Vereinigte Staaten

10 Tote bei Fährunglück in New York

Beliebt bei Pendlern und Touristen

Beliebt bei Pendlern und Touristen

16. Oktober 2003 Wieder ein Schock für New York: Bei einem schweren Fährunglück vor Staten Island sind am Mittwochnachmittag (Ortszeit) 10 Menschen ums Leben gekommen, 42 wurden verletzt, einige davon schwer. Das mit 1500 Fahrgästen besetzte Schiff rammte einen Hafenkai und wurde aufgeschlitzt, an Bord brach Panik aus. Als mögliche Ursachen galten der starke Wind sowie menschliches oder technisches Versagen. Der Kapitän versuchte nach dem Unglück, sich das Leben zu nehmen. Die Fähre, die täglich Zehntausende Pendler nach Manhattan bringt, gilt als beliebte Attraktion bei Touristen.

Die Polizei untersucht, ob der stellvertretende Kapitän Richard J. Smith, der die Fähre „Andrew J. Barberi“ manövrierte, unter Drogen-, Alkohol- oder Medikamenteneinfluß stand. Der 53jährige Familienvater, der auf Staten Island lebt, floh nach dem Unglück, schnitt sich in seinem Badezimmer die Pulsadern auf und schoß sich in die Brust. Sein Zustand ist kritisch. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg warnte indes vor voreiligen Schlüssen bei der Suche nach der Unglücksursache.

Dramatische Szenen an Bord

An Bord spielten sich dramatische Szenen ab. „Die zwei Leute hinter mir haben es nicht geschafft. Ich bin um mein Leben gerannt, es gab keine Warnung, kein Signal“, sagte Bauarbeiter Sean Johnson der „New York Times“. „Die Trümmer waren wie eine Flutwelle, die Decke, die Stühle wurden alle mitgerissen.“ Mehrere Fahrgäste verloren bei dem Aufprall des Schiffes Körperteile. Die Feuerwehr mußte bis tief in die Nacht hinein Leichen bergen, die unter den Trümmern begraben waren.

Nach Angaben von Passagieren hatte die Fähre vor dem Anleger nicht wie gewöhnlich das Tempo gedrosselt, sondern mit voller Geschwindigkeit den Kai gerammt. Dabei wurden in Sekundenschnelle der Bug und die rechte Seite der Fähre aufgerissen. Der Aufprall ließ Glas splittern, zerstörte Stuhlreihen und Treppenaufgänge und verbog Stahlträger. In Panik versuchten sich die Menschen zu retten, einige sprangen ins Wasser oder wurden gestoßen. Mindestens ein Mensch kam dabei ums Leben. Auf der Flucht trampelten sich die Passagiere gegenseitig nieder. Andere griffen sich Schwimmwesten, weil sie dachten, das Schiff gehe unter.

Pendler- und Touristenfähre
New York sei erneut von einer „furchtbaren Katastrophe getroffen worden“, sagte Bürgermeister Bloomberg. Es gebe aber keine Hinweise auf einen Terroranschlag. Wie Vertreter der Stadtverwaltung berichteten, übernahm der erste Kapitän sofort nach dem Unfall das Steuer und manövrierte die „Andrew J. Barberi“ zu einem Passagierkai, wo die unverletzten Fahrgäste sicher aussteigen konnten.

Der Unglücks-Kai wird normalerweise für Wartungsarbeiten genutzt. Die Fähre, die bis zu 6000 Passagiere transportieren kann, war zum Zeitpunkt der Havarie nur zu einem Viertel besetzt. Am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit) wurde der Fährbetrieb wieder aufgenommen.

Fünf Fähren transportieren jeden Tag rund 65 000 Pendler zwischen Manhattan und Staten Island. Eine Fahrt mit dem leuchtend orangefarbenen Schiff ist auch eine beliebte Touristen-Attraktion, weil sie atemberaubende Blicke auf die Südspitze der Wolkenkratzer- Insel bietet. Auch die Freiheitsstatue ist von der Staten Island Ferry aus zu sehen. Schwere Unfälle sind selten. Zuletzt war 1978 eine Fähre wegen dichten Nebels in einen Uferdamm im Süden Manhattans gerammt. Dabei wurden 173 Passagiere verletzt.

Text: Reuters, AP
Bildmaterial: AP

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