Babyleichen Brandenburg

Mutmaßliche Babymörderin legt indirektes Geständnis ab

Eine Kinderschaukel am Fundort der Babyleichen

Eine Kinderschaukel am Fundort der Babyleichen

02. August 2005 Die mutmaßliche Babymörderin von Brandenburg hat indirekt ein Geständnis abgelegt. Sie gab zu, daß alle neun tot aufgefundenen Kinder von ihr stammen und daß sie sie ohne fremde Hilfe zur Welt gebracht hat. Das teilte Staatsanwältin Annette Bargenda am Dienstag in Frankfurt (Oder) mit.

Die Frau bestreitet der Staatsanwaltschaft zufolge, daß sie die Kinder gewaltsam umgebracht habe. Sie wisse nicht, wie die Leichen in die Verstecke gekommen seien. Allerdings könne sie sich an die Umstände der ersten beiden Geburten und Todesfälle erinnern, heißt es von der Staatsanwaltschaft, die weitere Details indes nicht mitteilte. Der inzwischen geschiedene Ehemann und mutmaßliche Vater sowie die älteren Kinder der 39jährigen hätten eigenen Angaben zufolge nichts von den Schwangerschaften bemerkt.

In Blumentöpfen und Aquarien versteckt

Die Leichen der offenbar zwischen 1988 und 1998/99 geborenen Säuglinge wurden laut Bargenda in Blumentöpfen und einem Aquarium verscharrt, die lange Zeit auf dem Balkon der verschiedenen Wohnungen der Familie gestanden hatten. Die Tatverdächtige habe erklärt, sich gerne auf den Balkon gesetzt zu haben, um ihren Kindern nahe zu sein. Bei der Vernehmung habe die Frau den Eindruck vermittelt, daß sie froh sei, daß alles aufgeflogen sei. Ihre Ehe mit dem mutmaßlichen Kindsvater sei schwer zerrüttet gewesen und 2005 geschieden worden; der Ehemann sei aus beruflichen und privaten Gründen oft wochen- bis monatelang weggewesen, sagte Bargenda. Er sei vernommen worden, habe sich entsetzt gezeigt über die Taten und erklärt, er habe nichts bemerkt.

Das Ehepaar hat drei Kinder im Alter von 18, 19 und 20 Jahren, die beim Vater leben. Es sei offenbar so gewesen, daß ein viertes Kind nicht mehr erwünscht gewesen sei. Von Verhütung habe die Frau, die noch ein eineinhalbjähriges Kind aus ihrer derzeitigen Beziehung hat, offensichtlich nicht viel gehalten, sagte die Staatsanwältin.

Bislang keine Hinweise auf weitere Babyleichen

An die erste und zweite Geburt habe sich die 39 Jahre alte Frau einigermaßen erinnern können, berichtete Bargenda. Das erste Kind sei in Frankfurt (Oder), das zweite in Goslar zur Welt gekommen. Sie habe es nach Frankfurt gebracht und dort auf dem Balkon ihrer Wohnung in einem Blumenkübel versteckt. An die Geburten drei bis neun habe die Frau nach eigenen Worten kaum Erinnerungen. Sie habe ausgesagt, beim Beginn der Wehen jeweils stark getrunken zu haben. Dann wisse sie noch, daß sie eine Decke über die Neugeborenen gelegt habe. Zu sich gekommen sei die Frau nach eigener Aussage erst, nachdem die Kinder verscharrt gewesen seien.

Die Frau habe bei der Vernehmung sehr ruhig und gelöst gewirkt. Ein Gutachter werde eingeschaltet, erklärte Bargenda. Bisher gebe es keine Anhaltspunkte für eine schwere psychische Störung. Bernd Halle von der Polizei in Frankfurt/Oder erklärte, weitere Ermittlungen auch an anderen Wohnorten der Frau seien notwendig. Bisher gebe es keine Hinweise auf weitere Fälle. Die Leichen der neun Babys waren am vergangenen Sonntag auf dem Grundstück des Elternhauses der Frau in Brieskow-Finkenherd südlich von Frankfurt (Oder) gefunden worden, wo sie sich seit etwa zwei Jahren befanden. Bei einem Umzug seien die Blumenkübel und das Aquarium dorthin gebracht worden, erklärte die Polizei. Die ersten Babyknochen hatte am Sonntag ein Verwandter beim Aufräumen gefunden und darauf die Polizei alarmiert. Die Beamten fanden dann nach und nach die anderen Leichname.

Text: AP
Bildmaterial: dpa, dpa/dpaweb, REUTERS

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