16. Juni 2007 Heftige Unwetter mit tornadoverdächtigen Sturmböen und starken Regenfällen haben in der Nacht zum Samstag in weiten Teilen Deutschlands gewütet. Teilweise fiel innerhalb weniger Stunden das gesamte Regensoll eines Monats. Lediglich der Westen des Landes blieb verschont.
Auslöser der schweren Unwetter, die vor allem im Osten, aber auch im Norden und Südosten wüteten, war eine Kaltfront, die bis zum Samstag Deutschland überquerte und die schwül-heiße Luft nach Polen abdrängte. Da der Westen Deutschlands am Freitagabend bereits in der kühleren Luftmasse hinter der Kaltfront lag, blieb diese Region von Unwettern verschont. Dafür ergoss sich über die restlichen Landesteile starker Dauerregen mit teilweise mehr als 50 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden.
Stromausfall und sintflutartige Regenfälle
In Berlin wurde wegen sintflutartiger Regenfällen und Blitzeinschlägen vorübergehend der Notstand ausgerufen. In der Hauptstadt waren Straßen und Autobahnen überschwemmt, nach Blitzeinschlägen kam es zu einigen Wohnungsbränden. Verletzt wurde aber niemand.
Noch am Morgen waren einige Straßen gesperrt. Bis zum Vormittag rückten die Rettungskräfte zu mehr als 550 Einsätze aus. Es seien ganz überwiegend Wasserschäden gewesen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Wegen der vielen Anrufe hatten Feuerwehr und Polizei in der Nacht auch Probleme mit den Notrufleitungen. Wassermassen drangen unter anderem im Alliierten-Museum in Berlin-Zehlendorf ein. Ausstellungsstücke wurden aber nicht beschädigt. Der Energiekonzern Vattenfall berichtete, dass zehn Umspannwerke
ausgepumpt werden mussten. In Spandau fiel bei 13.000 Haushalten nachts der Strom aus.
In Oberbayern deckten schwere Stürme Dächer von zehn Häusern ab, zahlreiche Keller wurden überflutet und Bäume stürzten um. Die Bahnstrecke Rosenheim-München war im Bereich Soyen wegen umgestürzter Bäume bis zum Samstagvormittag gesperrt. Die Autobahn 8 bei München war wegen starken Hagels zeitweise nicht mehr befahrbar. Schnee-Räumfahrzeuge beseitigten die Schicht aus Hagelkörnern. In München wurde ein Straßentunnel wegen Überflutung gesperrt.
Land unter auch in Großbritannien
Ein Wirbelsturm richtete in Niedersachsen mehrere hunderttausend Euro Schaden an. Bäume wurden entwurzelt und Dachpfannen von Wohnhäusern gerissen. In Sittensen zwischen Hamburg und Bremen stürzte ein Baum auf ein fahrendes Auto. Verletzt wurde niemand. Regen und Gewitter richteten in Brandenburg weitere erhebliche Schäden an. Eine leichte Rauchgasvergiftung erlitt ein Bewohner eines Einfamilienhauses in Lübbenau im Spreewald, nachdem ein Blitzeinschlag den Dachstuhl entzündet hatte.
In den nächsten Tagen ist laut Deutschem Wetterdienst wegen der deutlich frischeren Atlantikluft die Gefahr schwerer Unwetter und ergiebiger Regenfälle erst einmal deutlich vermindert. Wenn überhaupt, kommt es bei Temperaturen zwischen 21 und 27 Grad nur noch zu normalen Gewittern. Ab Dienstag schaufelt allerdings ein kräftiges Tief vor der Küste Westeuropas erneut schwül-heiße Mittelmeerluft nach Deutschland, so dass sich ab der Wochenmitte erneut eine lupenreine Unwetterlage andeutet.
In Großbritannien sorgten heftige Regenfälle ebenfalls für Überschwemmungen. Ein 17 Jahre alter Soldat wurde auch am Samstag noch vermisst, nachdem er am Freitag in Nordengland in den Fluten abgetrieben worden war. Wohnhäuser, Schulen, Büros und Straßen standen unter Wasser, tausende Menschen waren betroffen. Der Wetterdienst gab am Samstag weitere Hochwasser-Warnungen für Teile Mittel- und Nordenglands sowie für Wales heraus.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, ddp, dpa