10. November 2007 Einen Tag nach der großen Sturmflut an der Nordseeküste ist auf den Inseln und auf dem Festland am Samstag der Alltag weitgehend wieder eingekehrt - bis auf Helgoland. Auf Deutschlands einziger Hochseeinsel wurde ein Badestrand ein Raub der Wellen. Die tobende See riss im Nordbereich der Helgoländer Düne den feinen Sandstrand auf seiner gesamten Länge von 1100 Metern weg und verwüstete zusätzlich erhebliche Teile des dahinter liegenden Dünengürtels. Bürgermeister Frank Botter sprach am Samstag von einem Millionenschaden.
Glimpflicher kamen die ostfriesischen Inseln wie Juist, Langeoog und Wangerooge davon, obwohl sie ebenfalls erhebliche Dünenabbrüche meldeten. Dort müsse aber nicht sofort neuer Sand aufgeschüttet werden, sagte eine Sprecherin des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Zur exakten Höhe der durch Orkan Tilo entstandenen Schäden konnten noch keine Angaben gemacht werden.
Wer gibt Helgoland neuen Sand?
Bis zu einer Tiefe von 35 Metern und einer Höhe von 5 Metern sind die Dünen verschwunden, sagte Helgolands Inselchef. Ich schätze, dass insgesamt mehr als 150 000 Kubikmeter Sand weg sind. Das entspricht mehr als 4000 gefüllten Eisenbahnwaggons. Am Montag will Botter mit den Fachbehörden des Landes die Schäden analysieren. Dazu gehört auch die Frage, woher und wie kriegen wir neuen Sand her.
Die Insel mit ihrem Wahrzeichen Lange Anna liegt rund 70 Kilometer von der Küste entfernt in der Deutschen Bucht. Eine Sturmflut hatte das Eiland in der Neujahrsnacht 1720/21 in zwei Teile zerrissen. Seitdem besteht Helgoland aus dem ein Quadratkilometer großen, roten Buntsandsteinfelsen mit einer Steilküste, die bis zu 61 Meter hoch aus dem Meer ragt, und der vorgelagerten Düne - einem 0,7 Quadratkilometer großen Sanddepot auf einer Kalksandsteinschicht mit zwei Stränden.
Diesmal hatten Bürger auf Warnungen gehört
In Hamburg, Emden, Wilhelmshaven und Bremerhaven waren die Aufräumarbeiten am Samstagvormittag weitgehend beendet. Auch die Fähren zu den ostfriesischen Inseln verkehrten wieder planmäßig. Der Wind auf See blies nur noch mit 50 bis 60 Stundenkilometer: Für die Jahreszeit im normalen Bereich, sagte Birger Tinz vom Deutschen Wetterdienst. Bürger und Behörden hatten sich auf Tilo gut vorbereitet. So liefen in Hamburg, Emden, Bremerhaven und Norddeich zwar Hafenbecken über, jedoch hatten die meisten Menschen - anders als bei der schweren Sturmflut vor einem Jahr - die Warnungen des Wetterdienstes ernst genommen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa