Geflügelpest

Keine Vogelgrippe bei bayerischem Nutzgeflügel

Das Gelände rund um den betroffenen Geflügelbetrieb ist weiträumig abgesperrt

Das Gelände rund um den betroffenen Geflügelbetrieb ist weiträumig abgesperrt

14. März 2006 Der Verdacht, erstmals sei die gefährliche Vogelgrippe in einem deutschen Geflügelhof aufgetreten, hat sich nicht bestätigt. Die abschließenden Untersuchungen des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hätten eine Infektion des Virus H5N1 in einem Entenbestand in Bayern ausgeschlossen, teilten Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) und FLI-Präsident Thomas Mettenleiter am Montag mit. Eingehende Untersuchungen hätten weder Vogelgrippeviren vom Subtyp H5 noch von H7 festgestellt.

„Damit steht eindeutig fest, daß wir nach wie vor keinen Fall von Geflügelpest in einem deutschen Nutzgeflügelbestand haben“, sagte Mettenleiter. Ein Schnelltest hatte bei sechs von sieben verendeten Enten in Lichtenfels in Franken zuvor Grippeviren vom Typ A nachgewiesen. Die Grippeviren vom Typ A, zu denen auch der Erreger H5N1 gehört, unterscheiden sich stark in ihrer Gefährlichkeit. Rund 500 Tiere des Bestandes waren vorsorglich getötet worden, um einer möglichen weiteren Ausbreitung der Tierseuche vorzubeugen.

Seehofer kritisiert Schnappauf scharf

Sind die Entenküken aus Bayern mit H5N1 infiziert?

Sind die Entenküken aus Bayern mit H5N1 infiziert?

Seehofer kritisierte den bayerischen Verbraucherschutzminister und Parteifreund Werner Schnappauf (CSU) wegen des Umgangs mit dem Verdacht der erstmaligen Vogelgrippe bei Nutzgeflügel scharf. „Das schafft unheimlich viel Verunsicherung“, sagte Seehofer am Montag abend im Fernsehsender Phoenix. „Wir müssen mit dem Umgang mit der Öffentlichkeit, so lange ein Verdacht nicht bestätigt ist, viel sorgfältiger umgehen.“ Es sei besser, sich einen Tag Zeit zu nehmen und aufzuklären.

Wegen des Verdachts auf das Vogelgrippevirus H5N1 waren insgesamt vier Betriebe gesperrt worden. Neben dem Hof in Lichtenfels waren zwei Nachbarhöfe sowie einer im niedersächsischen Vechta betroffen, aus dem die erkrankten Jungtiere stammen. Der Geflügelhändler aus Vechta habe vor einigen Tagen 200 Enten an den Hof in Lichtenfels geliefert, teilte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium in Hannover mit.

Der Bauernverband hält trotz des jüngsten Verdachtsfalles die Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe für ausreichend, um eine mögliche Ausbreitung auf Nutzgeflügel zu verhindern. „Ich bin guter Hoffnung, daß wir in der Lage sind, das Virus herauszuhalten, sagte der Vorsitzende des Verbandsausschusses für Geflügel“, Johann Arendt Meyer zu Wehdel. Das Virus H5N1 habe an der Ostseeküste seit längerem Wildvögel infiziert, aber bisher sei dort kein Nutzgeflügel davon betroffen.

Rügen hebt Katastrophenalarm auf

Unterdessen wurden vom Bodensee und aus Mecklenburg-Vorpommern neue Vogelgrippe-Fälle bei Wildvögeln gemeldet. In Bayern wurde das Virus H5N1 bei einer verendeten Wildente aus Lindau nachgewiesen. Der Erreger wurde auch bei einer toten Reiherente in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) gefunden. Die Schweiz meldete eine Ente und ein Bleßhuhn am Bodensee als infiziert. Insgesamt wurden damit am Bodensee rund 30 Virusfälle erfaßt.

In Mecklenburg-Vorpommern beschlossen die Landkreise Rügen und Nordvorpommern trotz sechs neuer Nachweise von Vogelgrippe, den Katastrophenalarm von Dienstag an aufzuheben. Die Situation sei nun ohne fremde Hilfe beherrschbar, sagte Rügens Kreissprecherin Carina Schmidt. Der Landkreis Ostvorpommern will an diesem Dienstag über die Aufhebung entscheiden. Das Virus H5N1 war in Mecklenburg-Vorpommern am Wochenende und am Montag bei insgesamt sechs Vögeln festgestellt worden. Damit ist der Erreger in dem Bundesland bei bisher 157 Wildvögeln sowie drei Katzen und einem Steinmarder nachgewiesen worden.

Erstmals Vogelgrippe-Tote in Aserbaidschan

500 Tiere wurden gleich in der Nacht gekeult

500 Tiere wurden gleich in der Nacht gekeult

Nach 98 Todesfällen in Ostasien, der Türkei und im Irak sind erstmals auch in Aserbaidschan Menschen an der Vogelgrippe gestorben. Bei drei kürzlich verstorbenen Personen sei der H5N1-Erreger festgestellt worden, teilte das Gesundheitsministerium in Baku am Montag mit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe die Diagnose schon bestätigt. Alle drei Verstorbenen lebten in derselben Region am Kaspischen Meer, wie der stellvertretende Gesundheitsminister Abbas Welibejow erklärte.

Bei Wildvögeln in Aserbaidschan war das H5N1-Virus erstmals im Februar festgestellt worden. Die ehemalige Sowjetrepublik grenzt an die Türkei, wo im Januar vier Kinder an Vogelgrippe starben.

Text: FAZ.NET mit Material von AP, Reuters
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, picture-alliance / dpa

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