Dresdner Frauenkirche geweiht

„Großes Werk im Geist der Versöhnung“

Ein Freudentag für Dresden

Ein Freudentag für Dresden

30. Oktober 2005 Die wiederaufgebaute Dresdner Frauenkirche ist am Sonntag in Anwesenheit der höchsten Repräsentanten von Kirche und Staat feierlich geweiht worden.

Im Festgottesdienst mit 1800 Gästen, darunter Bundespräsident Horst Köhler, der scheidende Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine designierte Nachfolgerin Angela Merkel, würdigte Bischof Jochen Bohl den Wiederaufbau des 1945 von englischen Bombern zerstörten evangelischen Gotteshauses als ein „großes Werk im Geist der Versöhnung“. Köhler sprach von einer gesamtdeutschen Leistung, die Mut mache.

Kurz vor Beginn des Gottesdienstes war es zu einem Stromausfall gekommen. Trotzdem konnte die Feier pünktlich beginnen. Unter den Ehrengästen waren auch die früheren Bundespräsidenten Roman Herzog, Johannes Rau und Richard von Weizsäcker, der Herzog von Kent als Vertreter des englischen Königshauses sowie die Botschafter der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Frankreichs.

„Ein großer Tag“

Der Festgottesdienst begann mit einer feierlichen Prozession. Den Gottesdienst mit der Losung „Friede sei mit Euch“ leitete der Bischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche, Jochen Bohl. In seiner Predigt sprach Bohl von einem großen Tag, „den wir miteinander erleben dürfen“. Es sei ein Fest, wie es nur wenige gebe. „Unsere Herzen und Sinne sind bewegt von Dankbarkeit und großer Freude.“ Der Wiederaufbau der Frauenkirche habe winzig klein begonnen, aber es sei ein großes Werk im Geist der Versöhnung geworden.

Der Geistliche erinnerte an die Jugendlichen, die erstmals am 13. Februar 1982, dem Jahrestag der Zerstörung Dresdens, in der damaligen DDR Kerzen an der Ruine der Kirche entzündeten. Die Ruine sei zur Botschaft geworden. Die Bilder der brennenden Kerzen, die zum Frieden gemahnt hätten, seien um die Welt gegangen, sagte Bohl.

„Wiederaufbau als Gleichnis“

Anfang der neunziger Jahre sei der „Ruf aus Dresden“ gekommen und damit der Impuls zum Wiederaufbau. Im Blick auf das Kuppelkreuz, einem Geschenk aus England, könne jeder ein großes, anrührendes Werk der Versöhnung sehen, betonte Bohl. „Es begann im Kleinen, und darum wird der Wiederaufbau uns zu einem Gleichnis.“ Aus einem unscheinbaren Anfang könne etwas zu kraftvoller Größe heranwachsen.

Nach Ansicht des Bischofs macht die Geschichte des Wiederaufbaus die Sicht frei auf die geistliche Dimension des Lebens. „Wo wir das Gute tun und unseren Mitmenschen liebevoll begegnen und wo wir bereit sind zu vergeben und uns zu versöhnen, da wächst das Gottesreich.“ Wer sich dagegen blindlings in der Realität der Welt einrichte, werde das Leben verfehlen. „Wir brauchen eine Kraft, die das Dunkel der Welt und das Leiden der Menschen in ihr überwindet, damit es gut wird mit uns“, sagte Bohl.

Bundespräsident Horst Köhler nannte den Wiederaufbau eine gesamtdeutsche Leistung. „Was hier in Dresden erreicht wurde, sollte Deutschland insgesamt Mut machen“, sagte Köhler in seiner Ansprache nach der Weihe des Gotteshauses. Er erinnerte an einen Ausspruch des Dichters Gerhart Hauptmann, der 1945 gesagt hatte: „Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens.“ Dem sei 60 Jahre später hinzuzufügen: „Wer die Zuversicht verloren hat, der gewinnt sie wieder beim Anblick der wiedererstandenen Frauenkirche.“

12. Februar 1990: Aufruf zum Wiederaufbau

Die Initiative zum Wiederaufbau ergriffen Dresdner Bürger am 12. Februar 1990 mit einem Aufruf zur Gründung einer internationalen Stiftung. Mit dem Engagement Tausender Förderer wurde Geld für das Vorhaben gesammelt. Im Januar 1992 begannen Bauarbeiter damit, den 13 Meter hohen Trümmerberg wegzuräumen. Am 27. Mai 1994 begann offiziell der Wiederaufbau.

