Nobelpreis

Wolfgang Ketterle: Begabt, beliebt und einer der jüngsten Nobelpreisträger der Geschichte

Jubel über Nobelpreis: Ketterle (M.) mit Assistenten Vogels (li.) und Schneble

Jubel über Nobelpreis: Ketterle (M.) mit Assistenten Vogels (li.) und Schneble

09. Oktober 2001 Der Nobelpreis sei natürlich nicht zu erwarten gewesen, meint Manfred Ketterle. „Aber Wolfgang hat immer sehr hart gearbeitet.“ Aus den Worten des Vaters des neuen deutschen Nobelpreisträgers Wolfgang Ketterle, der sich die Auszeichnung für das so genannte Bose-Einstein-Kondensat mit zwei amerikanischen Wissenschaftlern teilt, spricht natürlich vor allem Stolz. Aber der 74-Jährige gibt auch einen Hinweis darauf, dass sein Sohn schon früh für höhere Weihen in Frage zu kommen schien. Eine Einschätzung, die später auch von Herbert Walther geteilt wurde. Von 1982 bis 1986 begleitete der Professor auf dem Lehrstuhl für Experimentalphysik und Quantenoptik an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität den damaligen Doktoranden Ketterle bei seiner Promotion.

Die Doktorarbeit des neuen Nobelpreisträgers beeindruckte die Fachwelt bereits tief. Das Thema „Spektroskopie am Heliumhydrid und am dreiatomigen Wasserstoff-Molekül“ eröffnete praktisch ein ganz neues Forschungsgebiet, das Ketterle dann auch gleich vollkommen erforschte. „Er hat ein Gebiet kreiert und es gleichzeitig getötet“, erinnert sich Walther an den bemerkenswerten Doktoranden. Rund 20 Publikationen seien das Ergebnis seiner Promotion gewesen. Fast schon natürlich scheint es da, dass Ketterle mit der Traumnote „summa cum laude“ abschloss (1986).

So freundlich wie kompetent

Für den 43-jährigen, einer der jüngsten Nobelpreisträger der Geschichte, ist nach zahlreichen übereinstimmenden Berichten charakteristisch, dass er nicht vergessen hat, wer ihm den Weg zum wissenschaftlichen Ruhm ebnete. Nachdem der gebürtige Heidelberger die frohe Botschaft von der Schwedischen Akademie der Wissenschaften erhalten hatte, habe er seinen Doktorvater informiert, freut sich Walther. „Er hat sich für das Handwerkszeug bedankt, das er bei uns erworben hat.“

Trotz des außergewöhnlichen Talents und des raschen Erfolgs gilt Ketterle als ebenso freundlich wie kompetent. „Er steht mit beiden Beinen auf der Erde“, charakterisiert ihn Walther. Auch an der Bostoner Elite-Universität MIT (Massachusetts Institute of Technology) ist „Wuulfgäng“, wie die Pressesprecherin des Instituts den Professor aus Germany liebevoll nennt, äußerst beliebt. Bereits mit 33 Jahren wechselte er an das Institut, das als eine der bedeutendsten Forschungseinrichtungen der Welt gilt. In kürzester Zeit schaffte es der dreifache Vater vom assistent professor zum Inhaber eines der begehrten Stiftungslehrstühle am MIT - vorbei an allen amerikanischen Kollegen.

„Ein Traum geht in Erfüllung“

Allerdings ist Ketterle offenbar nicht vom Konkurrenzgedanken getrieben, hat er doch nach Aussage zahlreicher Weggenossen stets die Kollegen bei der gemeinsamen Arbeit unterstützt. Eher bescheiden klangen auch seine ersten Reaktionen auf die sensationelle Nachricht aus Schweden. „Für mich geht ein Traum in Erfüllung“, freute sich Ketterle und realisierte gleich: „Das wird mein Leben verändern.“ Doch der Blick für den Alltag verließ den 43-Jährigen auch in der Stunde des Erfolgs nicht: „Meine Tochter muss jetzt zur Schule.“ Sprachs und ließ die versammelte Presse erst einmal stehen.

Text: @dho
Bildmaterial: AP

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