26. April 2004 BERLIN, 26. April (dpa). Vor einer Welle antijüdischer Straftaten im Zuge der Ost-Erweiterung der Europäischen Union haben Wissenschaftler und Nichtregierungsorganisationen gewarnt. "In Osteuropa ist rassistischer, rechtsextremer Antisemitismus noch stärker verbreitet als im westlichen Europa", sagte Juliane Wetzel vom Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin. Jedoch habe Antisemitismus längst nicht mehr nur rassistische Wurzeln. "Auch arabische Gruppen, Globalisierungsgegner und Teile der politischen Linken mißbrauchen die durchaus berechtigte Kritik an der Politik Israels gegen alle Juden", sagte Wetzel. Die Zahl antisemitischer Straftaten aus diesen Kreisen habe in jüngster Vergangenheit deutlich zugenommen. Die Regierungen sollten Antisemitismus gezielt bekämpfen. Am Mittwoch und Donnerstag treffen sich Vertreter von 55 OSZE-Staaten, um über den Kampf gegen Antisemitismus in Europa zu beraten. Gleichzeitig wollen Vertreter von mehr als 200 Organisationen am Rande der Konferenz einen Empfehlungskatalog zur Bekämpfung antijüdischer Vorurteile erarbeiten.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.04.2004, Nr. 98 / Seite 6