Flughäfen

Wohin mit der konfiszierten Nagelschere?

Von Thomas Klein

Nagelschere und Klappmesser gehören in den Koffer

Nagelschere und Klappmesser gehören in den Koffer

08. November 2001 Nach den Terroranschlägen in den USA gelten auf deutschen Flughäfen verstärkte Sicherheitsvorkehrungen. Unmittelbar nach den Anschlägen arbeiteten das Verkehrsministerium, Vertreter von Flughäfen und Fluggesellschaften, die Deutsche Flugsicherung (DFS) und der Bundesgrenzschutz (BGS) ein Sieben-Punkte-Programm aus, mit dem die Flugsicherheit erheblich verbessert werden soll.

In den ersten Wochen nach den Anschlägen sorgten verunsicherte Reisende, enormes Polizeiaufgebot und lange Warteschlangen an den Kontrollstellen für chaotische Zustände auf den Flughäfen. Strengere und gründlichere Durchsuchungen sind zwar effektiver, rauben aber viel Zeit. Inzwischen ist wieder weitgehend Normalität eingekehrt. Die Wartezeiten beim Einchecken sind auf ein normales Maß gesunken.

Luftverkehrsgesetz regelt die Kontrollen

Vielflieger haben den Eindruck, dass die Intensität der Sicherheitsuntersuchungen keinen einheitlichen Regeln unterliegt. Die Kontrollen sind offenbar eher abhängig vom jeweiligen Flughafen und dem Personal. Dabei sind die Maßnahmen im Luftverkehrsgesetz geregelt. Was allerdings allen Flughäfen die gleichen Probleme bereitet, sind die großen Mengen an konfiszierten Gegenständen, die nach den neuen Sicherheitsbestimmungen nicht mehr mit am Bord genommen werden dürfen. Zuständig für die Kontrolle der Fluggäste und des Hand- und Reisegepäcks ist der Bundesgrenzschutz.

Laut einer Liste des BGS dürfen keine Messer, Kanülen, Nagelfeilen, Nagelknipser, Rasierklingen, Stielkämme, Flaschenöffner und andere Gegenstände mit in den Flieger genommen werden. Vor dem 11. September war das nicht so. An großen Flughäfen fallen seither riesige Mengen an Material an. Am Anfang nahmen die Fluggesellschaften noch die Sache an sich, die Passagiere konnten so ihre Lieblingsnagelschere nach dem Urlaub wieder abholen.

Luftsicherheit ist zuständig

Der Aufwand war den Gesellschaften aber zu groß. Inzwischen muss sich die Luftsicherheit des jeweiligen Flughafens mit den konfiszierten Gegenständen beschäftigen. Nach Auskunft von Franz Selig, dem Leiter Operativer Betrieb Luftsicherheit beim Frankfurter Flughafen haben im Schnitt 20 von 100 Fluggästen nach wie vor Gegenstände im Handgepäck oder tragen sie am Körper, die nicht mehr an Bord erlaubt sind.

„Die Regelungen sind eindeutig. Wir haben die Passagiere über die neue Anordnung informiert. Ausnahmen werden da keine gemacht“, stellt Franz klar. Deshalb hilft auch das Bitten der Passagiere, vielleicht doch das goldbesetzte Taschenmesser aus dem Familienbesitz mit an Bord nehmen zu dürfen, nichts. „Die Gegenstände müssen in den Koffer oder die Reisetasche, ansonsten werden sie konfisziert“, so der Leiter der Luftsicherheit. Oder der Passagier gibt den Gegenstand bei der Gepäckaufbewahrung ab. Aber das kostet.

Verärgerte Fluggäste

Deshalb sind viele Fluggäste auch verärgert über die ihrer Meinung nach übergenauen Beamten. „In den ersten Wochen nach den Terroranschlägen hatte die Leute sehr viel Verständnis. Das bröckelt allmählich“, berichtet Franz Selig. Einige sind mächtig sauer, wenn die Beamten die neue Nagelfeile einziehen, die extra für den Urlaub gekauft wurde. Zum Teil schreiben die Passagiere Beschwerdebriefe an die Luftsicherheit und wollen das Geld für das konfiszierte Stück zurück. Rechtliche Ansprüche gibt es aber nicht, stellt Selig dar. Das Luftverkehrsgesetz regelt die Angelegenheit klar.

Neue Regelung soll kommen

Zufrieden ist mit diesem Zustand niemand. Verärgerte Passagiere und Kisten voller möglicher Stichwaffen, die als Sondermüll entsorgt werden müssen, sind keine dauerhafte Lösung. Die Fluggesellschaften halten sich aus der Angelegenheit raus. „Das ist Sache des Flughafens“, sagte Karin Weber, Sprecherin der Lufthansa AG. In Frankfurt wird deshalb nach einer anderen Möglichkeit gesucht. Nach einer, „mit der die Passagiere zufrieden sind“, so Luftsicherheits-Chef Franz Selig. Die Sache sei aber „noch nicht spruchreif“, soll aber noch in diesem Jahr kommen, kündigt er an.

Text: @tk
Bildmaterial: Sascha Nowotka/STOCK4B

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