Von Herta Paulus
26. August 2002 Sie hat sich rar gemacht in diesem Sommer, die Sonne. Statt Sonnenbäder und lauer Sommerabende, himmlische Dauerdusche und Flutkatastrophen allerorten. Keine Frage: Solarthermische Kraftwerke wären in unseren Breitengraden eine glatte Fehlinvestition.
Unterhalb des 40.Breitengrad aber, im so genannten Sonnengürtel der Erde, ließe sich damit Energie im großen Maßstab produzieren. Rein rechnerisch, so die Experten, könnte aus den Wüstenregionen Nordafrikas der gesamte Energiebedarf der Welt gedeckt werden.
Könnte. Denn die Realität sieht anders aus, hier herrscht das Prinzip des Stop-and-Go, dirigiert vom Auf und Ab politischer und ökonomischer Zu- oder Absagen. Von seit zehn Jahren dahindümpelnden Projekten in Indien, Mexiko, Ägypten oder Marokko, die von der Weltbank gefördert werden sollen und jetzt in die Ausschreibungsphase gehen sollen weiß Franz Trieb, Mitarbeiter des Instituts für Technische Thermodynamik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) in Stuttgart, zu berichten. Sein Fazit: Man braucht einen langen Atem. Das sollten auch die Investoren wissen.
Spanien fördert Solarthermie
In Spanien stehen die Zeichen seit kurzem auf Go. Aufwind gibt den Herstellern solarthermischer Kraftwerke eine Änderung des Energieeinspeisungsgesetzes in Spanien. Solarthermisch erzeugter Strom wird künftig mit 0,12 Euro pro Kilowattstunde bezuschusst. Gleichzeitig erteilte die spanische Regierung grünes Licht für den Bau von vier Kraftwerken auf solarthermischer Basis. Damit stehen wir am Beginn einer spannenden Marktentwicklung, kommentiert Klaus Grethe, Vorstandsvorsitzender des Erlanger Unternehmens Solar Millenium, nach eigenen Angaben weltweit führender Anbieter von solarenergiebetriebenen Aufwind- und Parabolrinnenkraftwerken. Forciert wird von dem Erlanger Unternehmen derzeit vor allem letztere Technologie, die innerhalb der Solarthermie den höchsten Wirkungsgrad und die höchste Marktreife besitzt.
Zwei Parabolrinnenkraftwerke mit je 50 Megawatt Leistung will Solar Millenium unter südspanischer Sonne realisieren, von denen ein jedes den Bedarf einer Stadt mit 180.000 Einwohnern deckt. Vor Ort betreut wird das Projekt von der spanischen Tochtergesellschaft Milenio Solar Ende 2003, so Grethe's Zeitplan, soll die Finanzierungsphase abgeschlossen sein und die Kraftwerke in Bau gehen. Pro Standort sind Investitionen von 200 Millionen Euro erforderlich, die Europäische Union hat einen einmaligen Förderbetrag von fünf Millionen Euro in Aussicht gestellt. Für Grethe eine lohnende Investition: Die Anlagen rechnen sich von Anfang an. Innerhalb von 15 Jahren haben sich die Kosten amortisiert.
Exportschlager Solarkraftwerke
Vorausgesetzt der politische Konsens hält, Solarstrom mit realistischen Gestehungskosten zu entgelten. Denn noch ist Solarstrom teuer. Zwischen zehn bis 14 Eurocent pro KWh kostet der rein im Solarbetrieb erzeugte Strom, weiß DLR-Mitarbeiter Trieb. Herkömmlicher Strom ist hingegen schon für acht bis neun Eurocent zu produzieren.
Billiger werden sollen die Anlagen auch durch technische Verbesserungen, die Solar Millenium gemeinsam mit europäischen Partnern entwickelte und derzeit im kalifornischen Vorzeigekraftwerk testet. Finanziert wird das Demonstrationsprojekt durch Fördermittel in Höhe von 1,7 Millionen Euro, die das Erlanger Unternehmen im Rahmen des Zukunftsinvestionsprogramms der Bundesregierung im März dieses Jahres erhalten hat. Insgesamt zehn Millionen Euro machte Umweltminister Jürgen Trittin locker, damit Solarkraftwerke zu deutschen Exportschlagern der Zukunft werden.
Ohne Planungssicherheit kein Geld
Bis dieser Status erreicht ist, müssen die deutschen Unternehmen sich weiter in Geduld üben. Denn während Spanien nun nach mehrjähriger Wartezeit das Go gab, herrscht an anderen Baustellen wieder Stillstand. Auf Eis liegen nicht nur sämtliche Projekte im Bereich Aufwindkraftwerk. Auch das von der Europäischen Union geförderte Parabolrinnenkraftwerk in Kreta kommt nicht recht voran. Noch fehlt der politische Wille, Rechts- und Planungssicherheit zu garantieren, ohne die kein Privatinvestor bereit ist zu investieren, erklärt Grethe. Diese haben die Lektion aus dem Scheitern der amerikanisch-israelischen Firma Luz gelernt. Von 1984 bis 1992 entwickelten und bauten die Solarpioniere verteilt auf neun Kraftwerksblöcke das weltweit größte Solarkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 354 Megawatt in der kalifornischen Mojave Wüste. Alles lief bestens, bis der amerikanische Energiemarkt freigegeben wurde und Luz pleite ging.
Das Projekt Jordanien steht ebenfalls wieder zur Disposition. Bis zum Jahr 2004 sollte hier ein Parabolrinnen-Kraftwerk mit einer Leistung von 130 Megawatt realisiert werden, das zehn Prozent des jordanischen Energiebedarfs abdecken könnte. Zwar erwartet Grethe erst im September eine offizielle Stellungnahme. Große Hoffnung hegt er allerdings derzeit nicht mehr. Wir haben aus dem politischen Umfeld vernommen, dass alle Projekte im Bereich erneuerbare Energien auf Eis gelegt werden.
Text: @wiz
Bildmaterial: dpa