15. Dezember 2002 Ein gutes Gedächtnis ist keine Naturbegabung, sondern Übungssache. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie, die im Fachmagazin Nature Neuroscience vorgestellt wird.
Die beste Methode, sich zum Beispiel Dinge in einer bestimmten Reihenfolge zu merken, kannten demnach schon die alten Griechen vor zweieinhalbtausend Jahren: Stellen Sie sich einen Weg vor, den Sie entlanggehen, und platzieren Sie an besonders einprägsamen Punkten jeweils einen der Gegenstände. Im Geiste können Sie diesen Weg dann jederzeit wieder abgehen und die Gegenstände vor Ihrem inneren Auge sehen.
Keine andere Hirnstruktur
Für die Studie verglichen Neurologen vom University College in London zehn Männer, die für ihr besonders gutes Gedächtnis bekannt sind, mit zehn anderen Versuchspersonen. Wie sich herausstellte, verfügten die Gehirnakrobaten, die unter anderem Spitzenplätze bei der Weltgedächtnis-Meisterschaft belegt hatten, nicht über eine höhere Intelligenz. Ihr Gehirn war auch nicht anders strukturiert als das der anderen Testpersonen.
Wenn sie allerdings aufgefordert wurden, sich eine Reihe von Gegenständen zu merken, konnte in den Teilen ihres Gehirns, in denen die Erinnerung an Orte gespeichert wird, eine größere Aktivität festgestellt werden. Nach ihrer Erinnerungsstrategie gefragt, sagten sie, sie stellten sich die Gegenstände an bestimmten Orten vor und könnten sie dadurch leichter behalten. Fazit der Forscher: Ein gutes Gedächtnis müsste sich fast jeder antrainieren können.
Text: dpa