Fall Metzler

Urteil im Fall Metzler - Verteidiger will vors Bundesverfassungsgericht

27. Juli 2003 Der aufsehenerregende Prozeß um den Mörder des Bankierssohnes Jakob von Metzler nähert sich seinem Ende: Am Montag wollen die Richter das Urteil über Magnus Gäfgen verkünden. Dessen Verteidiger Hans Ulrich Endres erklärte unterdessen im Nachrichtenmagazin "Focus", er wolle bis vor das Bundesverfassungsgericht gehen, wenn die Richter dabei dem Antrag von Staatsanwaltschaft und Nebenkläger auf Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld folgen sollten.

"Es war Mord, ganz klar. Ich habe aber schon Täter verteidigt, die auf grausamere Art töteten", sagte Gäfgens Verteidiger. Es sei ein skandalöser Verfahrensfehler, daß der Vizepräsident der Frankfurter Polizei, Wolfgang Daschner, Gäfgen mit Folter gedroht und zur Aussage gezwungen habe. "Sollte Karlsruhe mir Recht geben, ist Magnus in drei Jahren frei und hat Anspruch auf Haftentschädigung."

Gäfgen selbst sprach von Mord

Weil Daschner den entführten Jakob von Metzler in Lebensgefahr wähnte, hatte er dem Angeklagten während des Verhörs Gewalt angedroht, um den Aufenthaltsort des Kindes zu erfahren. Wie sich später herausstellte, war der Junge zu diesem Zeitpunkt jedoch schon tot.

Wegen dieser Folterdrohung hatte die 22. Schwurgerichtskammer des Frankfurter Landgerichts sämtliche bis dahin abgelegten Geständnisse für ungültig erklärt. Gäfgen legte während der viermonatigen Beweisaufnahme dennoch ein umfassendes Geständnis ab, sprach in seinem Schlußwort sogar selbst von Mord. Staatsanwaltschaft, Nebenkläger und Verteidiger plädierten übereinstimmend auf lebenslange Haft. Strittig ist jedoch, ob dem Angeklagten eine besonders schwere Schuld zugesprochen wird: In dem Fall dürfte Gäfgen nicht nach nur 15 Jahren Haft auf Bewährung entlassen werden.

Der 28-jährige Gäfgen hatte Ende September vergangenen Jahres den elfjährigen Jakob von Metzler auf dem Heimweg von der Schule unter einem Vorwand zu sich nach Hause gelockt und ihn dort erstickt. Mit der Kinderleiche im Auto fuhr er nach eigenen Aussagen am Anwesen der Metzlers vorbei und warf ein Erpresserschreiben auf das Grundstück. Die Eltern des Jungen zahlten die geforderte Lösegeldsumme in Höhe von einer Million Euro. Die Geldübergabe brachte die Ermittler auf die Spur Magnus Gäfgens.



Text: @kate
Bildmaterial: AP

 
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