Von Harald Zaun
01. August 2002 Allen drohenden Gefahren durch Sternenstaub, Asteroiden, kosmischer Strahlung und eisiger Kälte im All trotzend, verliert sich seit nunmehr 30 Jahren eine der erfolgreichsten irdischen Forschungssonden immer tiefer in der kosmischen Unendlichkeit. Ihre Heimat - in 12,21 Milliarden Kilometern Entfernung - sieht die Sonde nur noch als kleinen, hellen, kaum wahrnehmbaren Punkt. Von Pioneer ist auf der Erde nicht mehr als ein schwaches, kaum wahrnehmbares Piepsen zu vernehmen. Der Abgesang auf die Sonde hat offenbar begonnen.
Seit über 30 Jahren rast die Nasa-Raumsonde Pioneer 10 mit einer Geschwindigkeit von 12,24 Kilometern in der Sekunde (relativ zur Sonne) durchs All und hat dabei ein strapaziöses Forschungsprogramm erfolgreich absolviert. Unter anderem sendete sie zahlreiche Farbfotos vom Planeten Jupiter zur Erde.
Kontakt ohne Daten
Der hochbetagte Weltraumveteran erwies sich sogar als so langlebig, dass vor Jahren die Nasa seine offizielle Mission bis zum 31. März 1997 verlängerte, sogar den Kontakt zum astralen Vagabunden bis heute aufrecht zu erhalten versucht. Doch trotz mehrfacher Kontaktversuche meldete sich der interplanetare Flitzer in der Vergangenheit nur sporadisch; zuletzt am 2. März dieses Jahres - pünktlich zu seinem 30. Geburtstag.
Das "Deep-Space-Network" (DSN), das aus mehreren in Madrid, Goldstone/Kalifornien und im australischen Canberra operierenden Antennen besteht, gibt dennoch nicht auf. Es sucht Signale von Pioneer und wurde Mitte Juli fündig. Es gab einen kurzen Kontakt mit Pioneer, wie Projektmanager Dr. Larry Lasher vom Ames-Forschungszentrum im kalifornischen Silicon Valley kürzlich bekannt gab. Nach Monaten des Schweigens ließ der kosmische Pensionär, der die Nabelschnur zu Mutter Erde offensichtlich noch nicht vollends durchtrennt hat, wieder von sich hören.
Kontakt zu kurz zur Datenübertragung
Allerdings registrierte das leistungsfähige 70-Meter-Radioteleskop des DSN in Madrid das Pioneer-Funksignal, dass elf Stunden und 18 Minuten zur Erde unterwegs war, nur kurz. Zu kurz, um wertvolle Signale zu übertragen. "Es gab einen einminütigen Kontakt mit Pioneer, aus dem aber nur hervorging, dass eine Kommunikation möglich gewesen wäre. Das Signal war viel zu kurz und zu schwach für die Übertragung signifikanter Daten", sagt Dr. John F. Cooper vom "Nasa Goddard Space Flight Center" in Greenbelt/Maryland.
Grund dafür: Pioneer geht die Energie aus. Die sondeninternen Nuklearbatterien, deren thermoelektrische Generatoren von einer Plutonium-238-Quelle gespeist werden, leeren sich. Ähnlich geht es dem Radioisotope Thermal Generator (RTG) System, das den lediglich acht Watt starken Pioneer-Sender mit Energie versorgt. Und infolge des "Energieproblems" und der größer werdenden Distanz zwischen Erde und Sonde wird das ohnehin sehr schwache Pioneer-Signal immer schwächer.
Kosmische Flaschenpost
Weitaus informations- und datenreicher ist die legendäre 15 mal 22,5 Zentimeter große und 1,27 Millimeter dicke Aluminiumplatte, mit der seinerzeit sowohl die beiden Voyager-Sonden als auch Pioneer 10 und ihre Schwestersonde Pioneer 11 bestückt wurden. Es wird aber noch eine Weile dauern, bis diese kosmische Flaschenpost, auf der neben eingravierten Symbolen ein menschliches Paar schemenhaft vor der Raumsonde zu sehen ist, einmal in die Hände vernunftbegabter Aliens fällt. Frühestens in zwei Millionen Jahren, wenn sich die Sonde im Sternbild Stier bewegt, werden E.T. und Co. endlich wissen, dass sie nicht allein sind - respektive einmal waren.
Text: @zaun
Bildmaterial: dpa