PC-Spiel

Die Sofa-Soldaten an der Front

Von Heike Hupertz

Der Irakkrieg für den PC: “Conflict - Desert Storm“

Der Irakkrieg für den PC: "Conflict - Desert Storm"

06. März 2003 Als Tom Ridge kürzlich die neue Website seines Ministeriums für Heimatschutz der Presse vorstellte, betonte er wieder und wieder, daß Amerika sich in Zeiten des "War on Terror" nicht nur auf seine Berufsarmee verlassen dürfe. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht meinte er damit jedoch nicht: "Sei ein Soldat zu Hause", heißt der neueste Slogan aus Washington, und unter "www.ready.gov" können die Bürger erfahren, wie sie sich vorzubereiten haben.

Während also unsereins nun erst lernt, daß es im Falle eines Nuklearangriffes eher förderlich ist, weiter weg als zu nahe dran zu sein, haben mehr als eine Million Heimatfront-Soldaten in den Vereinigten Staaten und Großbritannien ihre mentale Grundausbildung schon vor Monaten beendet und erfolgreich absolviert, was die Falken in der Regierung Bush kaum abwarten können: Sie haben den Irak von Saddam Hussein befreit und tun es vermutlich immer wieder.

„Authentische Situationen“

"Conflict - Desert Storm" heißt das Spiel für Playstation, Xbox und PC, das am 13. September 2002, fast pünktlich zum Jahrestag des Attentats auf das World Trade Center, erschien und seitdem mehr als eine Million Mal verkauft wurde. Unlängst gab es den angesehenen "Emma"-Award in der Kategorie "Console Games". Unübertroffen realitätsnah ("as real as it gets!") soll der Irak-Krieg für daheim sein. Mindestens vierzig Prozent der Situationen, so die Firmenwerbung, seien authentisch. Damit die Einzelkämpfer an Joystick und Tastatur den wahren Golfkriegsgeschmack bekommen, haben sich die Programmierer zudem den "Reality Consultant" und Kriegsveteranen Cameron Spence an Bord geholt, der in Sachen Waffenkunde, Terrain, Spezialeinheiten-Taktik und Feindverhalten das letzte Wort hatte.

Virtueller Golfstaat ohne Zivilisten

Das Spiel selbst erinnert an "Rambo" mit drei Klonen: Bradley, Jones, Foley und Connors sind Mitglieder der Eliteeinheit, die, hinter die feindlichen Linien geschmuggelt, ganz auf sich gestellt, mit modernster Ausrüstung versehen, den Irak von Saddam Hussein befreien muß. Ein Strategie- und Taktikspiel sei "Conflict: Desert Storm", sagen die Entwickler: "Wir wollten ein spannendes, dabei aber auch unterhaltsames Spiel kreieren." So gehen Jones und Connors im Häuserkampf gegen Partisanen vor und schaltet Scharfschütze Foley mit Nachtsichtgerät irakische Posten aus. Zivilisten sucht man im virtuellen Golfstaat vergebens.

Bei "Pivotal Games" arbeiten die Programmierer mit Hochdruck an einer aktuellen Neuauflage von "Conflict: Desert Storm". Diesmal sollen es die Soldaten an der Heimatfront mit einer verwirrenden Vielzahl von Saddam-Bodydoubles zu tun bekommen.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2003, Nr. 56 / Seite 37
Bildmaterial: SCI Games

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