Gerichtsbeschluss

BGH entzieht Sorgerecht wegen Schulverweigerung

Der BGH hat entschieden: Eltern, die ihre Kinder aus Glaubensgründen nicht zur Schule schicken, können teilweise das Sorgerecht verlieren. So könne man „Parallelgesellschaften“ verhindern.

Lesermeinungen zum Beitrag

20. November 2007 00:00

Richtig so!?

Jan Edel (SFeV)

Machen sich nach dem Karlsruher Richterspruch nun alle Eltern der weltweit etwa 3 Mio. selbstständig lernenden Schüler einer Kindeswohlgefährdung schuldig? Während von Deutschland Diskriminierung ausgeht, fördern vielen Staaten die Eltern, die den eigenen Bildungsansatz ihrer Kinder tragen - z.B. in Kanada mit eintausend Dollar pro Jahr und Schulkind. Es gibt auch Länder, in denen Homeschooling vom Staat „nur“ geduldet wird. Aber kein freies Land der Welt konstruiert bei Homeschooling eine Kindeswohlgefährdung oder rechtfertigt einen Sorgerechtsentzug. Sind alle diese Staaten deshalb durch gefährliche fundamentalistische Parallelgesellschaften bedroht? Selbst die Slowakei hat jetzt als vorletztes Land innerhalb der EU in einer Gesetznovelle beschlossen, Homeschooling ab 2008 zu legalisieren. Was ist los in Deutschland? Warum heißt Schulpflicht ausgerechnet in der Mitte Europas noch Schuldiktat und Institutionszwang?
Aus dem Jahre 1943, als in Deutschland noch Diktatur herrschte und 5 Jahre zuvor der strafbewehrte Schulzwang eingeführt wurde, stammt von der US-Juristin Isabel Paterson folgendes Zitat: " Das steuerfinanzierte Pflichtschulsystem ist das komplette Modell eines totalitären Staates". Weiter so, Deutschland?

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18. November 2007 21:56

antiwestliche Sekten

Christian Braun (christianbraun)

hatten schon immer ein Problem mit der allgemeinen Schulpflicht.

Dass manche Eltern ihren Kindern eintrichtern möchten,
die Erde sei eine Scheibe oder wer nicht keusch ist komme in die Hölle,
mag deren private Meinung sein - das gibt ihnen aber nicht das Recht,
ihre Kinder zu verblöden und anschließend als potentielle Gewalttäter
auf die Gemeinschaft abzuladen.

Es ist besorgniserregend, dass auch manche Leserbriefschreiber hier
im FAZ-Forum solchen Sekten offenbar Tür und Tor öffnen wollen.

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17. November 2007 16:25

Was schockt ist die Bergündung des BGH-Urteils

Johannes Stockburger (stockburger)

Was an dem urteil des BGH erschreckt, ist, daß offensichtlich weder die Qualität des Privatunterichts noch die Qualität des staatlichen Unterrichts eine Rolle spielt.
Es wurde nicht argumentiert, "Wer sein Kind verdummt, bekommt das Sorgerecht abgenommen".
Es wurde argumentiert: "Wer nicht akzeptiert, daß sein Kind für dumm erklärt wird, wenn er er oder sie nicht akzeptiert, daß ein Stuhl männlich, somit ein Wesen ist, und ein Mädchen ein Ding, somit eine Sache ist, dem wird das Sorgerecht für sein Kind aberkannt" (Denn diese Aussage ist fester Bestandteil der deutschen Leidkultur, und es wird versucht, Kinder in der Schule zu zwingen, dies zu verinnerlichen)

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17. November 2007 14:45

Zitat: "Unterricht zu Hause -- und in gewissen Abständen wird kontrolliert, ..."

Herrmann Mueller (Herbie_2005)

Zitat:

"... Unterricht zu Hause -- und in gewissen Abständen wird kontrolliert, ob die erforderlichen Standards erfüllt sind ..."

Auf diesen "tollen" Vorschlag warte ich schon lang. Statt Lehrern stellen wir in Zulunft also Kontrolleure ein, die oftmals nicht viel ausrichten können, aber einen von Bürokratie geprägten Dienst zu verrichten haben. Sie tingeln von Haustür zu Haustür wie Gez-Gebühreneintreiber. Nirgends sind sie willkommen, und viele verwehren ihnen von vornherein den Zutritt.

