Computer

So haben Viren und Würmer keine Chance

Von Fritz Jörn

Am besten entspannt bleiben

Am besten entspannt bleiben

28. März 2004 Nichts ist schwerer, als Gefahren richtig einzuschätzen. Muß man sich vom Internet fernhalten, wenn man seinen Rechner schadfrei halten will? Gewiß nicht, eher im Gegenteil. Wir sehen uns hier das gängige Microsoft-Betriebssystem Windows XP an. Was tun, damit es sauber bleibt und ohne Würmer wie ein klassischer VW Käfer läuft und läuft?

Gefahren durch Viren, Würmer und Trojaner werden gern übertrieben, vor allem von denen, die Hilfe dagegen anbieten. Am dümmsten sind Virenhinweise gutmeinender Freunde, die einem die Nachricht schicken, eine bestimmte Datei, sagen wir jdbgmgr.exe, müsse ganz schnell aus dem System gelöscht werden, böse sei sie und habe ja, ganz typisch, gar ein Bärchen als Symbol. Gemeinhin wird weiter empfohlen, anschließend auch noch den Papierkorb zu leeren, damit die Datei auch ganz sicher ganz weg ist. So ein "Hoax" (übler Scherz) bezieht sich oft auf ganz gewöhnliche Systemdateien, die jeder hat und jeder findet und dann ärgerlicherweise auch löscht. Also: Ruhe ist am PC erste Administratorenpflicht.

Wie Werkstattbesuche bei automobilen Rückrufen

Schon gar nicht sollte man unaufgefordert zugesandte Virenschutzprogramme anklicken, nicht einmal von guten Freunden oder von Microsoft - denn Absender werden gern gefälscht, und Microsoft sendet grundsätzlich nie Anhänge an Mails. Doch genug der Vorwarnung.

Betriebssystem-Auffrischungen. Microsoft bietet für Windows und getrennt davon für seine Office-Software sogenannte Updates an, die man sich regelmäßig kostenlos aus dem Internet holen sollte, selbst Anwender kopierter Software; der Vorgang verläuft anonym. Man geht auf Start, Windows-Update oder steuert gleich die Adresse http://Windowsupdate.Microsoft.Com an. Danach schaut einem Microsoft ein wenig in den Rechner und bietet individuell ausgewählte Auffrischungen an. Trotz oft langer Ladezeiten empfehlen sich diese "Service Releases" sicherheitshalber genauso wie Werkstattbesuche bei automobilen Rückrufen.

Für Office, also Word, Outlook und Co., adressiert man http://Office.Microsoft.Com/Officeupdate und wird dort weitergeführt (braucht später aber meist noch die alte Installations-CD). Windows kann die Abfrage nach Neuerungen automatisch vornehmen, täglich, so man so oft online geht: Über Start, Einstellungen, Systemsteuerung, System kommt man zu Systemeigenschaften; unter dem Reiter "Automatische Updates" läßt sich das einstellen.

Recht ungefährdetes Leben

Ansonsten empfiehlt sich mit dem PC-Betriebssystem Geduld. Zahlreiche Vorgänge laufen im Hintergrund. Wenn die Festplatte rödelt, ohne daß man ihr das scheinbar angeordnet hätte, so ist das kein Virus, eher macht das System Hausaufgaben, die man nicht durch lang anhaltendes Drücken des Hauptschalters oder Ziehen des Netzsteckers stornieren sollte. Wenn immer möglich, fahre man sein System ordentlich herunter, notfalls mit Strg-Alt-Del über den Reiter Herunterfahren.

Viren, Würmer, Trojaner. Viren infizieren gängige Programme, Würmer sind selbst welche, und Trojaner öffnen allen möglichen Feinden Pforten in den PC. Am häufigsten sind Würmer. Damit aber der Schaden erst einmal eintritt, der Wurm hereinkommt, muß erst etwas passieren im Rechner, ein Programm muß ablaufen, eine Einstellung muß leichtsinnig verändert werden. Wer relativ selten online ist und dann nur brav seine E-Mails holt oder Internet-browst, wer nicht neugierig auf Anhängsel klickt oder sich von dummen Sprüchen (siehe oben) irremachen läßt, lebt recht ungefährdet.

