17. August 2005 Etwa 35 Jahre nach der Expedition zum Nanga Parbat im Himalaya sind nach Angaben von Reinhold Messner dort die Überreste seines Bruders gefunden worden. Er habe die Schuhe und das Jackett des damals 23jährigen wiedererkannt, ließ Reinhold Messner einen Sprechers in Islamabad mitteilen. Der Südtiroler Extrembergsteiger hält sich gegenwärtig in der Region auf.
Sein Bruder Günther Messner war 1970 von der Besteigung des Berges nicht zurückgekehrt. Andere Bergsteiger hätten den gefrorenen Körper seines Bruders bereits vor Wochen entdeckt, hieß es. Ein Wadenbein, das wahrscheinlich dem Bruder gehörte, war schon früher gefunden worden.
Streit vor Gericht
Um den Tod von Günther Messner war vor gut zwei Jahren ein heftiger Streit zwischen Reinhold Messner und ehemaligen Bergkameraden entbrannt, der in mehreren Gerichtsverfahren mündete.
Messner hatte den Kameraden vorgeworfen, sie hätten ihn und seinen Bruder nicht gesucht, als beide nicht vom Gipfel zurückkamen. Andere Expeditionsteilnehmer stellten ihrerseits die These auf, Messner habe seinen Bruder möglicherweise allein über den normalen Weg ins Lager zurückgeschickt, um selbst die Überschreitung des 8125 Meter hohen Nanga Parbat zu wagen und damit Weltruhm zu erlangen.
Von einer Eislawine erfaßt?
Messner, der am 17. September 61 Jahre alt wird, ist hingegen stets dabei geblieben, er sei zusammen mit dem Bruder auf der sogenannten Diamir-Seite über eine bis dahin völlig unbekannte Route abgestiegen. Über den Aufstiegsweg durch die sogenannte Rupalwand abzusteigen, habe den bereits geschwächten Bruder zu sehr geschreckt.
Günther sei dann beim gemeinsamen Abstieg vermutlich von einer Eislawine erfaßt worden, als er selbst den Weg ins Tal erkundete.
Eine Lügengeschichte
Bereits im Januar 2004 legte Messner das Wadenbein der Gletscherleiche als Beweis dafür vor, daß er Günther damals nicht im Stich gelassen hatte. Der auf seiner Abstiegsroute in etwa 4300 Metern Höhe gefundene Knochen sei nach Gen-Tests der Universität Innsbruck mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Bruder zuzuordnen. Dies beweise, daß Günther mit ihm zusammen abgestiegen sei und er ihn nicht über einen anderen Weg ins Lager zurückgeschickt habe. Daß das eine Lügengeschichte ist, ist jetzt eindeutig nachgewiesen, sagte Messner damals.
Ein Bergkamerad Messners, Hans-Peter Eisendle, hatte den Knochen bei einer Expedition schon lange zuvor an einer Flanke des Nanga Parbat gefunden. Drei Jahre lag das Stück Unterschenkel bei Messner zu Hause. Experten hätten ihm gesagt, der Knochen sei für seinen Bruder zu groß, sagte Messner später. Er habe geglaubt, das Teil gehöre einem pakistanischen Bergsteiger, der ebenfalls in der Region verschollen war. Erst nachdem dieser gefunden wurde, habe er an der Universität Innsbruck eine DNA-Analyse für den Knochen in Auftrag gegeben.
Text: dpa
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