Bärenjagd

Jeppe und Raiku jagen Bruno

Peni, Jeppe, Raiku, Jimmy und Atte: Finnische Spürhunde auf Brunos Spur

Peni, Jeppe, Raiku, Jimmy und Atte: Finnische Spürhunde auf Brunos Spur

12. Juni 2006 Die Jagd auf den aus der norditalienischen Provinz Trient (Trentino) stammenden Braunbären „JJ1“ alias „Bruno“ soll nun in Tirol intensiviert werden. Die aus Finnland eingeflogenen Bärenfänger mit ihren auf die Bärenjagd abgerichteten Hunden setzten ihre Arbeit am Montag fort.

Sie suchten nach einer Fährte und sollen das Tier dann einkreisen, damit es betäubt und entweder nach Trient zurückgeschafft oder in ein bayerisches Wildgehege in Poing bei München verbracht werden kann. An Abschuß, hieß es am Montag, sei vorerst nicht mehr gedacht, falls andere Umstände einträten, sei er aber nicht auszuschließen.

Hilfe der Hunde soll Abschuß vermeiden

Der in Tirol für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten, somit auch für das Jagdwesen zuständige Landesrat (Minister) Anton Steixner sagte am Montag im österreichischen Grenzort Scharnitz, „der Spaß“ habe ein Ende. Es handle sich um „einen sonderbaren Bären, der ein Sicherheitsproblem darstellt“.

Mit einem neuen Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Schwaz sei die Jagd auf den Bären rechtmäßig und könne von einzelnen Jagdpächtern nicht mehr verhindert werden. Dieser Bescheid werde auf alle Bezirke Nordtirols ausgedehnt und sei bereits in Kraft. Am Sonntag hatte der Suchtrupp die Jagd auf „Bruno“ schon nach wenigen Stunden abbrechen müssen, weil ein Jagdpächter das Durchqueren seines Gebiets verboten hatte. Doch soll der Abschuß mit Hilfe der fünf karelischen Bärenhunde vermieden werden.

Professor für Wildtiermedizin soll Bruno betäuben

Die Spezialhunde werden ein bis zwei Stunden eingesetzt und müssen dann ausgetauscht werden. „Peni“, „Jeppe“, „Raiku“, „Jimmy“ und „Atte“ sollen „Bruno“ stellen. Dann soll der Wiener Professor für Wildtiermedizin und Artenschutz Chris Walzer mittels kohlendioxydgetriebenem Gewehr aus einer Distanz von weniger als 70 Metern die Spritze mit dem Spezialmedikament auf den Bären abfeuern.

Walzer sagte, er habe schon ein halbes Dutzend Bären in freier Wildbahn auf diese Weise betäubt. Die Abschußgenehmigung in Bayern hatte Umweltminister Werner Schnappauf für den auf zwei Wochen angelegten Einsatz der finnischen Spezialisten ausgesetzt.

Ins Innsbruck einen Hasenstall aufgebrochen

„Bruno“ hatte zuletzt an der Ganalm bei Terfens nordöstlich von Innsbruck einen Hasenstall aufgebrochen. Die Behörden stufen das Tier als gefährlich ein, weil es sich ohne Scheu menschlichen Behausungen nähert und dort Schafe und Hühner reißt. Es ist nicht auszuschließen, daß es zu einem Zusammentreffen des Bären mit Menschen kommt. Wie „Bruno“ in einem solchen Fall reagieren würde, läßt sich nicht vorhersagen.

Bei ihrem Tirol-Einsatz haben die karelischen Bärenhunde übrigens nicht nur mit dem im Vergleich zu Finnland schwierigeren Gelände zu kämpfen. Zwei von ihnen mußten angesichts der Hitze, die sie aus ihrer Heimat nicht gewohnt sind, „sommertauglich“ gemacht werden und erhielten am Sonntag eine Spezialrasur verpaßt, um nicht allzu schnell ins Schwitzen zu kommen.

Wenn Karjalankarhukoira bellt, zittern Bären und Elche

Der Karelische Bärenhund (finnisch: Karjalankarhukoira) ist nach Angaben der Federation Cynologique Internationale (FCI), des größten kynologischen Weltdachverbands mit Sitz in Brüssel, ein passionierter Jäger, der vom Menschen allein losgeschickt wird und das Wild bellend stellt. Der Hund wird vor allem zur Jagd auf Elch und Bär verwendet.

Der Grundstock der Rasse stammt aus Lagoda-Karelien, wo der Hund zur Jagd eingesetzt wurde. Gezüchtet wird er seit 1936. Ziel war ein robuster Hund, der bei der Jagd auf Großwild Laut gibt. Die Rasse ist in Finnland gut verbreitet. Scharfer Geruchssinn, sehr guter Orientierungssinn, Mut und Hartnäckigkeit machen den Hund nach Angaben der FCI zum idealen Großwildjäger.

Gegenüber anderen Hunden könne er sich aggressiv verhalten, niemals aber gegenüber dem Menschen. Die Körperlänge übertrifft nur leicht die Widerristhöhe, er ist dicht behaart. Sehr starke Kiefer, braune Augen verschiedener Tönung, nie gelbe. Ausdruck: wach und voller Feuer. Gangwerk: Bewegung leicht, anstrengungslos und bodendeckend. Der Hund geht leicht vom Trab in den Galopp über, der die natürlichste Gangart stellt.

Farbe des Haarkleids: schwarz, kann glanzlos oder braun schattiert sein. Die meisten Exemplare weisen klar gezeichnete weiße Abzeichen an Kopf, Hals, Brust, Bauch und Läufen auf. Die Rüden sind idealiter 57 Zentimeter groß und wiegen 25 bis 28 Kilogramm. Zusamenfassend: Jetzt wird's wohl bald eng für „Bruno“.

Text: R.O. / F.A.Z., 13.06.2006, Nr. 135 / Seite 9
Bildmaterial: dpa

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