Gedächtnistraining

Nichts mehr vergessen

15. November 2001 Gesichter von Menschen, die uns das erste Mal vorgestellt werden, merken wir uns nach Ansicht des britischen Psychologen Alan Baddeley, deshalb so schwer, weil unsere Aufmerksamkeit abgelenkt ist.

Statt auf den Namen zu hören, sind wir zu sehr damit beschäftigt, zunächst das Aussehen der Person und die Umgebung zu sondieren. Möchte man künftig nicht mehr in die peinlich Verlegenheit geraten, den Namen seines Gegenübers zu vergessen, schlägt der Psychologe vor, bewusst hinzuhören oder gegebenenfalls noch einmal nach dem Namen zu fragen. Das könne man auch als Interesse an der anderen Person werten.

Einen anderen Vorschlag macht der Gedächtnisexperte und Tony Buzan in seinem Buch "Nichts vergessen": Er empfiehlt, charakteristische Merkmale im Gesicht seines Gegenübers zu suchen und diese mit dem Name in Verbindung zu bringen. So kann man sich beispielsweise den neuen Geschäftspartner mit Name Hörfer womöglich künftig aufgrund seiner großen Ohren merken.

Telefonnummern mit Hilfe von Eselsbrücken merken

Eselsbrücken, verrückte Geschichten und lebhafte Bilder im Kopf - nach Ansicht von Gedächtnisexperten eigen sie sich besonders gut, um sich Fakten, Telefonnummern oder sogar die Einkaufsliste zu merken. Menschen etwa, die sich die Himmelsrichtungen nicht merken können, nutzen häufig diese Eselsbrücke: Niemals ohne Seife waschen. Die Anfangsbuchstaben stehen dabei für die Himmelsrichtungen im Uhrzeigersinn. Telefonnummern dagegen kann man sich besser merken, wenn man sie in Gruppen portioniert oder mit individuellen Bedeutungen verknüpft. Die Telefonnummer könnte dann eine Kombination aus der eigenen Hausnummer, dem Geburtstag der Eltern und so weiter sein.

Vokabeln lernt man dagegen am besten in kleinen Einheiten zu etwa sieben. Forscher haben herausgefunden, dass man sich Wörter, die am Rand liegen besser behalten kann, als Wörter, die auf der Vokabelliste in der Mitte liegen. Ein Blitzwiederholung aus dem Kopf schafft außerdem günstige Bedingungen, da das eigene Gehirn bewusst bemüht wird.

Mit Bildern oder Taten kombiniert, lernt man zudem mit unterschiedlichen Sinnen - das schafft die Voraussetzung, dass das Gelernte stärker vernetzt und dadurch vom Gehirn leichter abgerufen werden kann. Auch sollte die Art der Wiederholung variieren, immer nur die Vokabelliste durchlesen bringt nach Meinung von Sprachlehrer Robert Kleinschroth nichts. Ähnlich klingende Vokabeln sollte man auf alle Fälle getrennt lernen. Auch solle beim Lernen auf regelmäßige Pausen, die Tageszeit und geeignete Arbeitsatmosphäre geachtet werden, schreibt er in seinem Buch "Sprachen lernen".

Die Kindheit liegt im Langzeitgedächtnis

Dass sich der Mensch Zahlen, Namen und Geschehnisse behalten kann, dafür ist das Kurz-und Langzeitgedächtnis verantwortlich. In der aktuellen Gedächtnisforschung wird zwischen dem sensorischen Gedächtnis, dem Kurzzeit-Gedächtnis und dem Langzeitgedächtnis differenziert. Die drei Gedächtnisarten unterscheiden sich in der Menge, der Informationen, die sie aufnehmen können. Im sensorischen Gedächtnis werden visuelle oder akustische Reize aufgenommen und für einige Sekunden behalten.

Unter bestimmten Bedingungen gelangen diese Informationen in das Kurzzeitgedächtnis, das eine individuelle Speicherkapazität von mehreren Minuten hat. Im Langzeitgedächtnis werden dagegen Informationen über lange Zeiträume, vielleicht sogar ein ganzes Leben lang gespeichert. Deshalb erinnern sich alte Menschen an Ereignisse, die Jahrzehnte zurück liegen, haben aber oft über den Verlauf des vergangenen Tages keine Erinnerung mehr.

Für das Lernen folgt daraus: Wer etwa Vokabeln im Langzeitgedächtnis abspeichern will, sollte den Lernstoff abwechslungsreich und farbig gestalten und ihn regelmäßig wiederholen. Eine Faustregel, die sich an Hermann Ebbinghaus' Vergessenskurve anlehnt, lautet: Nach etwa zehn Minuten, nach ein paar Stunden, nach einem Tag, nach einer Woche, nach einem Monat, nach sechs Monaten. Das gilt insbesondere für Stoff, der für den Alltag des Lernenden nur von geringer Bedeutung ist.

Text: @nath

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche