29. Oktober 2004 Im Prozeß um Sexualverbrechen gegen Nachfahren der Meuterer von der Bounty sind vier Bewohner der Pazifikinsel Pitcairn zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Wegen Vergewaltigung und sexueller Übergriffe verhängte ein Gericht zwischen zwei und sechs Jahren Gefängnis, wie der Rundfunksender Radio New Zealand am Freitag meldete. Zwei der ursprünglich sieben Angeklagten müssen gemeinnützige Arbeit leisten. Ein Beschuldigter war bereits am vergangenen Montag freigesprochen worden.
Mit den sieben Männern stand rund die Hälfte der männlichen Erwachsenen des winzigen Eilandes vor Gericht. Auf der zu Großbritannien gehörenden Insel, auf halbem Weg zwischen Neuseeland und Südamerika gelegen, leben 48 Menschen. Britische Staatsanwälte hatten den Angeklagten mehr als 50 Mißbrauchsfälle zur Last gelegt, von denen manche bis zu 40 Jahre zurückliegen.
Verteidigung legt Berufung ein
Pitcairns Bürgermeister Steve Christian erhielt wegen fünf Vergewaltigungen drei Jahre Gefängnis. Sein Sohn Randy wurde ebenfalls wegen Vergewaltigung und sexueller Übergriffe zu sechs Jahren verurteilt. Zwei Männer sollen für jeweils fünf und zwei Jahre hinter Gitter. Die Verteidigung legte bereits Berufung ein, da sie die britische Rechtshoheit anzweifelt. Bis darüber entschieden ist, müssen die Männer ihre Strafen nicht antreten.
Viele der Bewohner Pitcairns sind wie die Christians Nachkommen der Meuterer von der Bounty. Ihr Anführer, Fletcher Christian, hatte sich 1790 mit acht weiteren Meuterern, 18 Männern und Frauen aus Tahiti auf die Insel geflüchtet.
Das Verfahren war durch das Buch der britischen Journalistin ausgelöst worden. Darin heißt es, die Inselbewohner hätten untereinander Beziehungen entwickelt, die anderswo als unzulässig angesehen würden, weil ihnen westliche Moralvorstellungen fehlten. So hätten sich Frauen einen Mann geteilt oder hätten Kinder von mehreren Männern; Mädchen würden oft schon mit 15 ein Kind bekommen.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa/AFP
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