Die Mutter am 16.12.2003

David soll es später gut haben

Von Jennifer Merschieve

Jennifer Merschieve mit Freund Daniel und Sohn David

Jennifer Merschieve mit Freund Daniel und Sohn David

05. Juni 2007 David ist am 18. März geboren worden, kurz vor meinem siebzehnten Geburtstag. Es war schön, Mama war dabei und Daniel und Daniels Mama. Die haben im Kreißsaal gesessen, Kaffee getrunken und den Zwieback gegessen, den die Hebammen dort immer vorrätig haben. Nach sieben Stunden war David da, ohne Probleme. Das war der glücklichste Moment in meinem Leben. Ich hätte das nicht gedacht, daß man ein Kind so lieben kann. Meine Mutter hat mir das früher immer gesagt, aber ich habe ihr nicht geglaubt.

Mein Kind ist mein ein und alles, das steht an erster Stelle, das ist normal. Daniel liebe ich auch, aber anders. Das macht ihm nicht viel aus, es ist bei ihm genauso, denke ich mal. Wir haben David ja gezeugt, weil wir uns geliebt haben, und wir lieben uns immer noch. Aber so ein Kind, das ist schon toll. David hat meinem Leben eine Perspektive gegeben. Wenn morgens der Wecker klingelt, weil ich zur Schule muß, und ich nicht aufstehen will, dann denke ich: Das machst du für ihn, damit er eine Zukunft hat. Ich bin erwachsen geworden, weil ich die Verantwortung habe für das kleine Würmchen.

Ich habe keine Probleme

Er soll es später gut haben, so wie ich es gut hatte. Durch ihn ist mir klarer geworden, was ich im Leben erreichen will: einen guten Beruf, eine schöne Wohnung und ein selbstbewußtes, vertrauensvolles Kind.

Ich bin glücklich jetzt, ich habe keine Probleme. Ich habe David, aber ich kann trotzdem tun, was ich will, weil ich ihn jederzeit abgeben kann, wenn ich mal ausgehen will. Es hat sich gar nicht viel geändert in meinem Leben. Entweder Mama nimmt ihn oder Daniel oder Daniels Eltern. Am Samstag war ich zum Beispiel auf Party, da habe ich zu Daniel gesagt: „Nimm du ihn.“ Da hat er gesagt: „Das mach' ich.“ Das war allerdings vor ein paar Wochen noch undenkbar, da hatte Daniel Angst, David zu berühren, weil er dachte, er tut ihm weh. Er hat ihn damals immer nur angeguckt.

Daniel ist fast immer für die Familie da

Wir machen es jetzt so, daß ich morgens in die Schule gehe und Mama so lange auf David aufpaßt. Wenn ich dann um eins wiederkomme, geht sie zur Arbeit. Abends nimmt sie ihn dann nochmal, falls ich ausgehen möchte. Und samstags schlafen David und ich immer bei Daniel, und Daniel steht dann nachts auf und versorgt den Kleinen. Da freue ich mich total drüber. Das ist nicht selbstverständlich. Überhaupt hat Daniel sich verändert, seit David da ist. Er geht am Wochenende nicht mehr oft weg, ganz anders als früher, und ist fast immer für die Familie da. Schön ist das.

Zusammenziehen wollen wir aber trotzdem noch nicht. Wir wollen erst etwas sparen, Rücklagen bilden und so. Ich habe ja kein Geld, um auszuziehen, und vom Sozialamt will ich keins. Ich verachte die Leute zwar nicht, die Geld vom Sozialamt nehmen, aber ich will es alleine schaffen. Im Moment lebe ich von Kindergeld, Erziehungsgeld und Unterhalt für David vom Jugendamt. Allerdings gebe ich auch Kostgeld zu Hause ab. Es reicht gerade so, um den Lebensstandard zu halten, den ich habe: Ab und zu auf Party gehen, mal essen gehen. Also, warum sollte ich ausziehen, ich hab's doch hier gut.

Wir haben noch so viel Zeit

Und dieses Aufeinanderhocken - klar wünsche ich mir das manchmal, aber wir haben noch so viel Zeit. Wir sehen uns ja trotzdem jeden Tag, und wenn mal ein Tag dazwischen ist, ist es fast noch schöner, dann haben wir auch mal Zeit für Freunde. Ich habe noch die gleichen Freunde wie früher, und eine neue Freundin, Katta. Die geht in meine Parallelklasse und hat in der Schwangerschaft immer zu mir gehalten. Auf die kann ich mich verlassen. Ich sag' immer: Das ist mein bestes Pferd im Stall.

Eigentlich hat sich alles ganz gut eingerenkt jetzt. Ich unternehme sogar mehr als vor der Schwangerschaft, lebe nicht mehr so in den Tag hinein. Ich mache zweimal die Woche Aerobic und gehe viel spazieren mit David. Ich bin dann immer voll stolz, daß er mein Sohn ist. Viele glauben mir das gar nicht, die sagen, das ist doch dein Bruder. Und wenn die Schule erst mal zu Ende ist, werde ich mich an einer Berufsschule anmelden und dann erst mal ein Jahr beurlauben lassen.

Ich werde immer zu David stehen

Ich finde, das bin ich David schuldig. Er gibt mir so viel. Wenn ich von der Schule nach Hause komme, habe ich das Gefühl, daß er auf mich wartet. Dann nehme ich ihn und lege mich mit ihm ins Bett, um zu kuscheln. Er ist ein total liebes Kind, fröhlich und ohne Probleme. Ich denke eigentlich nie darüber nach, was ich alles verpasse. Sonst hätte ich mich ja auch in der Schwangerschaft gegen ihn entschieden, wenn ich so ein Typ wäre. Aber ich bin nicht so, ich bin vernünftig geworden. Ich werde immer zu ihm stehen.

Aufgezeichnet von Katrin Hummel



Text: F.A.Z.

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