17. August 2004 In Deutschland müssen immer mehr Kinder und Jugendliche von den Jugendämtern in Obhut genommen werden, weil Eltern mit der Erziehung überfordert sind. Mußten im Jahr 1995 noch 6944 Kinder und Jugendliche von den Jugendämtern wegen der Überforderung ihrer Eltern vorläufig in Heimen oder bei Pflegeeltern untergebracht werden, so waren es 2003 nach einer neuen Erhebung des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden schon 10006 Fälle.
Auch die Zahl der Jugendlichen, die angaben, aufgrund von Beziehungsproblemen um eine Betreuung des Jugendamtes gebeten zu haben, ist von 6530 im Jahr 1995 auf 7036 im Jahr 2003 gestiegen. Hier ist die Zahl der weiblichen Jugendlichen besonders hoch, die eigene Schwierigkeiten mit ihren Partnern oder mit ihren Eltern haben.
Unbegleitete Einreise und sexueller Mißbrauch
Im Vergleich zum Jahr 2002 hat es allerdings 2003 weniger Inobhutnahmen von Jugendlichen gegeben: Die Zahl der Fälle ging um fünf Prozent auf 27200 zurück. 61 Prozent hiervon waren älter als 14 Jahre. 7505 oder 27,6 Prozent der insgesamt in Obhut genommenen Jugendlichen lebten bei einem alleinerziehenden Elternteil. Als häufiger Grund dafür, bei Jugendämtern um Inobhutnahme nachgesucht zu haben, wird die "unbegleitete Einreise" genannt. 1155 Jugendliche mußten vom Jugendamt betreut werden, weil sie ohne Eltern nach Deutschland eingereist waren.
Bei 850 Kinder- und Jugendlichen war "sexueller Mißbrauch" der Anlaß dafür, daß ein Jugendamt sich um eine Unterbringung jenseits des Elternhauses kümmern mußte. Kinder und Jugendliche können entweder auf eigenen Wunsch oder weil eine "dringende Gefahr für ihr Wohl" besteht von den Jugendämtern der Kommunen in Obhut genommen werden. Neun Prozent der im Jahr 2003 unter die Aufsicht der Jugendämter gestellten Kinder oder Jugendlichen wurden an "jugendgefährdenden Orten", also Straßen mit Bordellbetrieb, oder an Treffpunkten von Drogenhändlern aufgegriffen.
Text: rso., Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18. August 2004
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