Vulkanausbruch

"Der Ätna gewährt einen Waffenstillstand"

Ätna: Weiter brodelnd, aber leicht beruhigt

Ätna: Weiter brodelnd, aber leicht beruhigt

31. Oktober 2002 Die Menschen am Feuer speienden Ätna auf Sizilien können ein wenig aufatmen. Erstmals seit dem Ausbruch des sizilianischen Vulkans am Sonntag gab es in der Nacht zum Donnerstag keine weiteren Nachbeben. Auch die Lava fließe nur noch sehr langsam die Hänge des Berges hinab, berichtete das italienische Fernsehen. Allerdings trete weiterhin dunkle Asche aus den Kratern aus.

„Der Ätna gewährt einen Waffenstillstand“, hieß es im italienischen Fernsehen. Die Regierung sagte, jetzt müsse zunächst das ganze Ausmaß der Schäden festgestellt werden. Sie versprach schnelle Hilfen. Weit über 1.000 Menschen waren durch das Erdbeben am Dienstag obdachlos geworden.

Atemmasken Mangelware

Die Krisenregion rund um den Vulkan war noch am Mittwoch von Erdstößen erschüttert worden. Die ersten der über 1.000 Obdachlosen bezogen Unterkünfte in Zeltstädten. Zugleich verteilte die Stadtverwaltung der Inselhauptstadt Catania 15.000 Atemmasken zum Schutz vor dem Ascheregen. Vor allem an der Nordseite des Ätna wälzt sich die Lava bereits seit Mittwoch spürbar langsamer in die Tiefe. Vulkanologen wollen aber noch keine Entwarnung geben. Der Geophysiker Birger Lühr vom Geoforschungszentrum Potsdam schloss einen Ausbruch wie im Jahr 1669 nicht aus, als weite Teile Catanias zerstört wurden.

Für die Ätna-Region gilt derzeit der Notstand. Damit solle gewährleistet werden, dass die Hilfen nicht auf die üblichen bürokratischen Hindernisse stoßen, betonte Regierungssprecher in Rom. In Catania und vielen anderen Ortschaften blieben die Schulen geschlossen. Auch der Flughafen von Catania soll frühestens am Donnerstag wieder geöffnet werden. Die gratis verteilten Atemmasken waren binnen weniger Stunden vergriffen, sollen nach Aussage von Bürgermeister Umberto Scapagnini aber rasch nachgeliefert werden. Besonders Alte und Kranke leiden unter Atembeschwerden durch den anhaltenden Ascheregen.

Dutzend Nachbeben

Insgesamt wurde die Region in den vergangenen Tagen zusätzlich zum Vulkanausbruch von Dutzenden von Nachbeben erschüttert. Ein Geologe meinte, nach wie vor sei ungeklärt, ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der Serie der Beben und dem Ätna-Ausbruch gebe.

Die genaue Zahl der obdachlos gewordenen Menschen und das ganze Ausmaß der Gebäudeschäden nach dem Beben vom Dienstag (4,4 auf der Richterskala) ist weiterhin unklar. Das staatliche italienische Fernsehen sprach von 1.000 bis 1.500 Menschen, andere Quellen sprachen von bis zu 2.000. Viele Obdachlosen bezogen Zeltstädte, einige Hundert fanden in Hotels ein Dach über dem Kopf. Allein in Sanata Venerina habe es 16 Leichtverletzte gegeben, berichtete ein Korrespondent des Staatsfernsehens RAI.

Viele Häuser nicht mehr bewohnbar

In der Provinz Catania werde befürchtet, dass bis zu 40 Prozent der Häuser nicht mehr oder nur noch teilweise bewohnbar seien, hieß es. Viele ältere Gebäude seien überhaupt nicht vor Erdbeben geschützt. Der Bürgermeister von Catania sagte: „Vor allem der Zustand der vor 1980 gebauten Häuser bereitet Anlass zur Sorge.“ Über Schäden klagten auch die Bauern: Durch den Ascheregen sei in einigen Gebieten die Wein-Ernte gefährdet. „Der feine Staub hinterlässt schwere Schäden“, sagte ein Sprecher. Er gehe auf die Blätter nieder und bringe die Pflanzen praktisch zum Ersticken.

Text: dpa, AFP
Bildmaterial: AP, dpa

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