Traumschiff

Weltgrößtes Kreuzfahrtschiff „Queen Mary 2“ verläßt die Werft

Die Queen Mary mit Kapitän Ronald Warwick

Die Queen Mary mit Kapitän Ronald Warwick

22. Dezember 2003 Überschattet von dem tragischen Unglück mit 15 Todesopfern verläßt das weltgrößte Passagierschiff „Queen Mary 2“ an diesem Montag die Werft in Saint-Nazaire.

Der Luxusliner mit Platz für 2600 Passagiere nimmt über einen Umweg nach Spanien Kurs auf seinen künftigen Heimathafen Southampton, wo die britische Königin Elizabeth II. das prachtvoll ausgestattete Schiff am 8. Januar taufen wird. Nach dem Willen der Werft-Gesellschaft Alstom Marine soll der Abschied schlicht und ohne Pomp gefeiert werden.

Fröhliche Festlichkeit will in Saint-Nazaire kaum aufkommen. Zu frisch sind noch die schrecklichen Erinnerungen an den Unfall, als am 15. November im Trockendock eine überlastete Landungsbrücke einstürzte und 15 Menschen in den Tod riß. Die meisten von ihnen waren Familienmitglieder und Freunde der Werftarbeiter, die das Traumschiff besichtigen wollten. Doch zur Trauer mischt sich in der Hafenstadt auch der Stolz der Angestellten auf ihre Leistung.

Schwimmende Stadt mit fünf Swimmingpools

In einer Rekordzeit von knapp zwei Jahren haben sie dieses 345 Meter lange, 41 Meter breite und 74 Meter hohe Schiff mit seinen großen Ballsälen, Restaurants mit über 1000 Plätzen, einem Theater, einem Planetarium und fünf Swimmingpools gebaut. Alles an dieser schwimmenden Stadt ist überdimensional. Allein die mit kostbaren Teakhölzern verkleideten Gänge sind so lang, daß man kaum bis zu ihrem Ende blicken kann.

Es ist der erste transatlantische Luxusliner, der seit dem Bau der „Queen Elizabeth 2“ 1969 entstanden ist, auch dieser im Auftrag der britischen Reederei Cunard.

Präsident Jacques Chirac hat jedoch für eine festliche Note beim Abschied gesorgt. Er genehmigte eine Ehrenrunde französischer Jagdflugzeuge, die mit blau-weiß-roten Rauchstreifen am Himmel das Riesenschiff bei der Ausfahrt aus der Loire-Mündung verabschieden. Zuvor wird die Baufirma Alstom der Cunard-Linie die Flagge der „Queen Mary 2“ übergeben, stilvoll begleitet von den Klängen der Nationalhymnen „Marseillaise“ und „God Save the Queen“.

Testbetrieb in der Biskaya

Zunächst nimmt das Riesenschiff Kurs Richtung Süden - zu einem kleinen Abstecher in den spanischen Hafen Vigo. Ausgerechnet in den unruhigen und winterlichen Gewässern der Biskaya sollen sich die 1300 Angestellten in ihren Dienst einarbeiten. „Testpersonen“ sollen eine Duplex-Luxus-Suite von 209 Quadratmetern bewohnen, von der aus die Sicht angeblich genauso grandios sein soll, wie sie Kapitän Ronald Warwick am Steuer hat.

Am 12. Januar startet die „Queen Mary 2“ zu ihrer Jungfernfahrt von Southampton nach Fort Lauderdale in Florida. Für „echte“ Passagiere kostet die 14tägige Atlantiküberquerung zwischen 3100 Euro in einer bescheidenen Kabine ohne Ausblick bis hin zu 41.000 Euro für die größte Suite.

Traumschiff bereits auf Jahre ausgebucht

Geplant sind für die Queen Mary jedes Jahr etwa 20 Atlantik-Überquerungen, die übrige Zeit hält der Kapitän Kurs auf Kreuzfahrten durch die Weltmeere von der Karibik bis zum Mittelmeer. Die schätzungsweise 800 Millionen Dollar (650 Millionen Euro), die der 150.000-Tonnen-Riese gekostet hat, sind nach der Rechnung von Cunard gut angelegt. Der Luxusliner ist jetzt bereits auf Jahre ausgebucht. Das Geschäft mit Seereisen gilt als vielversprechende Wachstumsbranche.

Text: dpa
Bildmaterial: AP, PA, SIPA

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