10. September 2003 Die katholische Kirche in Boston im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts wird den Opfern sexueller Übergriffe durch Priester insgesamt 85 Millionen Dollar (76 Millionen Euro) Entschädigung zahlen.
Eine entsprechende gütliche Einigung erzielten die Erzdiözese und Vertreter der Opfer, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Im Gegenzug sollen die mehr als 500 Klagen gegen die Kirche in Boston eingestellt werden. Ein erstes Angebot von 55 Millionen Dollar hatten die Opfer im August abgelehnt, woraufhin Erzbischof Sean O'Malley die Summe erhöhte.
Mehr als tausend Minderjährige mißbraucht
Die Erzdiözese in Boston steht im Mittelpunkt eines Skandals um katholische Priester in Amerika, die über Jahrzehnte hinweg Kinder mißbraucht haben sollen. Ein im vergangenen Monat veröffentlichter Bericht der Justizbehörden von Massachusetts geht von mehr als tausend minderjährigen Opfern innerhalb der vergangenen 60 Jahre aus. O'Malleys Vorgänger, Kardinal Bernard Law, war im Dezember zurückgetreten. Ihm wurde vorgeworfen, über Jahre hinweg Fälle von Kindesmißbrauch in seinem Amtsbereich vertuscht zu haben.
Der Betrag von 85 Millionen Dollar ist die größte Summe, die eine amerikanische Diözese bisher an Opfer sexuell motivierter Gewalt bezahlt hat. Die Betroffen können jeweils mit 80.000 bis 300.000 Dollar rechnen.
Priester im Gefängnis ermordet
Der Skandal war Anfang 2002 bekannt geworden. Zentrale Figur war der ehemalige Priester John Geoghan, dem allein rund 130 Fälle von sexueller Belästigung angelastet werden konnten. Vor zwei Wochen wurde er im Gefängnis von einem Mithäftling ermordet.
Im Laufe der Zeit häuften sich die Anschuldigungen auch gegen andere Geistliche. Führende Priester mußten sich den Vorwurf gefallen lassen, von den Verbrechen gewußt, aber nichts unternommen zu haben. Bisher sind rund 325 der insgesamt 46.000 amerikanischen Priester im Zusammenhang mit dem Skandal entlassen worden oder zurückgetreten, um ihrer Kündigung zuvorzukommen.
Text: dpa, AFP
Bildmaterial: dpa