26. Juli 2007 Mit einer Neuinszenierung von Richard Wagners Oper Die Meistersinger von Nürnberg in der Regie seiner Urenkelin Katharina haben am Mittwoch die 96. Bayreuther Festspiele begonnen. Am Nachmittag waren die Premierengäste, unter ihnen viele Prominente aus Politik und Unterhaltung, auf den Grünen Hügel der Festspielstadt gekommen, um das Regiedebüt der 29-Jährigen im Haus der Festspiele in Bayreuth mitzuerleben.
Wenige Minuten bevor sich der Vorhang für die Premiere öffnete, trat Katharina Wagner im ausgeschnittenen silbermetallicfarbenen Kleid aus dem Schatten ihres 87 Jahre alten Vaters. Dutzende Fotografen und Kameraleute hatten auf ein Bild von Katharina Wagner ohne das gewohnte Umfeld von Wolfgang und Gudrun Wagner bestanden. Eine Geste, die auch von den gut 1000 Zaungästen mit viel Applaus honoriert wurde.
Respektlos und mit viel Witz
Im Inneren des Musentempels löste sich die Spannung kurz nach 16 Uhr. Katharina Wagner näherte sich dem Werk respektlos und mit viel Witz. In einem Diskurs über die Kunst interpretiert sie die Meistersinger als Zusammenprall zwischen Tradition und Moderne. Walther von Stolzing bricht in Turnschuhen in die konservative, starre Welt der Meistersinger ein und wirbelt sie gehörig durcheinander.
In einem hermetisch abgedunkelten Saal, an dessen Wänden verstaubte Büsten deutscher Geistesgrößen hängen, sitzen sie in schwarzen Talaren über ihn zu Gericht. Lediglich der Schuster Hans Sachs tanzt barfuß und Zigaretten rauchend aus der Reihe und plädiert für Stolzing. Der Lohn nach knapp 90 Minuten: großer Beifall, aber auch lang anhaltende Buh-Rufe.
Sichtlich nervös
Noch am Mittwochmorgen hatte sich die mögliche künftige Festspielchefin sichtlich nervös gezeigt. Nach technischen Problemen insbesondere mit der Lichtregie wurde noch bis zum Vorabend an dem viereinhalbstündigen Werk geprobt.
Für die 29-jährige Wagner ist es erst die fünfte Opernarbeit überhaupt. Die musikalische Leitung des Abends hatte der gebürtige Berliner Sebastian Weigle. Bei den Sängern glänzte vor allem Klaus Florian Vogt als Walther von Stolzing.
Hitzige Debatte um die Nachfolge
Vor wenigen Wochen hatte Katharina Wagner ihr Interesse an der künftigen Leitung der wichtigsten Opernfestspiele weltweit bekundet und damit eine hitzige Debatte um die Nachfolge ihres Vaters Wolfgang Wagner ausgelöst. Interesse an der Aufgabe haben auch Katharinas Halbschwester Eva Wagner-Pasquier und ihre Cousine Nike Wagner.
Zum Auftakt der Festspiele gaben sich wie alle Jahre zahlreiche Prominente aus Politik, Wirtschaft und Show-Geschäft ein Stelldichein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schritt im lilafarbenen Abendkleid über den roten Teppich zum Königsportal. Wenige Minuten vor Beginn der Vorstellung fand die bekennende Wagner-Anhängerin sogar noch Zeit zum Händeschütteln und Autogramme geben - zur Freude der Schaulustigen und zum Leidwesen der zahlreichen Sicherheitskräfte.
Stoiber genoss seinen letzten Auftritt
Die lange Liste der politischen Prominenz reichte von EU- Kommissionspräsident José Manuel Barroso über die Altbundespräsidenten Walter Scheel und Roman Herzog sowie die Bundesminister Brigitte Zypries (SPD) und Michael Glos (CSU) bis hin zu Edmund Stoiber. Der CSU-Chef genoss seinen letzten Auftritt als Ministerpräsident bei den Festspielen sichtlich.
Die traditionelle Auffahrt der Gäste begann schon eine Stunde vor Beginn der Vorstellung. Als einer der ersten zeigten sich Roberto Blanco sowie die beiden Schauspieler Robert Atzorn und Christian Wolff den begeisterten Bayreuthern. Freudig begrüßt vor der Meistersinger-Premiere wurden auch Thomas Gottschalk - modisch gewagt mit goldener Krawatte und goldenen Schuhen - und Bayreuth- Stammgast Margot Werner im eng anliegenden schwarzbraunen Kleid mit goldenen Streifen.
Bis zum 28. August
Die Bayreuther Festspiele zeigen bis 28. August neben den Meistersingern jeweils zum letzten Mal den Parsifal in der Regie von Christoph Schlingensief und den Tannhäuser von Philippe Arlaud. Nach der überraschenden Absage von Fabio Luisi gibt Christoph Ulrich Meier sein Debüt als Dirigent. In der Titelpartie wird auch der niederländische Tenor Frank van Aken erstmals in Bayreuth zu hören sein.
Daneben ist der Ring des Nibelungen von Regisseur Tankred Dorst, die Neuinszenierung des vergangenen Jahres, zu sehen. Für die knapp 54.000 Karten der Festspiele gingen fast eine halbe Million Bestellungen ein. Erfüllt werden konnten somit nur gut elf Prozent der Kartenwünsche.
Glück hatten Premieren- wie Zaungäste in diesem Jahr mit dem Wetter. Sechs Tage nach einem schweren Unwetter rund um Bayreuth und das Festspielhaus zeigte sich die Sonne zwischen einzelnen Wolken. Im Gegensatz zu den knackig heißen 37 Grad im vergangenen Jahr musste die Wagner-Gemeinde weder vor noch im Festspielhaus schwitzen.
Text: FAZ.NET mit Material von ddp und dpa
Bildmaterial: ddp, dpa, REUTERS