12. November 2007 Im Verfahren gegen den in der Türkei inhaftierten deutschen Schüler Marco W. hat der Anwalt der 13 Jahre alten Britin Charlotte den Vorwurf der versuchten Vergewaltigung konkretisiert. Charlotte sage, sie habe Zudringlichkeiten Marcos mit einem Schlag abgewehrt, bestätigte ihr Anwalt Ömer Aycan am Samstag. Sie habe geschlafen, als Marco sich auf sie gedrängt habe. Das Mädchen hatte in Großbritannien amtlich ausgesagt.
Zu einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, wonach Charlotte im Protokoll ihrer Videovernehmung Marco ausdrücklich der versuchten Vergewaltigung beschuldigte, wollte Aycan keine Stellungnahme abgeben. Marcos Anwalt Michael Nagel sagte: Die öffentliche Diskussion über den Inhalt der Aussagen von Charlotte und Marco dient nicht der Wahrheitsfindung. Ein Jugendverfahren finde aus guten Gründen - nämlich zum Schutz aller Beteiligten - unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Folgenschweres Missverständnis
Der 17 Jahre alte Marco aus Uelzen ist angeklagt, in den Osterferien die vier Jahre jüngere Britin sexuell missbraucht zu haben. Er bestreitet die Vorwürfe. Weil er seit April in Untersuchungshaft sitzt, haben seine Anwälte für die kommende Woche Beschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg angekündigt.
Der Vorwurf der Vergewaltigung werde durch die Aussage des Mädchens nicht bestätigt, sagte Nagel. Eine Verurteilung von Marco auf der Grundlage des Aussageprotokolls ist rechtlich ausgeschlossen. Die Vorwürfe beruhen Nagel zufolge auf einem großen, folgenschweren Missverständnis. Notwendig sei deshalb eine Versöhnung der Familien statt einer Verhärtung der Fronten.
Ich schubste ihn weg
Charlottes Anwalt hatte den Vorwurf des Missbrauchs und der versuchten Vergewaltigung mehrfach bekräftigt. Schon im Juni war das Mädchen selbst von mehreren Medien zitiert worden. Als ich plötzlich zu mir kam, also erwachte, fühlte ich den Beschuldigten auf mir, sagte die Britin demnach. Ich schubste ihn weg. Dabei bemerkte ich aber eine Feuchtigkeit auf meinem Körper. Danach sind wir zum Arzt gegangen. Die 13-Jährige sagte damals demnach weiter: Von einer Vergewaltigung kann keine Rede sein. ... Aber das Ganze ist ohne meine Einwilligung geschehen.
Text: FAZ.NET mit dpa/AP
Bildmaterial: AFP, dpa