Wir wissen, wie schwer es dem Jugendamt fällt einzugreifen, wenn Eltern sich nicht genügend um das Wohl ihres Kindes kümmern. Entsprechend schwierig wird sich das Eingreifen staatlicherseits gestalten, wenn man feststellt, daß der Heimunterricht nicht so recht läuft ...

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17. November 2007 12:26

Schulverweigerung

Ernst W. Thomas (EWT)

Grotesk, wie inzwischen die Auseinandersetzung über den ´Hausunterricht´ geführt wird - man stelle sich vor, daß jemand wie Dietrich Bonhoeffer bzw. dessen Eltern kriminalisiert worden wären, denn er wurde zeitweise zu Hause durch seine Mutter unterrichtet! Die Kritik, daß hierzulande Juristen ohne jegliche demokratische Legitimation lebensfremde Urteile sprechen, kann ich jedenfalls nachvollziehen: Schule ist, was ihren rechtlichen Rahmen oder auch die Vorgaben für Unterricht und ´Bildung´ angeht, voll in der (fragwürdigen) Tradition des deutschen Obrigkeitsstaates. Eltern werden wie Untertanen, nicht wie freie Bürger behandelt! (Das läßt sich übrigens auch an den gesetzlichen Regelungen für private bzw. freie Schulen ablesen.) Und: Kann es sein, daß der Hausunterricht durch das NS-Regime abgeschafft und seither nicht wieder gestattet wurde?
Ein Problem ist in diesem Zusamnmenhang zwar die Frage nach dem christlichen Fundamentalismus mancher der betroffenen Eltern, aber was bedeutet denn ´Glaubensfreiheit´? Denkbare Lösung: Unterricht zu Hause und in gewissen Abständen wird kontrolliert, ob die erforderlichen Standards erfüllt sind. Stattdessen: Prinzipienreiterei und Gleichgültigkeit gegenüber den Betroffenen!

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17. November 2007 11:57

Die Gerichtsentscheidung ist völlig richtig !

Thomas Gerth (MarcaurelI)

Es ist doch klar, um was geht es den den meisten Eltern, die das staatliche Schulsystem ablehen geht, nämlich die Indoktrination ihrer Kinder im Sinne irgendeiner absurden religiösen Sekte.
Es spricht absolut nichts dagegen, wenn Eltern ihren Kindern zusätzliche Bildungsangebote machen, um Schwächen des staatlichen Schulsystem zu kompensieren. Wer unbedingt will, soll seine Kinder auch im Rahmen von Konfimationsunterricht/ Koranschule/ Sonntagsschule auch mit dem jeweils favorisierten Gott bekannt machen, auf keinen Fall kann und darf der Staat aber darauf verzichten, allen Kindern eine wertneutrale fachliche und ethische Grundausbildung zu geben.
Religiösen Fanatikern, die Darwin und Sexualerziehung für Teufelswerk halten und ihre Kinder zu den Fanatikern der nächsten Generation heranbilden, muß unbedingt Einhalt geboten werden, ggf. auch mit gerichtlichen Mitteln und Sogerechtsentziehungen.
Ohne das staatliche verpflichtende Bildungsangebot, zehren wir an den Grundlagen unserer Gesellschaft. Zum amerikansicchen Homeschooling bleibt zu sagen, das dieses System genau die genannten Probleme geschaffen hat, in keinen anderen Land der westlichen Welt haben christliche Sektierer einen derart hohen Einfluß !

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17. November 2007 07:32

Totale Kontrolle

Josef Bujtor (Mramorak)

es ist ja offensichtlich, dass es Versuche gibt, die Gesellschaft auf allen Lebensgebieten - besonders Kindesalter - total zu kontrollieren. Und die das anstreben, sind selber Parallelgesellschaften, die Richter scheinen eine besondere Parallelgesellschaft zu sein! Deutschland steht wirklich einmalig in der demokratischen Welt da. Denn in keinenm anderen demokratischen Land der Welt, bestimmen die Richter so sehr das Geschehen, was eigendlich eine Sache der gewählten Politiker wäre. Die gleichen Leute, die angeben die Demokratie zu schützen, haben sie doch damit schon kaputt gemacht! Alles sol zentral gelenkt werden: Vom Kindergarten über den Sport bis zum Altersheim. Von der Wiege bis zur Bahre, alles kontrolieren über Formulare. Die Menschen wundern sich immer mehr über das, was bei uns vor sich geht.

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16. November 2007 22:44

Bildung oder Gehirnwäsche?

