Von Ulrike von Leszczynski, dpa
03. August 2001 Es gibt sie, die stillen Helden des Fußballs. Eine deutsche Mannschaft, die Europa- und Vizeweltmeister wurde, ohne dass um die Übertragungsrechten gestritten wird. Von immensen Ablösesummen für die besten Spieler war auch noch nie die Rede, und selbst die Fußball-Weltmeisterschaft wird wohl eher ein leises Ereignis werden: An diesem Freitag startet in Seattle der Robo-Cup 2001, das Ringen um die besten Roboter-Kicker der Welt.
Über 100 Teams aus 23 Ländern treten ab Samstag bei der 5. Internationalen Fußballmeisterschaft für Roboter, in Seattle (US-Bundesstaat Washington) gegeneinander an.
Mannschaft der TU Berlin
Aus Deutschland nimmt die Roboter-Mannschaft der Freien Universität Berlin und ihre Konstrukteure, zehn tüftelnde Informatikstudenten, teil. Schon zwei Mal haben sie es mit ihren konservendosengroßen rollenden Fußball-Robotern bis ins Endspiel geschafft.
Der Mensch hat beim Roboterfußball nur noch zwei Aufgaben. Er ist der Schiedsrichter - und er heilt böse Verletzungen mit dem Lötkolben.
Schwierige Grundlagenforschung
Der Robo-Cup ist der Beweis dafür, dass Fußball etwas mit Grips zu tun haben kann. Denn die Weltmeisterschaft in Seattle ist nur ein Vehikel, um Fortschritte in der Erforschung künstlicher Intelligenz zu vergleichen. Roboter-Fußball wird gespielt, weil jedes Forschungsinstitut der Erde die Regeln kennt. Eine Robo-Mannschaft aber zum Kicken zu kriegen, ist schwierige Grundlagenforschung.
Einen Robo-Kicker über das Spielfeld flitzen zu lassen, ist eine komplexe Aufgabe für Informatiker. Die computergesteuerten Kicker dürfen - wie im wahren Fußballleben - nicht rempeln. Dafür sollen sie den Gegner durch Antäuschen überlisten und den Ball blitzschnell ins richtige Tor befördern.
Komplizierte Software
Nicht die Umwelt soll an den Roboter angepasst werden, sondern umgekehrt, erläutert der Berliner Informatik-Professor Raul Rojas die Idee, die hinter den FU-Fighters steht. In Wahrheit gehe es bei der Programmierung nicht um Fußballfelder, sondern um Fabrikhallen und Büroräume. Hier soll die komplizierte Software einmal eingesetzt werden, die mit den FU-Fighters erprobt wird.
Rote Karte für Fouls
Die Gäste des Robo-Cup in Seattle aber kommen wegen des Amusements. Es hat etwas Erheiterndes, wenn Kicker wie die FU-Fighters über Tischtennisplatten rasen, wenn sie Eigentore schießen oder wegen grober Fouls die Rote Karte kassieren. So mancher erfolgreiche Robo-Recke aber hat bei den Meisterschaften schon einen Ehrentitel bekommen - ein FU-Fighter heißt Ronaldo.
Text: @tk, mit Material von dpa
Bildmaterial: FU-Fighters Berlin