Neuzugänge. Er verteidigte die Möglichkeit, den Zugang zu einer eigenen Website mit günstigen Preisen einfach und erschwinglich zu halten. Das sei gerade unter .de ein Erfolg.
Text: @cop
Bildmaterial: dpa