Sprache

„Hartz IV“ ist Wort des Jahres

Angst vor Hartz IV

Angst vor Hartz IV

10. Dezember 2004 Das „Wort des Jahres“ 2004 heißt „Hartz IV“. „Es gibt kaum einen Begriff, der in diesem Jahr so oft gebraucht wurde - zumindest in der Politik", begründete der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Rudolf Hoberg, am Freitag in Wiesbaden die Wahl der Jury. Der Name des VW-Personalvorstands Peter Hartz sei inzwischen zum Begriff für die Arbeitsmarktreformen geworden. „Auch jemand, der Herrn Hartz nicht kennt, kann sich unter Hartz IV mittlerweile etwas vorstellen", sagte Hoberg.

Auf Platz zwei kam das Wort „Parallelgesellschaften“ in der Debatte um die Integration von Ausländern, Platz drei belegte der Ausdruck „Pisa-gebeutelte-Nation“, der auf das schlechte Abschneiden Deutschlands im gleichnamigen Schultest abzielt.

Armut ist immer wieder Thema

Sogar eine Inspiration für Wort-Neuschöpfungen

Sogar eine Inspiration für Wort-Neuschöpfungen

Während Statistiken oft anderes aussagen, beschreibt die "gefühlte Armut" die tatsächliche Gefühlslage verschiedener Bevölkerungsgruppen (Platz 4). Auf Platz 5 folgt "Ekelfernsehen" - eine negative Bewertung neuerer Fernsehsendungen, die von vielen Kritikern nicht akzeptiert werden.

Bei jedem ersten Arztbesuch im Quartal muß seit Januar 2004 die "Praxisgebühr" (Platz 6) als neue Einnahmequelle für die Krankenkassen entrichtet werden. Eine neue Verdienstmöglichkeit ist seit diesem Jahr durch den "Ein-Euro-Job" (Platz 7) gegeben, durch den Arbeitssuchenden Beschäftigung garantiert und ein finanzieller Zuschuß ermöglicht wird.

Auch Rehakles hatte viele Fans

In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens sollten qualitative Veränderungen damit bekundet werden, daß man sich in Wirtschaft und Politik als neu "aufgestellt" (Platz 8) präsentiert, in Anlehnung an Sportmannschaften, die schon immer "aufgestellt" wurden. Auf Platz 9 steht die klassisch-heroisch klingende Wortschöpfung "Rehakles" (in Anlehnung an Herakles) für den deutschen Trainer Otto Rehhagel, der bei der Fußballeuropameisterschaft überraschenderweise die griechische Nationalelf zum Sieg führte.

Nicht nur im Fußball wollte man mehr. Seinen sprachlichen Ausdruck fand dies auf der Wortliste Platz 10: " ... & mehr" nach dem englischem Muster ("miles & more"), wie auch "Computer & mehr", "Erholung & mehr", "Wörter & mehr".

Seit mehr als 30 Jahren kürt die Gesellschaft für deutsche Sprache Ausdrücke, die den öffentlichen Sprachgebrauch des jeweiligen Jahres beeinflussen und von ihr als „verbale Leitfossilien“ bezeichnet werden. 2001 war das „Der 11. September“, 2002 „Teuro“ und im vergangenen Jahr „Das alte Europa“.

Anfang kommenden Jahres wird dann das Unwort des Jahres gewählt.

Die Worte des Jahres seit 1994

2003: „Das alte Europa“
2002: „Teuro“
2001: „Der 11. September“
2000: „Schwarzgeldaffäre“
1999: „Millennium“
1998: „Rot-Grün“
1997: „Reformstau“
1996: „Sparpaket“
1995: „Multimedia“
1994: „Superwahljahr“

Text: @mg
Bildmaterial: dpa, dpa/dpaweb

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