Zwei Augenzeugen berichten

„Die Menschen sind achtlos“

28. August 2007 Georgios Giannakeas ist der Bürgermeister von Kardamili, einem Dorf an der Küste des Peloponnes, zwanzig Kilometer südöstlich der Stadt Kalamata. In der Antike war Kardamili der Hafen von Sparta, in der Vorzeit hatte Homer die „wohlbewohnte Stadt Kardamyle“ im neunten Gesang der Ilias zu den Gaben gezählt, die Agamemnon dem zürnenden Achill anbot. Giannakeas berichtet:

„Es ist leider eine Tatsache, dass es jedes Jahr Waldbrände gibt. Dieses Jahr aber waren die Brände riesig. Sie hatten einen Umfang von dreißig oder fünfunddreißig Kilometern. Nicht nur der Staat, sondern auch die Gemeinden hier sind für die Situation verantwortlich. In manchen Gemeinden haben zum Beispiel die Hydranten nicht funktioniert. Die Feuerwehrleute und die Einwohner der Dörfer haben ihr bestes gegeben, um die Feuer zu bekämpfen. Die Menschen sind achtlos und werfen Zigarettenkippen einfach aus dem Autofenster. Ich glaube, siebzehn Leute sitzen schon in Untersuchungshaft. Wegen der Wahlen werden die Brände sicherlich eine politische Dimension haben. Ich hatte selbst auf eigene Initiative zwei Feuerwehrwagen für meine Gemeinde eingekauft. Doch vom Gesetz her darf ich sie nicht einsetzen. Ich müsste zuvor eine freiwillige Feuerwehr gründen, was ich vor den Bränden versucht habe - nun ist es zu spät. Da mein Dorf nicht direkt bedroht war, habe ich anderswo ausgeholfen. Ich war sehr gerührt, dass einige deutsche Urlauber sich bei mir gemeldet und ihre Hilfe angeboten haben.“

Benny Trapp ist Fotograf und Naturschützer. Seit fünf Jahren leitet er in einem Naturschutzgebiet in der Nähe der Stadt Kalamata ein Projekt zur Rettung einer seltenen, in Europa fast ausgestorbenen Chamäleon-Art. Er hat die Waldbrände erlebt:

„Die meisten Brände wurden mit Sicherheit absichtlich gelegt. Es kann nicht sein, dass ein Brand den nächsten entfacht hat, denn die Feuer entstehen in räumlich getrennten Gebieten. Viele Griechen wollen ihre Häuser an attraktiven Stellen im Wald bauen, vor allem an der Mittelmeerküste, und auch in der Nähe von Olympia. Im Naturschutzgebiet darf zum Glück ohnehin nicht gebaut werden, deshalb sind wir von den Bränden verschont geblieben. Die Griechen haben vom Umweltschutz keinen Begriff. Das kann man schon am Müll erkennen, der herumliegt. Bei der Jugend wird es aber langsam besser. Ich bin selbst nach Olympia gefahren, um zu helfen. Als ich mich als Fotograf zu erkennen gab, wurde ich von Polizisten durchgewinkt: Die Bevölkerung hofft auf Hilfe aus dem Ausland, sie will, dass die Brände dokumentiert werden, und kämpft nach Kräften gegen die Flammen. Es wird aber nur in der Nähe der Dörfer gelöscht, im eigentlichen Wald dagegen nicht. Die Feuerwehrautos hier sind ein Witz, man benutzt Traktoren, um Wasser zu transportieren.“

Aufgezeichnet von Georgina Papadopoulou und Christopher Metcalf.



Text: F.A.Z., 29.08.2007, Nr. 200 / Seite 7

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