26. Juni 2003 In einem bahnbrechenden Urteil für die Rechte der Homosexuellen hat das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten den analen und oralen Geschlechtsverkehr zwischen Erwachsenen für legal erklärt. Der Supreme Court urteilte am Donnerstag in Washington, diese sexuellen Praktiken dürften nicht verboten werden, solange sie im vollen und gegenseitigen Konsens zwischen den Beteiligten stattfänden. Der Staat dürfe privates sexuelles Verhalten nicht zu einem Verbrechen erklären.
Im konkreten Fall ging es um ein Gesetz im Bundesstaat Texas, das den oralen und analen Verkehr zwischen Homosexuellen unter Strafe stellte. Hinfällig werden mit dem Urteil aber auch ähnliche Gesetze in zwölf weiteren Staaten: Wie in Texas ist auch in Kansas, Oklahoma und Missouri bislang ebenfalls der anale und orale Verkehr unter Homosexuellen verboten, unter Heterosexuellen dagegen erlaubt; in neun weiteren Staaten sind diese Praktiken bisher sowohl unter gleichgeschlechtlichen als auch heterosexuellen Partnern illegal.
Der Supreme Court traf seine Entscheidung mit der Mehrheit von sechs gegen drei Stimmen. Er hob damit auch ein eigenes Urteil aus dem Jahr 1986 auf, das den Bundesstaaten noch erlaubte, oralen und analen Verkehr zu bestrafen. Im konkreten Streitfall war die Homosexuellenvereinigung Lambda Legal Defense and Education Fund im Namen zweier Männer aus Texas vor das Oberste Gericht gezogen. John Geddes Lawrence and Tyron Garner waren 1998 von der Polizei beim Sexualakt in Lawrences Wohnung erwischt worden, nachdem ein Nachbar einen falschen Hinweis auf ein Waffendelikt gegeben hatte. Die beiden Männer wurden inhaftiert und bekamen eine Geldstrafe von 200 Dollar auferlegt.
Text: AFP
Bildmaterial: AP