Polizei

Mehrheit der Bundesbürger für Gewaltandrohung in Verhören

26. Februar 2003 Die große Mehrheit der Deutschen zeigt Verständnis für die Gewaltandrohung der Polizei im Entführungsfall Jakob von Metzler. 63 Prozent finden, der stellvertretende Polizeichef Wolfgang Daschner solle nicht bestraft werden, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Forsa-Umfrage ergab. 32 Prozent der 1.003 Befragten sprachen sich für eine Strafe aus.

Die Vorsitzende des Bundestags-Innenausschuss, Cornelie Sonntag-Wolgast (SPD), zeigte sich entsetzt, dass das absolute Folterverbot in Frage gestellt werde. Das Folterverbot stehe „an oberster Stelle“ und könne nicht durch andere Prinzipien in Frage gestellt werden, sagte die Politikerin im Deutschlandradio Berlin. Die Diskussion rüttele an Weltgesetzen wie der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Gerade weil der Staat ein Gewaltmonopol habe, müssten für ihn andere Kategorien gelten.

„Keine Folter in der Bundesrepublik“

Sonntag-Wolgast wies darauf hin, dass derzeit noch der Türkei der EU-Beitritt verwehrt werde, weil es dort Hinweise auf Folter gebe. Eine mögliche Bundestagsdebatte zu diesem Thema müsse sehr kurz sein und mit dem klaren Votum des gesamten Parlaments enden: „Keine Folter in der Bundesrepublik“. Es dürfe auch keine Aufweichungen oder Ausnahmen geben.

Der Fall Jakob hatte für großes Aufsehen gesorgt, nachdem bekannt geworden war, dass der Frankfurter Polizei-Vizepräsident Wolfgang Daschner angeordnet hatte, dem 27-jährigen inhaftierten Magnus G. Schmerzen zuzufügen, damit dieser den Aufenthaltsort des entführten Jungen verrät. Minuten später sagte der mutmaßliche Entführer, Jakob sei tot und befinde sich an einem See 60 Kilometer von Frankfurt entfernt.

Noch krassere Methoden

In der Zeitschrift „Stern“ berichteten Polizeibeamte von noch krasseren Verhörmethoden: „In kritischen Fällen haben wir mit dem Beschuldigten schon mal eine Ausfahrt gemacht. 'Ortsbesichtigung' nennen wir das. Draußen haben wir die Pistole so entsichert, dass er es genau mitgekriegt hat“, zitiert das Blatt einen Beamten. Ein anderer Ermittler sagte, an Daschners Stelle wäre er mit G. in den dritten Stock gegangen und hätte gedroht: „Ich schmeiß dich jetzt hier raus, und hinterher sage ich, der ist gesprungen.“

Adolf Gallwitz, Professor für Psychologie an der Polizeifachhochschule Villingen-Schwenningen, sagte, diese Methoden stammten „aus dem Mittelalter“. „Da sind wir auf der Ebene von Bananenrepubliken“, sagte er dem Blatt.

Text: ddp, AP

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Gewaltandrohung

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Polizei

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Folter?

Welch ein Schlagwort: "Folter". Seit Tagen berauschen wir uns daran, mit größter Selbstverständlichkeit bestimmt es die Wortmeldungen. Es ist eine Entsetzen versprechende Vokabel, an der wir nicht vorbeilesen können.

Polizei

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Frankfurter Folter-Affäre

„Ich hatte in dieser Situation keine andere Möglichkeit“

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Verbrechen

Geständnis im Mordfall Jakob offenbar mit Drohungen erpresst

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