Weltraum

Marssonde entdeckt flüssiges Wasser unter der Marsoberfläche

Von Harald Zaun

Zukunftsmusik: Für 2003 ist die Landung des Marsmobils geplant

Zukunftsmusik: Für 2003 ist die Landung des Marsmobils geplant

18. Dezember 2001 Einen wichtigen Mosaikstein zur Klärung der schon seit geraumer Zeit heiß diskutierten Frage, ob es heute auf dem Roten Planeten eventuell noch Wasser in flüssiger Form gibt, könnte die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA jetzt gefunden haben. Völlig unerwartet entdeckte die hauseigene Mars-Odyssey-Sonde in der Nähe des nördlichen Marspols ein riesiges Wasserstoffvorkommen, das darauf hindeutet, dass dort gegenwärtig reichlich Wasser in fester oder flüssiger Form lagern könnte.

Wie die Forscher des in Washington ansässigen Marsprogramms jüngst bekannt gaben, gelang der Nachweis von Wasserstoff während des ersten Testlaufs des sondeninternen Neutronen-Spektrometers in einer Tiefe von bis zu einem Meter. "Es ist gewaltig'', kommentiert Bill Feldman vom Los Alamos National Laboratory (New Mexico) das außergewöhnlich starke Signal des Spektrometers. "Die Messergebnisse sind genauso, wie man es von in einen wasserstoffreichen Gegend erwarten würde", so Feldman über die Leistungsfähigkeit des Instruments, das in einer Auflösung von bis zu 100 Metern das Zielgebiet anvisierte.

Überraschte Wissenschaftler

Da die Sonde noch dabei ist, ihre Bahngeschwindigkeit zu reduzieren und das offizielle wissenschaftliche Programm demnach noch nicht angefangen hat, kam der Fund in der Tat wie aus heiterem Mars-Himmel: "Wir haben damit gerechnet, dass es noch viele Orbits dauern würde, um die Existenz von Wasserstoff auf dem Mars nachzuweisen,'' gesteht der Odyssee-Projektmitarbeiter Stephen Saunders. "Aber jetzt haben wir es auf Anhieb gesehen". Experten gehen schon lange davon aus, dass unser Nachbarplanet dereinst von flüssigem Wasser bedeckt gewesen war.

Gleichwohl sagen die bislang vorgefundenen ausgetrockneten Flussläufe, Strömungsspuren an Kratern oder Küstenlinien ehemaliger Ozeane nichts darüber aus, wohin die letzten Tropfen des nassen Elements gesickert sind. Sollte sich herausstellen, dass der Wasserstoff zu einem abseits der Polarregionen gelegenen Wasserdepot zählt, könnte dies nach Ansicht der Forscher weitreichende Folgen für die Suche nach Leben und seine Entdeckung haben. Vor allem weil ein Wasservorkommen dicht unter der Marsoberfläche in wärmeren Gefilden viel leichter via Roboter oder mit Astronautenhänden zu erreichen wäre, als etwa an den Polen.

Ähnlich den bereits auf unserem Planeten in frostigen Regionen nachgewiesenen Kleinstlebewesen könnten sich in solchen Unterwasser-Seen mikrobiologische Kolonien angesiedelt haben.

Odyssey nimmt Arbeit im neuen Jahr auf

Derweil betonen die NASA-Forscher aber, dass der jetzige Fund noch keine hundertprozentig sichere Interpretation zulasse. Wasserstoff komme nicht nur als eine Komponente des Wassers "alleine" vor, sondern gehe auch viele Verbindungen mit anderen Elementen ein. Erst wenn Odyssey seine wissenschaftliche Arbeit im Januar nächsten Jahres aufnehme, werde man diese Regionen genauer ins Visier nehmen können. "Wir sind noch nicht sind ganz, dafür aber sehr dicht dran. Wir bleiben am Ball", erklärt James Garvin vom NASA-Marsprogramm.

Text: @tk
Bildmaterial: NASA

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