03. April 2008 Nach Zeugenaufrufen in zwei Fernsehsendungen zum Fall des tödlichen Holzklotzwurfs von einer Autobahnbrücke bei Oldenburg geht die Polizei mehr als 200 Hinweisen nach. Um diese zeitnah zu überprüfen, sei die Soko Brücke nochmals um 2 auf 27 Beamte aufgestockt worden, sagte Polizeisprecher Sascha Weiß am Donnerstag.
Der Holzklotz-Fall wurde am Mittwoch bei einem Regionalsender und in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY... ungelöst gezeigt. Daraufhin haben die Ermittler mehrere Hinweise auf bestimmte Personen bekommen.
Steinwürfe angetäuscht
Unterdessen wurde bekannt, dass drei Jugendliche mit angetäuschten Steinwürfen von einer Autobahnbrücke bei Bielefeld einen Lkw-Fahrer zu einer Vollbremsung gezwungen haben. Der 63-jährige Fahrer des 40-Tonners bemerkte die Jungen, als sie Würfe in Richtung Fahrbahn antäuschten, und leitete sofort die Vollbremsung ein, wie die Polizei am Mittwochabend mitteilte. Als der Mann merkte, dass die Jugendlichen keine Gegenstände in den Händen hielten, fuhr er weiter. Verletzt wurde bei dem Vorfall auf der Autobahn 2 niemand. Die Polizei traf zwei der Jungen noch in der Nähe der Brücke an, den dritten konnten die Beamten später ermitteln. Die Eltern wurden informiert.
Bereits am Dienstag hatte die Soko eine Phantomzeichnung zu dem Holzklotz-Fall veröffentlicht. Darauf sind vier bis fünf Jugendliche im Alter von 16 bis 20 Jahren zu sehen. Die entscheidenden Angaben dazu habe ein Zeuge gemacht, der die Brücke am Tattag selbst überquert habe. Die meisten Jugendlichen auf dem Bild sind männlich. Eine Person mit Pferdeschwanz sei vermutlich eine junge Frau. Ein Jugendlicher aus der Gruppe sei einen Kopf größer als die anderen. Er soll eine helle Baseball-Mütze schräg auf dem Kopf getragen haben. Zudem sei er mit weit geschnittener, heller Hip-Hop-Jacke und einer dunklen, tief sitzenden Hose bekleidet gewesen. Die Gruppe soll zum Tatzeitpunkt auf der Brücke über der A 29 gewesen sein.
Sie haben sich trotzdem nicht gemeldet
Auch wenn in dem Fall noch vieles unklar ist, geht die Polizei inzwischen davon aus, dass es sich bei der Gruppe auch um die Täter handelt. Die Gruppe ist für uns tatverdächtig, betonte Weiß. Die Jugendlichen hätten sich mit Sicherheit auf dem Phantombild und den in der Region Oldenburg ausgehängten Plakaten erkannt und bislang trotzdem nicht gemeldet. Dies spreche für sich, erläuterte Weiß.
Zur Aufklärung des Falles schloss die Polizei am Donnerstag auch einen Massen-Gentest nicht aus. Es sei allerdings noch nicht klar, ob an dem Klotz DNA von dem oder den Tätern sei, sagte Polizeisprecher Mathias Kutzner. Werde welche gefunden, werde diese zunächst mit Polizei-Datenbanken abgeglichen. Danach gebe es die Möglichkeit, in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft über einen Massen-Gentest nachzudenken. Ein solcher Test sei an enge rechtliche Voraussetzungen gebunden.
Woher stammt der Klotz?
Unklar ist noch immer, woher der rund sechs Kilogramm schwere Holzklotz stammt, der auf die Autobahn geworfen wurde. Nach bisherigen Ermittlungen handelt es sich nicht um einen Klotz, der zum Holzspalten genutzt wurde. Es sei vielmehr ein aus dem Stamm einer Pappel herausgesägtes Stück, das schon längere Zeit im Freien gelegen haben müsse. Darauf deuteten Verwitterungsspuren hin, hieß es. Der Klotz hat einen Durchmesser von 18 Zentimetern.
Am Ostersonntag hatten die unbekannten Täter den sechs Kilogramm schweren Holzklotz auf die A 29 geworfen und dabei eine 33-jährige Beifahrerin aus dem nordrhein-westfälischen Telgte in einem Auto getötet. Der Gegenstand hatte die Frontscheibe des Fahrzeugs auf der Beifahrerseite durchschlagen. Die anderen drei Insassen des Autos, die beiden Kinder der Frau und ihr Ehemann, blieben unverletzt, erlitten aber schwere Schocks.
Text: ddp/AP
Bildmaterial: AP, ddp, dpa