Armutsrisiko für Kinder wird größer Zwei Studien

01. März 2005 feb./mmue. FRANKFURT/BERLIN, 1. März. Armut unter Kindern breitet sich auch in den Industriestaaten weiter aus. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks, das am Dienstag eine vergleichende Studie vorlegte, wächst in den meisten reichen Nationen der Anteil jener Kinder, die in ungesicherten Verhältnissen aufwachsen, stetig. In 17 von 24 untersuchten Staaten habe sich die Lage der Kinder in den vergangenen Jahren verschlechtert, auch in Deutschland. Am besten schneiden Dänemark und Finnland ab, am schlechtesten die Vereinigten Staaten. Die Bundesrepublik belegt einen mittleren Platz. Vor allem Kinder aus Einwandererfamilien litten unter Geldmangel. Die UN-Forscher haben ein gängiges, aber auch umstrittenes Maß für ihre Studie herangezogen: Familien, die mit weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen müssen, gelten demnach als arm. In Deutschland lebt etwa jedes zehnte Kind in Armut, das sind 1,4 Millionen Jungen und Mädchen unter 18 Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine ebenfalls am Dienstag vorgelegte Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung. Dabei liege der Anteil armer Kinder in den neuen Bundesländern bei 12,6 Prozent, gegenüber 9,8 Prozent in Westdeutschland. In den achtziger Jahren sei die Kinderarmut noch rückläufig gewesen, in den neunziger Jahren jedoch sei sie stärker als im Bevölkerungsdurchschnitt gestiegen. Am häufigsten von Armut getroffen seien Kinder Alleinerziehender: 40 Prozent lebten unterhalb der Armutsgrenze. Kinder stellten jedoch kein Armutsrisiko dar, da die Wahrscheinlichkeit, unterhalb der Armutsgrenze zu leben, für Familien mit und ohne Nachwuchs gleich groß sei.

Text: F.A.Z., 02.03.2005, Nr. 51 / Seite 9

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