Wer seinen Empfänger liebt, schickt Nachrichten im reinen Text-format

E-Mail. Viren kommen heute weniger über zweifelhafte Disketten in den Rechner, schon gar nicht von seriösen Programm-CDs, die unveränderbar, nur zu lesen sind. Schädlinge schleichen sich über die elektronische Post herein, als offensichtliches Anhängsel oder kunstvoll in HTML-Mails versteckt. Doch letzteres nur, wenn etwas am Mailprogramm nicht stimmt. Mails im Browser-Format "Hypertext Markup Language", das sind die schönen Nachrichten mit Auszeichnungsmöglichkeiten normaler Word-Texte wie Schriftwahl, Fettschrift, Farben und ähnlich nachrichtentechnisch Überflüssigem. T-Onlines Mailprogramm erzeugt sie gern so.

Wer seinen Empfänger liebt, schickt Nachrichten knapp und gut nur im reinen Text-format (Outlook 2003: Extras, Optionen, E-Mail-Format, dann Verfassen im Nachrichtenformat - Nur Text). Viele Unternehmen lassen gar nichts anderes zu sich herein (Extras, Optionen, Einstellungen, E-Mail-Optionen, Standardnachrichten im Nur-Text-Format lesen). Outlook verhindert neuerdings sogar das Öffnen nicht gleich mitgeschickter, ferner Bilder in einer HTML-Nachricht, womit ganz schön viel ausspioniert werden kann.

Wie gefährlich können beigefügte Dateien sein?

Dateitypen. Möglicherweise besonders gefährliche Programmdateien des Typs Exe (executable code) und Bat (von batch, Stapelablauf) lädt Outlook 2003 zwar herunter, läßt sie aber partout nicht ausführen - anklicken ist fruchtlos, man müßte mühsam in der eigenen Registratur kunststopfen. Man bitte den Sender, die Datei vorher in ein Zip-Archiv zu verpacken oder sie erst umzubenennen und bewußt unter einem falschen Namen zu schicken, statt "exe" als "xex" etwa. Alle suspekten Nachrichten mit Anhängen, selbst scheinbar von den besten Freunden, sollte man ungelesen löschen, möglichst noch am Server. "Spam"-Massenmails sind oft gleich an ihren englisch-verqueren oder absichtlich vertippten Betreffzeilen zu erkennen.

Wie gefährlich können beigefügte Dateien sein? Man erkennt das an ihrem Typ, und der steht verklausuliert hinter einem Punkt. Leider zeigt Windows inzwischen diese "Namenserweiterung" nur mehr auf Wunsch an: Im Windows-Explorer Extras, Ordneroptionen, Ansicht und dort oben gleich als zweites "Dateinamenerweiterung bei bekannten Dateien ausblenden" ausklicken. Besondere Vorsicht, ja gänzliche Ablehnung sollten Dateien mit zwei Endungen hintereinander erfahren, Modell Liesmich.txt.pif. So etwas ist immer unnötig und meist bewußte Verschleierung.

Entscheidend ist die letzte Bezeichnung, hier "pif" (Programminformation), und nicht immer, wie wir sahen, wird sie vom System mit angezeigt. Frei nach vermuteter Brisanz geordnet, sind sehr kritisch: pif, shs, vbs, exe, com, bat, js. Kritisch sind: scr, doc, wpd, etc, xls, mdb, eher unkritisch: jpg, gif, pic, bmp, mov, moeg, avi, aud, midi, rtf, pdf, htm, html. Als sicher gelten: txt, dat, zip. Zip-Archive können gefahrlos geöffnet werden, der sich entfaltende Inhalt muß aber geprüft werden.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28.03.2004, Nr. 13 / Seite 58
Bildmaterial: dpa

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