27. Mai 2003 Der höchste Berg der Erde und das tiefste Tal, eine Flora und Fauna, die ihresgleichen sucht, Kulturschätze in Hülle und Fülle - Nepal ist reich an Superlativen. Doch das Königreich am Himalaya steckt tief in der Krise. Schuld daran ist in erster Linie der jahrelange Kampf militanter Maoisten gegen die Monarchie. Jetzt keimt vorsichtiger Optimismus: Das 50-jährige Jubiläum der Erstbesteigung des Mont Everest könnte die Wende und dem am Boden liegenden Tourismus den langersehnten Aufschwung bringen.
Doch dafür - darin sind sich die Tourismusexperten einig - gibt es nur eine Bedingung: Die Waffenruhe, auf die sich König Gyanendra mit den Maoisten Anfang des Jahres verständigt hatte, muß zum dauerhaften Frieden führen. Er hoffe, daß Nepal seinen Ruf als eine der besten Tourismus-Adressen zurückgewinnen werde, zitiert die Zeitung Kathmandu Post Reinhold Messner, der den Mount Everest als erster Mensch ohne Sauerstoffausrüstung bestiegen hatte. Nepal wird entweder mit dem Tourismus leben oder es wird überhaupt nicht leben, zitiert das Blatt Messner.
Innenpolitik schreckt Nepal-Reisende
Christoph Thoma, Sprecher des DAV Summit Club, einer Tochterfirma des Deutschen Alpenvereins, bringt die derzeitige Lage auf den Punkt: Wegen der innenpolitischen Krise in Nepal halbierte sich die Zahl unserer Nepal-Kunden von 1662 im Jahre 2001 auf 864 im vergangenen Jahr. Die Normalisierung im Lande lasse jetzt für die kommende Saison hoffen, die im Oktober beginnt. Die Feierlichkeiten zum Everest-Jubiläum werten wir als Initialzündung. Ähnlich sieht der für Nepal zuständige Produktmanager von Hauser-Exkursionen, Simon Landinger, die Situation: Es geht wieder aufwärts. Sieben Jahre lang haben die Maoisten für die Errichtung eines kommunistischen Regimes gekämpft. Insgesamt kamen fast 8.000 Menschen ums Leben. Mehrfach hatten die Maoisten betont, daß sich die Aktionen nicht gegen Touristen richten. Dennoch gab es immer wieder Berichte von Geld- und Sachspenden, die die Rebellen von Trekkingtouristen kassierten. Ursprünglich waren die Kämpfer angetreten, die Armut der Menschen zu beseitigen. Doch Nepal wurde statt dessen noch ärmer.
Das Auswärtige Amt in Berlin rät in seinen aktuellen Reisehinweisen nach wie vor zur Vorsicht auch während der geltenden Waffenruhe und empfiehlt, sich von größeren Menschenansammlungen fern zu halten. Trekkingurlaubern wird geraten, nur bekannte Routen zu benutzen, in Gruppen zu bleiben und nur seriöse Agenturen und Führer zu nutzen. Auch wird zu bedenken gegeben, daß es mit Einstellung der maoistischen Gewaltakte statt dessen zu einem Anstieg eher kriminell motivierter Überfälle und Erpressungen - zum Beispiel in Form von so genannten Transitgebühren - kommen könnte.
Tourismus sehnt sich nach altem Erfolg
Unterdessen sehnt sich die Tourismusbranche nach alten Erfolgszahlen. Im Jahr 2000 noch kamen rund 460.000 Ausländer in das einzige Hindukönigreich der Welt, inzwischen sackte die Zahl um mehr als die Hälfte. Neben der Angst vor Gewalttaten der Maoisten bremsten die Terroranschläge vom 11. September und die Irak-Krise die Fernreiselust. Und noch nicht vergessen ist der Königsmord, der vor zwei Jahren die Welt schockte.
Wir alle hoffen, daß sich die Gäste nun verstärkt wieder an das größte Naturmuseum der Welt erinnern, heißt es aus der Tourismusbehörde. An die Bilder vom Mount Everest im Osten, vom Annapurna-Massiv weiter westlich, von saftigen Bergwiesen und malerischen Dörfern oder von den unzähligen Tempeln und Palästen in Kathmandu und Bhaktapur.
Text: dpa
Bildmaterial: AP