Die Frauenkirche ist ein Jahr früher als geplant fertiggestellt. Die Gesamtkosten des zu zwei Dritteln aus privaten Spenden finanzierten Wiederaufbaus beliefen sich auf etwa 180 Millionen Euro. Die reinen Baukosten lagen bei 131 Millionen Euro.

Am 15. Februar 1945, kurz nach den Bombenangriffen auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945, war die Frauenkirche brennend in sich zusammengebrochen. 60 Jahre später erstrahlt sie nun in neuem Glanz und gibt Dresden ein wesentliches Stück seiner historischen Stadtansicht zurück.

Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: AP, ddp, ddp / SLUB Dresden/Abt. Deutsche Fotothek, dpa, dpa/dpaweb, picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa, REUTERS, ZB

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Nach 60 Jahren

Aufgejubelt aus Ruinen: Die Dresdner Frauenkirche

Dicht bevölkert: Dresdens Neumarkt vor der Frauenkirche

In Dresden hat die Weihe der wiederaufgebauten Frauenkirche begonnen. Unter Posaunenklängen zogen Schüler der Internationalen Schule Dresden mit sakralen Gegenständen wie dem Nagelkreuz und der Taufkanne in das Gotteshaus ein.

Dresden

Sinnbild Frauenkirche

Ein einzigartiges Bauwerk

Das Projekt Frauenkirche hat eine Kraft entwickelt, der sich kaum jemand entziehen konnte. Und doch bleibt es ein großes Wagnis, in der einstigen Kernregion der Reformation ein Gotteshaus zu errichten.

Der Baumeister

Wieder ein Wunder von Dresden

Burger (2.v.l.) mit Helmut Kohl vor dem neuen Turmkreuz

Eberhard Burger, der Baudirektor der Frauenkirche, hat mit Beharrlichkeit auch die letzten Zweifler überzeugt, daß der Wiederaufbau möglich sein würde. Nun bleibt nach jahrelanger Arbeit die Frage: Was kommt nun?

Die Spenden

Auf Geld aus aller Welt gebaut

Spendete Preisgeld: Nobelpreisträger Günter Blobel

Der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche hat von Beginn an Menschen in aller Welt begeistert. Etwa 600.000 Spender haben 100 Millionen Euro aufgebracht. Spenden werden auch für den Unterhalt nötig sein.

Die Technik

Ein Anker verteilt die Kuppellast

Die Dresdner Frauenkirche wurde Stein für Stein „händisch“ zusammengesetzt. Aber ohne die Technik wäre es nicht so gut gelungen. Dabei mußten etliche Probleme überwunden werden.

Frauenkirche

Verfehlter Glückwunsch

Fast fertig: die Dresdner Frauenkirche

Die Dresdner Frauenkirche soll nach ihrem zehnjährigen Wiederaufbau im Oktober geweiht werden. Bisher begleiten aber peinliche Pannen die Mühen der Stiftung Frauenkirche, die Plätze für den Weihegottesdienst gerecht zu vergeben.

Der Maler

Der Rollenkünstler

Mammutaufgabe: Christoph Wetzel

Stundenlang muß er sich über sechs mal fünfeinhalb Meter große Packpapierplanen beugen: Christoph Wetzel malt die Innenkuppel der Dresdner Frauenkirche originalgetreu aus.

