Adel

Welfen-Auktion beginnt mit hohen Erlösen

Der Rubel rollt

Der Rubel rollt

05. Oktober 2005 Bei der Versteigerung von Kunstschätzen aus dem Besitz der Welfen-Familie auf Schloß Marienburg bei Hannover sind schon in der ersten Stunde mehrere 100.000 Euro eingenommen worden.

Nach nicht einmal 60 Minuten wurde ein dreiteiliges Altarbild eines Schülers von Lucas Cranach für 180.000 Euro verkauft. Auch andere Werke wurden innerhalb von Minuten verkauft. Die Versteigerung ist gut besucht. Bei einer der größten Auktionen in der deutschen Nachkriegsgeschichte stehen bis zum 15. Oktober 20.000 Kunstschätze und Antiquitäten aus dem Besitz des Fürstengeschlechts im Angebot.

Ziel: Zwölf Millionen Euro Erlös

Nicht gerade ein Schnäppchen

Nicht gerade ein Schnäppchen

In 20 Einzelversteigerungen bietet das Auktionshaus Sotheby´s Waffen, Möbel, Schmuck, Kostüme und Gemälde an. Viele Stücke stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, als die Welfen nicht nur die Könige von Hannover, sondern auch die englischen Könige stellten. Mit der Auktion wollen die jungen Prinzen Ernst August und Christian von Hannover etwa zwölf Millionen Euro erlösen. Die Söhne des Welfenchefs Ernst August hatten eigenhändig Keller und Dachgeschoss der Marienburg durchsucht, um die Verkaufsobjekte auszusortieren.

Unter anderem hatte die Fürstenfamilie nach dem Krieg auf Schloß Marienburg Besitztümer aus anderen Schlössern wie Blankenburg im Ostharz und Cumberland in Österreich gelagert. Der Erlös der Versteigerung soll in eine Stiftung fließen, mit der das neogotische Schloß Marienburg modernisiert und zu einem „Neuschwanstein des Nordens“ umgebaut werden soll. Bei der Vorbesichtigung waren mehr als 8.000 Besucher auf Schloß Marienburg gekommen, darunter viele Interessenten aus europäischen Adelshäusern.

Pillendöschen ab 50 Euro

Damit Käufer aus der Ferne mitbieten können, wurden im Schloß 120 Telefonleitungen verlegt. Im Angebot sind zum Beispiel eine Gala-Livree des englischen König Georg V. aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Schätzpreis von 1.000 Euro, das in London im Jahr 1717 gefertigte Altargeschirr von König Georg II. im Wert von 250.000 Euro oder ein Tee- und Dessertservice des Herzogs von Cumberland aus dem Jahr 1806 für geschätzte 400.000 Euro.

Als teuerste Objekte kommen zwei Vasen aus der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur St. Petersburg zum Schätzpreis zwischen 500.000 und 750.000 Euro auf den Tisch. Silberschalen oder Pillendöschen sind dagegen bereits ab 50 Euro zu haben, Vasen oder Kupferkessel ab 200 Euro oder Tischdecken und Servietten ab 300 Euro.

Werden Kulturgüter verhökert?

Das Auktionshaus Sotheby's hatte in den vergangenen Monaten die Stücke des Hauses Hannover in Amsterdam sortiert und in einem fast 20 Kilogramm schweren Katalog mit drei Bänden aufgelistet. Umstritten ist, ob mit der Auktion nicht auch wertvolle Kulturgüter verhökert werden. Während Kunsthistoriker vor dem Ausverkauf des Welfenbesitzes warnten, hatte Niedersachsens Kulturminister Lutz Stratmann (CDU) betont, bei der Auktion kämen nicht viele Stücke von „tatsächlich herausragender Bedeutung“ unter den Hammer.

Viele Besucher beim ersten Auktionstag

Viele Besucher beim ersten Auktionstag

Das Fürstengeschlecht hatte niedersächsischen Museen ein Vorkaufsrecht für einige Stücke eingeräumt, so etwa für ein mittelalterliches Richtschwert oder für ein Porträt eines Braunschweiger Herzogs aus dem 16. Jahrhundert.

Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb

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