Weltjugendtag

Papst trifft Politiker zu Privataudienzen

Der Papst empfängt den Präsidenten des Bundestages Thierse

Der Papst empfängt den Präsidenten des Bundestages Thierse

20. August 2005 Papst Benedikt XVI. hat am dritten Tag seines Deutschlandbesuches in Köln prominente Politiker zu Privataudienzen empfangen. In der aus diesem Anlaß weiträumig abgesperrten erzbischöflichen Residenz kam er am Samstag nacheinander mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und dessen Frau Doris Schröder-Köpf, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel zusammen.

Die Audienz mit dem Ehepaar Schröder sei in angenehmer und harmonischer Atmosphäre verlaufen, sagte Weltjugendtags-Sprecher Matthias Kopp. Zu den Inhalten wollte er unter Hinweis auf den privaten Charakter der Begegnungen nichts sagen. Merkel äußerte sich im Anschluß erfreut. Es sei „eine große Freude“ gewesen, „den Heiligen Vater gesehen zu haben. Wir haben uns gut unterhalten“, sagte die CDU-Chefin. „Es war toll, einen deutschen Papst auf deutschem Boden zu treffen.“

„Großer Freund Deutschlands“

Benedikt XVI. mit Angela Merkel und ihrem Ehemann Joachim Sauer

Benedikt XVI. mit Angela Merkel und ihrem Ehemann Joachim Sauer

Im Anschluß empfing der Papst den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers und dessen Frau Angelika, die Oberbürgermeister von Köln und Düsseldorf, Fritz Schramma und Joachim Erwin, sowie die Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann. Zuletzt empfing Benedikt XVI. die brasilianischen Fußball-Legende Pele, der ebenfalls am Weltjugendtag teilnimmt. Am Abend wollte das katholische Kirchenoberhaupt Vertreter der muslimischen Gemeinde in Deutschland treffen (Siehe auch: FAZ.NET-Sonderseite Weltjugendtag in Köln).

Auch mit Rüttgers sprach der Papst nach dessen Angaben über die Integration muslimischer Einwanderer. Man sei sich einig gewesen, daß den Muslimen Religionsunterricht ermöglicht werden solle, „damit sie auf Dauer hier ein Heimat finden“, sagte der CDU-Politiker nach seinem Treffen. Er habe den Papst „als großen Freund Deutschlands“ empfunden, der sich auch mit viel Sympathie an seine Zeit in Nordrhein-Westfalen erinnert habe, fügte Rüttgers hinzu.

Der Papst, der zum Weltjugendtag bis Sonntag Deutschland besucht, will mit den Jugendlichen am Samstag abend ein Nachtgebet (Vigil) auf dem Marienfeld abhalten. Bereits seit dem Morgen waren tausende Jugendliche bei windigem, aber trockenem Wetter unterwegs zu dem ehemaligen Braunkohle-Tagebau-Gelände westlich von Köln. Am Nachmittag war dort ein musikalisches Vorprogramm mit der Kelly Family und der Sängerin Judy Bailey geplant. Zum Abschlußgottesdienst werden am Sonntag rund 800.000 Menschen auf dem Marienfeld erwartet.

Thierse-Appell an den Papst

Parlamentspräsident Thierse hatte zuvor den Papst aufgerufen, ein „störender und störrischer Faktor in der Weltöffentlichkeit“ zu sein. In einem Beitrag für die Düsseldorfer „Rheinische Post“ appellierte der SPD-Politiker an das Kirchenoberhaupt, die christliche Kritik an den „Gefahren des Ökonomismus“ zum Ausdruck zu bringen.

Die Kirche stelle sich selbst in Frage, wenn sie stets mit dem Zeitgeist ginge, der die Menschen als bloße Konsumenten und Arbeitskräfte behandele, schrieb Thierse. Er wünsche sich, daß der Papst den regionalen Kirchen mehr pastorale Befugnisse zubillige, daß er „ökumenische Leidenschaft“ aufbringe und den Dialog der Religionen fortsetze, fügte er hinzu.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa und AP
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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