Die „Kleinigkeiten“

Popgedudel und Evangelisten

Auflage 15 Millionen: die Sondermarke

Vieles am Wiederaufbau der Frauenkirche ist wunderbar: Der Kostenrahmen wurde exakt eingehalten, die Weihe findet ein Jahr früher als geplant statt und die Gestaltung der Kuppel gelang trotz des ganzen Popgedudels aus den Arbeiterradios.

Die Krönung der Kirche

Dem Schatten entronnen

Krönung nach zehn Jahren Arbeit

Spezial Krönung des Wiederaufbaus: Der Dresdner Frauenkirche sind Turmdach und Kuppelkreuz aufgesetzt worden. Die Schönheit des äußerlich vollendeten Bauwerks läßt die mahnende Ruine doch nicht verschwinden.

Das Turmkreuz

Versöhnungskrone

Das Turmkreuz der Frauenkirche

Sein Vater war britischer Bomberpilot, der im Zweiten Weltkrieg deutsche Städte zerstörte. Der Schmied Alan Smith hat nun das goldene Kreuz, ein Symbol der Hoffnung und des Friedens, für die Frauenkirche fertiggestellt.

Der letzte Stein

Stein auf Stein: Die Kirche wird bald fertig sein

Bauleute setzen den letzten Sandstein auf die “Laterne“ der Dresdner Frauenkirche

Der letzte Sandstein ist gesetzt, die Steinbauarbeiten sind abgeschlossen. Die Dresdner Frauenkirche wird bald wieder im alten Glanz erscheinen. Im Inneren gehen die Arbeiten weiter.

Befreit von den Gerüsten

Die Kuppel der Frauenkirche stiftet Seelenfrieden

Die wiedererstehende Frauenkirche in Dresden

Diese Kirche ist ein Berg. Aber einer von zweierlei Gestalt: Steht man vor ihr, erscheint sie unüberwindlich, breit, ernst, unerbittlich. Vom weitem dagegen scheint sie fast schwerelos, eine Gottestänzerin über der Elbe und der Stadt.

Die Kuppel

Blick frei auf ein Symbol

Die Kuppel der Frauenkirche ist endlich zu sehen

Der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche war von Beginn an eine gigantische Herausforderung, ist aber auch eine überaus geschickte Inszenierung. Jüngste Etappe: Die steinerne Kuppel wurde enthüllt.

Die Glocken

Sieben Glocken der Frauenkirche geweiht

Von allen Seiten bestaunt und bewundert: Die neuen Glocken

Ein lange herbeigesehnter Moment: In einer feierlichen Zeremonie wurden am Sonntag die sieben neuen Glocken der Dresdner Frauenkirche geweiht und mit biblischen Namen benannt.

Dresden

Lichtermeer an der Semperoper vor der „Nacht der Stille“

Die Semperoper erstrahlt im Schein zehntausender Kerzen

Dresden hat seiner Zerstörung durch alliierte Bomberverbände vor 60 Jahren gedacht. Auf dem Theaterplatz trafen sich Zehntausende zur Aktion „10.000 Kerzen für Dresden“. Punkt 21.45 Uhr läuteten Kirchenglocken. Getrübt wurde das Gedenken der Opfer durch einen Aufmarsch von Rechtsextremisten.

60 Jahre danach

Dresden gedenkt des schlimmsten Tages seiner Geschichte

Dresden nach dem Bombardement

An diesem Sonntag gedenkt Dresden seiner Zerstörung durch alliierte Bomber vor sechzig Jahren. Ein Symbol der Unbarmherzigkeit wurde der Angriff auch deshalb, weil er in voller Absicht sich vorwiegend gegen die Altstadt und die Zivilbevölkerung richtete.

Unesco

Neues Weltkulturerbe: Dresden, Bremen und Bad Muskau

Weltkulturerbe: Dresdens Altstadt

Spezial Deutsche Neuzugänge im Weltkulturerbe der Unesco: Das Dresdner Elbtal ist am Freitag morgen ebenso aufgenommen worden wie das Rathaus und der Roland in Bremen sowie der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau. FAZ.NET-Spezial.