Fischerei

Kabeljau, Thunfisch, Schellfisch und Flunder im Nordatlantik bedroht

Zuviel gefischt

Zuviel gefischt

17. Februar 2002 Auf dem Forscherkongress der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (AAAS) in Boston haben Wissenschaftler eine drastische Verminderung der Fischereiflotten im Nordatlantik gefordert.

In den vergangenen 50 Jahren sei der Fang bevorzugter Nahrungsfische wie Kabeljau, Thunfisch, Schellfisch und Flunder im Nordatlantik um mehr als die Hälfte zurückgegangen, zugleich habe sich der Aufwand für den Fang verdreifacht. Diese Daten wurden am Samstag auf der AAAS-Jahrestagung präsentiert. Die gefangenen Fische könnten nicht mehr auf natürliche Weise ersetzt werden.

Fisch aus Entwicklungsländern vertuscht Mangel

Weiterhin werde Fisch aus den Entwicklungsländern von Westafrika oder Südostasien importiert und im Norden verkauft, kritisierte Reg Watson von der Universität British Columbia. Das vertusche die Lage in den Industriestaaten. „Wir bezahlen die Fischer in anderen Ozeanen, damit sie für unseren Konsum ihr marines Ökosystem schädigen.“ Das sei sehr kritisch für die weltweite Ernährungslage.

Die Überfischung im Norden werde zudem mit Steuergeldern gefördert, sagte Rashid Sumaila vom Chr. Michelsen Institut in Bergen (Norwegen). Die Fischereiflotte werde mit jährlich rund 2,5 Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro) subventioniert. Damit verbessere sie ihre Technik, um die letzten verbliebenen Fische ausfindig zu machen. Auch der Energiebedarf der Flotten sei drastisch gestiegen, sagte Peter Tyedmers von der Universität Dalhousie. „Der Ölverbrauch, der für den Fang einer Tonne Fisch nötig ist, hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt.“

Bedrohte Fischarten

Die staatlichen Maßnahmen, die Fischerei zu kontrollieren hätten ihre Ziele verfehlt, betonte Daniel Pauly vom Fischereizentrum der Universität von British Columbia. „Der nötige nächste Schritt ist die wirksame Reduzierung der Fangflotten.“ Die Meeresschutzkommission Ospar aus 15 Ländern und der EU hatte die Überfischung bereits im Sommer 2000 als größtes maritimes Umweltproblem im Nordost-Atlantik zwischen dem Nordkap und Gibraltar eingestuft. Sie 40 von 60 untersuchten Fischarten seien bedroht. Auch die konstant ins Meer zurückgekippte Menge von toten Beifängen gefährde zahlreiche Fischbestände.

Auch die EU hatte vergangenen Dezember auf die Überfischung hingewiesen: „Die Situation ist alarmierend, wir stehen jetzt mit dem Rücken zur Wand“, hatte der für Fischerei zuständige EU-Kommissar Franz Fischler gesagt. Er hatte eine deutliche Flottenreduzierung um bis zu 40 Prozent vorgeschlagen. Anfang der 70er Jahre habe es in den EU-Gewässern rund 90 Prozent mehr ausgewachsene Fische gegeben als Ende der 90er Jahre.

Text: dpa
Bildmaterial: dpa

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