17. März 2004 Mit einer bewegenden Trauerfeier in der Madrider Kathedrale La Almudena haben am späten Dienstagabend rund 4.000 Menschen der Opfer der Anschläge des 11. März gedacht.
Sichtlich berührt verfolgten Königin Sofía sowie Vertreter der Zentral- und der Regionalregierung, Botschafter aus 30 Ländern und Hinterbliebene die Predigt von Erzbischof Antonio María Rouco-Varela. Nur jene, die vor Haß und Gewalt blind sind, jene die im Widerstreit mit Gott leben, glauben, daß der Tod das Ende der menschlichen Existenz ist, sagte er.
Trauerfeier auch in Rabat
In der Kathedrale der marokkanischen Hauptstadt Rabat nahmen Ministerpräsident Driss Jettou, sein gesamtes Kabinett sowie die spanische Außenministerin Ana Palacio an einer ökumenischen Trauerfeier teil. Sie wurde geleitet von islamischen, jüdischen und christlichen Geistlichen. Drei der nach den Anschlägen auf Pendlerzüge festgenommenen mutmaßlichen Terroristen sind Marokkaner. Unter den 201 Toten des Blutbades waren auch mindestens drei Bürger des nordafrikanischen Landes. Es wird befürchtet, daß unter den noch nicht identifizierten Leichen weitere Marokkaner sind.
Eine vom spanischen Staat organisierte Trauerfeier soll am 24. März stattfinden. In der Kleinstadt Alcalá de Henares östlich von Madrid, wo 26 der Todesopfer wohnten, zogen am Abend 50.000 Menschen in einem Protestmarsch gegen den Terror durch die Straßen.
Noch sechs Verletzte in Lebensgefahr
Nach der neuesten Bilanz der Behörden kamen bei dem Massaker neben Spaniern Menschen aus 14 anderen Ländern ums Leben, darunter 14 Rumänen, 5 Ecuadorianer, 4 Polen, 4 Bulgaren, 3 Peruaner, 3 Marokkaner, 2 Ukrainer, 2 Kolumbianer sowie je einer aus Frankreich, Brasilien, Chile, Kuba, Honduras und Guinea-Bissau. Von den fast 1.500 Verletzten waren in der Nacht zum Mittwoch noch 201 in Krankenhäusern. Der Zustand von 6 von ihnen ist kritisch.
Inzwischen hat die spanische Polizei insgesamt sechs Verdächtige als mutmaßliche Attentäter identifiziert. Einer von ihnen ist Jamal Zougam, der am Wochenende mit zwei weiteren Marokkanern festgenommen worden war, wie die Presse berichtete. Die übrigen fünf sind flüchtig. Der 30jährige Zougam soll einer islamischen Terrorgruppe mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Qaida angehören. Augenzeugen sagten aus, sie hätten ihn in einem der Züge gesehen.
Algerier festgenommen
In San Sebastián im spanischen Baskenland nahm die Polizei zudem einen Algerier fest, der im Januar damit gedroht hatte, den Madrider Atocha-Bahnhof mit Leichen zu füllen. Der Mann war damals von Beamten kontrolliert worden. Die Polizisten erinnerten sich nach den Anschlägen an die Drohung. Nun soll geprüft werden, ob er etwas von den Attentaten gewußt hatte.
Der Zeitung El País zufolge halten die Ermittler das Video, in dem ein Sprecher im Namen von Al Qaida die Verantwortung für das Blutbad vom vergangenen Donnerstag übernimmt, für echt. In dem zweiminütigen Film hatte ein arabisch sprechender Mann zudem mit weiteren Anschlägen gedroht. Marokkanische Experten unterstützten die spanische Polizei bei ihren Bemühungen, die Identität des Mannes zu ermitteln.
Text: dpa
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, REUTERS