Johannes Stockburger (stockburger)

Ist die Schule dazu da, den Kindern das Fragen, Denken, Forschen, Vergleichen und Urteilen zu lehren?
Oder ist die Schule dazu da, die Dominanz staatlich verordnete Denkmuster unabhängig von deren Bezug zur Wirklichkeit und unabhängig von deren Auswirkungen auf die Denk- und Entwicklungsfähigkeit der Kinder su sichern?

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16. November 2007 22:40

Schulpflicht statt Bildungspflicht,

Hermann Trouvain (liwiz)

bedeutet für Lehrer Ziele zu erfüllen, die nicht realistisch sind. Viele, nicht nur junge Lehrer, sind engagiert, leisten Großartiges und gehen an und über ihre Leistungsgrenze. Aber niemand ist in der Lage, vorgegebene Ziele zu erfüllen: die Langsamen zu fordern, die Schnellen zu fördern (oder umgekehrt). Dies endet in der Frustration aller Beteiligten: die Lehrer verzweifeln und gehen in Frührente (burn out Syndrom), die Langsamen erreichen keinen Abschluß, die Schnellen verlieren ihre Wißbegierde und passen sich an.
Unser Schulsystem wird niemandem gerecht, wir hinken der Entwicklung um Jahrzehnte hinterher. Sicherlich ist Schulpflicht für viele Eltern die richtige Lösung. Diese Pflicht entbindet sie letztlich von der Verantwortung für die Bildung der eigenen Kinder.
Wir brauchen dringend vorallem eine Reform der staatlichen Grundschule, das Homeschooling ist dabei eine Frage, die offen diskutiert werden sollte.

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16. November 2007 21:11

und bestehende Parallelgesellschaften?

Georg Lorrig (geselo)

Wir haben mehr Parallelgesellschaften in Deutschland, als uns "lieb" sein kann. Wer - wie meine Frau und ich - viel mit Asylbewerbern zu tun hat, wird schnell feststellen, dass sie gemäss ihrer nationalen bzw. ethnischen Herkunft "zusammenklumpen" und daher viel zu oft ihrer Muttersprache verhaftet bleiben, die in der Gruppe gleicher Herkunft möglich ist - der "Zwang", Deutsch zu lernen und Beziehungen aufzubauen, fehlt dadurch (eine deutsche Freundin behebt das Problem nicht, so lange sie Englisch spricht ...)

Auch entstehen bzw. existieren solche Parallelgesellschaft oft (nicht immer) im Umfeld von Moscheen, wo gerade in Grossstädten die entsprechenden Vereine und Geschäfte ein "Klein-Irgendwas" bieten, in dem man sich von der deutschen Gesellschaft abschotten kann.

"Ehrenmorde", die hier ihren Nährboden haben, erleben wir leider zu oft (jeder "Ehrenmord" ist einer zuviel).

Hier sollte, bzw. muss der Staat eingreifen, nicht im Bereich der Schulpflicht.

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16. November 2007 20:49

Bildungspflicht statt Schulzwang

Jörg Großelümern (Maranatha)

Es ist wohl weltweit einzigartig, dass Homeschooling als Gefährdung des Kindeswohles eingestuft wird und Menschen deshalb wie in einer Diktatur entweder im Untergrund leben oder das Land verlassen müssen. Erst jetzt hat die Slowakei als leztes Land neben Deutschland, dass Homeschooling in der EU nicht erlaubte, beschlossen ab 2008 das Lernen zu Hause zu legalisieren. Damit ist Deutschland mehr denn je zuvor isoliert, sowohl in Europa wie auch in der ganzen restlichen zivilisierten Welt. Wo sind denn all die gebetsmühlenartig heraufbeschworenen Parallelgesellschaften? Wo sind sie in Amerika mit 2,2 Millionen Homeschoolern? Wo in Großbritannien mit 160.000 Home Educators, wo in Kanada, Frankreich, Österreich, etc...? Langsam nerven diese unbewiesenen unhaltbaren abgedroschenen Parolen. Bildungsfreiheit wird kommen auch wenn sich noch so viele Betonköpfe in Gerichten und Schulverwaltung dagegen stellen. Ich schäme mich in einem Land zu leben in dem so etwas möglich ist. Von Rechtsstaat keine Spur. Pluralismus kennt auch Alternativen und lässt diese zu. Alles andere ist ein Rückschritt in Richtung Totalitarismus.

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16. November 2007 20:31

Glaubensfreiheit?

Jan von Berejow (janvonberejow)

Lässt sich das Urteil mit der Glaubensfreiheit vereinbaren? Aus meiner Sicht nicht.
Jan von Berejow

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