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Auf Kometenjagd im warmen Kämmerlein

Kometensuche: Ansichtsmaterial des Chinesen Zhou

Kometensuche: Ansichtsmaterial des Chinesen Zhou

19. April 2002 Kometen zu jagen ist eine mühsame, bisweilen sogar die Gesundheit beeinträchtigende Tätigkeit. Nächte mit einem glasklaren Sternenhimmel sind häufig besonders kalt, fehlt doch die wärmende Wolkendecke. So fangen sich die Sternengucker bei ihrer Suche nach neuen Schweifsternen frierend häufig eine Erkältung und/oder einen steifen Nacken ein. Entschädigen kann da nur eine Entdeckung, die dann freundlicherweise den Namen des oder der Entdecker erhält - so wie die allseits bekannten Kometen Hyakutake und Hale-Bopp, die jedermann am Himmel sehen konnte.

XingMing Zhou, ein Chinese aus der Provinz XinJiang, hält offenbar gar nichts von durchfrorenen Nächten, wohl aber von der Jagd nach Kometen. Und er ist tatsächlich fündig geworden, ohne einen Fuß nach draußen zu setzen. Im warmen Kämmerlein, gemütlich vor dem Computer sitzend, entdeckte er nicht nur einen neuen Schweifstern, sondern sogar eine ganz neue Kategorie der Vagabunden des Sonnensystems. Seine Fundgrube: Die Internetseite des europäischen Sonnensatelliten Soho.

Tiefblau schimmerndes Video

Seit sechs Jahren hat der von den großen Raumfahrtagenturen Esa und Nasa gemeinsam betriebene Sonnensatellit unseren Zentralstern im Blick. Durch seine Aufnahmen werden zahllose Schweifsterne sichtbar, die durch ihre Nähe zur Sonne zumeist überstrahlt werden und somit von der Erde aus mit Teleskopen nicht sichtbar sind. Die Film-Aufnahmen kann man aus dem Internet auf den eigenen Rechner downloaden und sichten.

Genau das hat Zhou gemacht. In der Mitte der tiefblau schimmernden Aufnahmen befindet sich die durch Soho abgedeckte Sonnenscheibe. Deutlich sichtbar werden dadurch die gewaltigen Sonneneruptionen, die ins All schießen. Und sichtbar werden auch die vergleichsweise winzigen leuchtenden Kometen, die ihre Bahn an der Sonne vorbei ziehen. So auch der von Zhou am vergangenen Montag entdeckte Soho-422, der von unten ins Bild kommt und im Bogen links an der Sonne vorbei nach oben zieht (siehe Video).

1.600 Stunden vor dem PC

Der chinesische Hobbie-Astronom verbrachte seit September 2000 mehr als 1.600 Stunden vor seinem Rechner. „Ich habe versucht Soho-Kometen zu finden und habe insgesamt 13 entdeckt“, berichtet Zhou begeistert. Eine seiner Entdeckungen sei der hellste Komet gewesen, den Soho in den letzten beiden Jahren bildlich eingefangen hatte.

Schön für Zhou, dass er seine immense Beobachtungszeit nicht in der Kälte zubringen musste - obwohl auch der Chinese lange Sitzungen mit dem Teleskop kennt. Allerdings hat auch diese Art der sicheren Beobachtung ihre Nachteile. Zum einen schont man zwar seinen Nacken, ruiniert sich aber beim Sitzen vor dem Rechner früher oder später Rücken und Augen. Zum anderen gilt Zhou leider nicht als Entdecker der Kometen, da der Satellit als eigentlicher Beobachter der Schweifsterne geführt wird. Deshalb tragen die Kometen nun auch den Namen Soho. Pech für Zhou.

Text: @dho
Bildmaterial: Nasa

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