Von Katja Gelinsky, Washington
13. Februar 2006 Wer argwöhnt, der Partner habe eine Liebesaffäre, der sollte heute, am Valentinstag, besonders wachsam sein. Vielleicht ist es sogar schon zu spät: Schon am 13. Februar sollte man unbedingt aufpassen, denn oft findet das heimliche Treffen am Vorabend des Valentinstags statt, sagt Bill Mitchell. In den Vereinigten Staaten sind Leute wie Mitchell am Tag der Liebenden gefragt und gefürchtet. Denn der Seven-Day-Detective, wie Mitchell sich nennt, betreibt ein Ermittlungsbüro, das Äffären und Liebesbeziehungen aufdeckt. Zur Valentinszeit sind Mitchell, seine sechs Angestellten und die freien Mitarbeiter, die dem Büro in ganz Amerika zuarbeiten, pausenlos im Einsatz. Wir haben etwa 20 Prozent bis 30 Prozent mehr Aufträge als im Durchschnitt, sagt der eloquente Privatdetektiv aus Greenville im Bundesstaat South Carolina, der auch Bücher über Partnerschaftskonflikte schreibt und von den amerikanischen Medien als Fachmann zum Thema Untreue und Ehebruch geschätzt wird.
Andere amerikanische Detektivbüros, die mutmaßlich untreuen Partnern hinterherspionieren, berichten ebenfalls, daß sie in diesen Tagen alle Hände voll zu tun hätten. Die Detektei Advanced Surveillance Group in Detroit (Michigan) versichert: Valentinstag ist der perfekte Tag, um untreue Ehepartner auf frischer Tat zu ertappen.
Geschäftsreisen am Valentinstag sind ein Alarmzeichen
Sandra Gessner vom Detektivbüro Discreet Investigations in New Jersey wird an diesem Dienstag zwei Ermittler auf den Ehemann einer Kundin ansetzen, der schon zu Hause ausgezogen ist. Angeblich braucht er nur Bedenkzeit. Aber meine Kundin vermutet, daß er schon eine andere hat. Also werden Gessners Mitarbeiter am Valentinstag zur Wohnung des Verdächtigen fahren und ihn mit Videokameras verfolgen, sobald er das Haus verläßt. Auch die arglose Frau eines amerikanischen Geschäftsreisenden wird an diesem Dienstag von Gessners Ermittlern beschattet werden. Einen Verdacht habe der Ehemann allerdings nicht. Er will nur wissen, was seine Frau am Valentinstag ohne ihn macht, sagt die 37 Jahre alte Privatdetektivin, die ihren Auftraggeber ziemlich kontrollierend findet. Womöglich habe er selbst etwas zu verbergen. Denn Geschäftsreisen am Valentinstag sind eigentlich ein Alarmzeichen.
Bill Mitchells Detektive werden an diesem Dienstag eine Ehefrau und Mutter von drei Kindern observieren, die den Valentinsabend angeblich bei ihrer besten Freundin verbringen und dort auch übernachten will. Durch Überprüfung ihrer elektronischen Postsendungen wissen wir schon, wer der Kerl ist, sagt Mitchell. Heute abend dürfte eine gute Gelegenheit sein, Videoaufnahmen von den beiden zu machen. Der Seven-Day-Detective, der sich rühmt, schon 2000 Fälle von Untreue aufgedeckt zu haben, hofft, daß seine Ermittler die Frau und ihren Liebhaber beim romantischen Dinner in einem Restaurant und später auf dem Weg in ein Hotel filmen werden.
Gefahrenstelle Internet
Vor der Zimmertür des Hotels ist dann freilich Schluß. Überwachungskameras über dem Bett läßt Mitchell allenfalls in Privatwohnungen anbringen. Aber solche Fälle sind selten, denn die meisten Amerikaner betrügen ihre Partner nicht im eigenen Schlafzimmer. Glaubt man dem Unternehmen Tru Test, das für rund 80 Dollar ein Testpaket zur Identifizierung von Sperma und Vaginalflüssigkeit anbietet, dann haben Seitensprünge und Affären in Amerika epidemische Ausmaße erreicht. Das Unternehmen zitiert Umfragen, nach denen mehr als 62 Prozent der Partner den anderen betrügen. Entsprechende Sorgen scheinen vor allem das weibliche Geschlecht zu plagen. Jedenfalls ermittelt Sandra Gessner zu 70 Prozent für Frauen. Auch Mitchell hat überwiegend weibliche Kundschaft, doch sei der Anteil betrogener Männer in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen, sagt er. Früher hatten die Frauen einfach weniger Gelegenheiten fremdzugehen. Aber heute arbeiten die meisten, und 80 Prozent aller Affären beginnen nun einmal am Arbeitsplatz.
Die zweite große Gefahrenstelle sei das Internet, sagt der Seven-Day-Detective. Zahlreiche Affären beginnen am Computer, da die Partner sich zu Hause unverstanden fühlen. Amerikaner, die untreuen Partnern mit Hilfe eines Privatdetektivs auf die Schliche kommen wollen, müssen dafür allerdings tief in die Tasche greifen. Für eine Arbeitsstunde berechnet Mitchell zwischen 75 und 100 Dollar. Ein normaler Fall koste dann etwa 2500 Dollar. Trotz der hohen Kosten versprechen sich manche Kunden aber sogar finanzielle Vorteile, wenn sie den Betrug ihres Ehepartners durch einen Privatdetektiv dokumentieren lassen. Denn Videobänder mit Betrugsszenen können bei Unterhaltsprozessen eine wichtige Rolle spielen. Auch bei Sorgerechtsstreitigkeiten könnten sie hilfreich sein, werben die Ermittlungsbüros. Wer dagegen einfach nur wissen will, ob das Geschenk zum diesjährigen Valentinstag deshalb so klein ausgefallen ist, weil noch jemand anders beschenkt wird, braucht eigentlich keinen Privatdetektiv einzuschalten. Meist fehlt es nicht an verdächtigen Hinweisen, sagt Sandra Gessner. Man muß nur bereit sein, sie auch zur Kenntnis zu nehmen.
Text: FAZ vom 14.2.2006
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