Hurrikan „Katrina“

„Katastrophen sind meistens laut“

Letzte Vorbereitungen vor dem Flug ins Katastrophengebiet

Letzte Vorbereitungen vor dem Flug ins Katastrophengebiet

09. September 2005 Als er gegen sieben Uhr morgens an sein Mobiltelefon geht, ist Florian Weber schon länger wach, aber immer noch sehr müde. Der Mann vom Technischen Hilfswerk (THW) hat in den vergangenen Tagen nicht viel schlafen können.

Am Mittwoch morgen um fünf Uhr begannen die letzten Vorbereitungen für den Einsatz der insgesamt 90 THW-Helfer in New Orleans. Sie sollen helfen, das Wasser aus der überfluteten Stadt zu pumpen und die zerstörte Infrastruktur wiederaufzubauen. Spezialpumpen und anderes Gerät mußten zusammengezogen werden, bis am Donnerstag morgen das erste von zwei amerikanischen Militärflugzeugen Weber und seine Kollegen über den Atlantik in den vom Hurrikan „Katrina“ und der Flut verwüsteten Südosten der Vereinigten Staaten flog.

An Bord der Transportflugzeuge, die vom amerikanischen Militärflughafen Ramstein gestartet waren, konnten die Männer in einen leichten Schlaf sinken - auf Klappsitzen an den Außenwänden der Flugzeuge, dem Lärm der Triebwerke trotzend, manche zusammengerollt zwischen Fahrzeugen und Rettungsgerät. Auch in der Nacht zum Freitag - amerikanischer Zeit - schliefen die Helfer nur drei bis vier Stunden. Schon von den frühen Morgenstunden an wird gearbeitet.

15.000 Liter pro Minute

Bislang hätten die THW-Helfer alle Hände voll zu tun gehabt, die tonnenschwere Ausrüstung aus den Flugzeugen zu entladen, sagt Weber. Er sei außerdem „sehr angenehm überrascht, wie gut hier alles organisiert ist“. Auf dem Militärflughafen von New Orleans hatten die Amerikaner den deutschen Helfern schon ein Feldlager aufgebaut. So werden die deutschen Zelte erst am Einsatzort ausgepackt.

Von der Lage im überfluteten New Orleans habe er sich noch kein Bild machen können, sagt Weber. Schon bald aber solle die amerikanische Einsatzleitung unter der Führung der amerikanischen Katastrophenschutzbehörde „Federal Emergency Management Agency“ (Fema) - einer der vielen Behörden des amerikanischen Heimatschutzministeriums - klären, wo zehn große THW-Pumpen mit einer Förderleistung von 15.000 Litern pro Minute und die fünf Pumpen, die pro Minute 5000 Liter fördern können, eingesetzt werden.

Es sei wichtig, sich eng mit der Einsatzleitung abzusprechen, sagt Weber. Das wichtigste bei Großeinsätzen sei die Koordination. Aktionismus am Bedarf vorbei helfe niemandem. Etwa eine bis eineinhalb Stunden dauere es, eine Pumpe einsatzbereit zu machen. Fehler bei der Wahl des Standortes kosten wertvolle Zeit und Kraft.

Dabei gibt es viel zu bedenken: „Es muß sichergestellt sein, daß das Wasser dauerhaft entsorgt wird. Die Pumpen müssen über einen Zeitraum arbeiten können, der den Aufwand rechtfertigt“, sagt Weber. Der Weg, den das abgepumpte Wasser durch die Schläuche an seinen Bestimmungsort zurücklegt, dürfe nicht zu lang sein, weil die Pumpleistung mit zunehmender Schlauchlänge abnehme.

Ohrenstöpsel sind wichtig

Schon bald soll ein geregelter Schichtdienst dafür sorgen, daß die Männer regelmäßig schlafen und sich von den täglichen Strapazen erholen können, die ihnen voraussichtlich in den kommenden drei bis vier Wochen noch bevorstehen. Eines der wichtigsten Utensilien in Katastrophengebieten, sagt Weber, seien Ohrenstöpsel. „Katastrophen sind meistens sehr laut“, sagt er und meint damit unter anderem den Lärm der Pumpen und Stromaggregate.

Seine Leute seien auf alles gut vorbereitet. Einige der THW-Helfer waren schon in den südasiatischen Katastrophengebieten nach dem Tsunami Ende vergangenen Jahres im Einsatz. Sie seien „durchgeimpft“, kennten die große Wichtigkeit körperlicher Hygiene und seien auf alle Gefahren und seelischen Belastungen vorbereitet worden.

Im Detail, sagt Weber, werde sich die Arbeit in New Orleans wohl auch nicht wesentlich von der unterscheiden, welche die THW-Helfer bei ihren Einsätzen während der Fluten in Bayern oder Südfrankreich zu verrichten hatten. Daß das, was sich noch im mit Bakterien und Chemikalien verschmutzten Wasser verbirgt, grausam anzusehen sein könnte, dessen ist er sich bewußt. Die spontanen Gesten der Dankbarkeit und die Sympathiebekundungen, welche die Deutschen von den Amerikanern erfahren, mögen dabei helfen, das zu vergessen.

Text: cheh., F.A.Z., 10.09.2005, Nr. 211 / Seite 9
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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