Lieber Tobias Rüger!
Ihr Vergleich hinkt. Der Unterschied zwischen Amerika und den von Ihnen aufgezählten Staaten sollte nicht unterschlagen werden. Amerika ist ein demokratisches Land, nimmt sogar für sich in Anspruch, schlechthin die moderne Demokratie erfunden zu haben und bei allen anderen ist von totalitären Systemen auszugehen. Und auch Ihr anderer Vergleich steht auf tönernen Füßen. Die Bevölkerung Chinas macht ebenso viele Menschen aus, wie der Rest der von Ihnen aufgezählten Länder.
Lieber Herr Rüger, Sie haben vollkommen Recht, es ist nur zu leicht, Demokratien zu kritisieren, weil es billig ist und keine Folgen hat. Leider kriecht die von einer angeblichen Political Correctness betriebene Linksorientierung nun auch schon in die früheren Bastionen der Bürgerlichen Mitte. Die Versuche, die Mitte zwischen SPD und SED-PDS anzusiedeln sind eklatant. Dazu gehöhrt auch das ständige Repetieren der Geschichten über die USA und ihre Menschenrechtspolitik im Zusammenhang mit der Praxis der Todesstrafe. Diese Kritik ist billig, da sie nichts kostet. Hätte G.Schröder seinen sogenannten Deutschen Weg gewagt, wenn er nicht die USA, sondern Rußland oder China zum Gegner gehabt hätte? Schaut man sich sein Bündnispartner bei der Irakkriegsverweigerung an, ist die Verlogenheit dieser Debatte evident. Wer im Schulterschluß mit China (Tibet) und Rußland (Tschetschenien) den Wahlerfolg zulasten der traditionellen Bündnisse sucht macht sich mehr als nur lächerlich. Doch genau diese Politik ist ein Symthom für die Welt, welche sich die Gutmenschen mit Wille und Vorstellung einrichten. Nur kosten darf diese Doppelmoral nichts - Schröder wurde mit einem Posten in der russischen Ölwirtschaft belohnt. Pecunia non olet!
Die Todesstrafe ist für uns Europäer inakzeptabel, keine Frage. Merkwürdig nur, dass sie immer wieder als ein USA-Phänomen dargestellt wird. Nach dem Motto: Wovon wir nicht wissen (wollen), das ist auch nicht passiert; demnach existieren im medial geprägten Bewusstsein Misstände also nur dort, wo freie Berichterstattung möglich ist. Die Vorkommentatoren sind dann auch erwartungsgemäß auf den üblichen Anti-Amerika-Zug aufgesprungen. Dabei hätten sie nur mal genau auf die Infografik schaun müssen. China vollstreckt also ungefähr soviel Todesurteile wie alle anderen Todesstrafenländer zusammen. Und wie sieht es mit den Straftaten aus, für die die Todesstrafe verhängt wird?
In Pakistan z.B. für Beleidigung des Islam. In Iran Übertritt vom Islam in eine andere Religion. In China für Korruption Und in USA für Raubmord.
Es lohnt sich also, genauer hinzuschaun. Mit Billigsprüchen wie: 'Amerika - angeblich der Streiter für Menschenrechte' stellt man lediglich intellektuelle Mittelmäßigkeit unter Beweis.
Amerika - angeblich der Streiter für Menschenrechte.
Wohl nur, wenn es durch eigenen Vorteil in fremden Ländern sich lohnt.
Menschenrecht ist es, niemandem das Recht auf Leben absprechen zu d ü r f e n.
Im eigenen Land mit staatlicher Macht die Todesstrafe zu vollziehen, zeigt dessen wahren Charakter.
Das ist grauenhaft. Vor dem buchstäblichen Galgenhumor kann man nur Respekt haben. Ich hoffe, daß diese Hinrichtungs-»Fehlschläge« in Gang bringen, daß die USA über diese Praktiken noch einmal nachdenken.