30. März 2006 Es gab Zeiten, und sie sind nicht allzu lange her, da konnten Jeans nicht tief genug sitzen. Es galt die goldene Regel: Erst wenn es um die Nieren gründlich zieht, hast du die richtige Jeans gewählt. Die hüftknochenfreie Hose hat in den Denim-Läden noch immer einen Stammplatz. Doch der Bund rutscht peu à peu höher. Bei manchen Labels ist der Reißverschluß zum ersten Mal seit Ende der Neunziger wieder länger als fünf Zentimeter. Frauen über 16 freut's.
Die schwedische Jeansmarke Acne (ja, sie spricht sich wirklich so) verfolgt den Trend zum bedeckten Bauchnabel in diesem Sommer besonders konsequent. Bestes Beispiel: die Tube mit breitem Sattel, hohem Bund und viel Stretch, die Stefanie bei unserem Shooting trägt (150 Euro).
Hosen statt Pickel
Hinter dem schönheitsfeindlichen Markennamen steckt der Leitsatz Ambition to Create Novel Expressions (Ehrgeiz, neue Ausdrucksformen zu erschaffen). Acne steht in Stockholm für mehr als nur Mode, nämlich auch für Werbefilme, Videospiele, Stofftiere und ein Magazin, das gleich in zwei Sprachen herausgegeben wird.
Zur tragbaren Kreativität kam man 1997 durch Firmenmitgründer Jonny Johansson, der 100 Jeans mit roten Nähten als Geschenk für Familie, Freunde und Kunden entwarf. Mehrere Boutiquen fragten nach dem Hersteller - und der Rest ist eine legendäre Firmengeschichte. Inzwischen macht das Unternehmen rund 15 Millionen Euro Umsatz im Jahr, und die Denim-Linien tragen einen Großteil dazu bei. Auch der Name hat sich etabliert - angeblich assoziieren Jugendliche in Stockholm Acne inzwischen zuerst mit Jeans und dann mit Pickeln.
Der cleane nordische Jeans-Look
In Berlin hat im Januar der erste Acne-Shop außerhalb Skandinaviens eröffnet. Großzügig geschnitten und weiß wie schwedischer Neuschnee sind die Räume in Mitte. Man mag es puristisch-minimalistisch und modern. Über die mit Multiblenden geschlossenen Fensterfronten flimmert nachts die aktuelle Kampagne.
Die Acne-Hosen verkörpern ganz den klaren, nordischen Jeans-Look: schlichte Schnitte, gerade Linien, die Optik clean und tight. Verzierungen in Form von Stickereien oder Nieten, mit denen die kalifornischen Marken gerne prahlen, fehlen ganz. Auch mit Waschungen hält man sich zurück. Deshalb stammen die Denim-Töne mehrheitlich aus der dunkleren Blau-Palette bis hin zu richtigem Samtschwarz. Die Jeans bleibt bei Acne ganz klassisch, nur ein mädchenhaft-verspieltes, tiefblaues Modell mit Hosenträger hat man ins Portfolio gelassen. Dafür wird nicht mit Stretch gegeizt - was bei den schmalen Silhouetten und Zweite-Haut-Schnitten den Tragekomfort wesentlich erhöht und den Einstieg erleichtert.
Text: one./F.A.Z. vom 31.3.2006
Bildmaterial: F.A.Z. - Helmut Fricke