11. Juli 2005 Pamplona hat am Montag die bislang längste und gefährlichste Stierhatz dieses Sommers erlebt: 90 Verletzte lautete die Bilanz des Roten Kreuzes in der nordspanischen Stadt. Vier Teilnehmer wurden von den Tieren auf die Hörner genommen und mußten im Krankenhaus operiert werden, die übrigen erlitten Knochenbrüche, Prellungen oder Schürfwunden.
Das jüngste Opfer war noch keine 18 - Minderjährigen ist die Teilnahme eigentlich strikt untersagt - das älteste 69 Jahre alt. Zudem gab es rund um das Fest zwei Tote: Ein 24 Jahre alter amerikanischer Tourist und eine junge Spanierin stürzten von der Stadtmauer 30 Meter tief in den Fluß Arga - die Polizei schließt nicht aus, daß Alkohol im Spiel war.
In Panik vor Vaporoso
Auf der knapp 825 Meter langen Strecke zwischen Stall und Stierkampfarena geschah am Montag das, was die Rettungsdienste am meisten fürchten: Einer der Bullen stürzte, blieb zurück und ging gezielt auf einzelne Läufer los. Vaporoso (Der Luftige), so der Name des 600-Kilo-Kolosses, erfaßte zunächst einen Polizisten. Der 41jährige hatte die Gefahr erkannt und war auf die Strecke gerannt, um die Teilnehmer zu warnen. Die Hörner bohrten sich in den linken Oberschenkel des Beamten. Auch die übrigen drei Schwerverletzten gingen auf das Konto von Vaporoso, der bei einem seiner Opfer auch noch nachsetzte und es durch die Luft wirbelte. Auf der Strecke herrschte Panik, berichtete ein Augenzeuge.
Der Lauf dauerte fünfeinhalb Minuten, fast doppelt so lang wie üblich. Selten haben wir so viele Verletzte an einem einzigen Tag gehabt, sagte der Einsatzleiter des Roten Kreuzes, José Aldaba. Er wußte aber, daß es so kommen könnte. Vaporoso stammt aus der südspanischen Züchterei Jandilla. Deren Kampfstiere hatten schon im vergangenen Jahr acht Läufer aufgespießt.
Patas bringen sich in Lebensgefahr
Bei dem traditionellen Spektakel werden noch bis zum 14. Juli jeden Morgen sechs Kampfstiere und sechs zahme Leitochsen durch die Altstadt Pamplonas bis in die Arena gejagt. Dort werden sie abends von Toreros getötet. Hunderte junge Männer, die Mozos, laufen dabei vor den Tieren her. Als einzige Waffe, um die Kolosse von sich fern zu halten, dient ihnen eine zusammengerollte Zeitung.
Auch am Montag wurde aber deutlich, daß die Stiere nicht die einzige Gefahr sind: Mehrere unerfahrene Touristen versuchten, die Tiere zu reiten oder an den Hörnern zu packen. Das kann lebensgefährlich sein, weiß Aldaba. Patas (Trottel) werden die Möchtegern-Toreros von den Einheimischen verächtlich genannt.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa/dpaweb, REUTERS