13. Juli 2003 Bei der 15. Berliner Love Parade sind nach ersten Schätzungen rund 100 Tonnen Müll angefallen. Das sei deutlich weniger Müll als in den Jahren zuvor, teilte am frühen Sonntagmorgen ein Sprecher der Berliner Stadtreinigung mit. Grund sei vermutlich die Einführung des Dosenpfandes.
Insgesamt 557 Müllmänner rückten in der Nacht mit Handbesen, Räumfahrzeugen und Schneepflügen an, um die Paradestrecke im Tiergarten von den Hinterlassenschaften der rund eine halbe Million Raver zu säubern.
Mit einer musikalischen Abschlußkundgebung an der Siegessäule war die weltweit größte Techno-Party am Abend zu Ende gegangen. Unter dem Motto Love Rules (Liebe regiert) tanzten die Techno- Fans rund neuneinhalb Stunden auf der Straße des 17. Juni durch den Tiergarten. Mit nach Polizeiangaben 500.000 Teilnehmern mußte die Parade im Vergleich zum Vorjahr erneut einen Besucherschwund hinnehmen. Nach Spitzenjahren mit bis zu 1,5 Millionen Ravern tanzten im vergangenen Jahr noch zwischen 600.000 bis 750.000 Menschen in der Hauptstadt.
Es geht weiter
Die Veranstalter zogen eine positive Bilanz: Zur Abschlusskundgebung am Abend hätten sich noch einmal fast 800.000 Raver versammelt. In jedem Fall werde es deshalb auch im nächsten Jahr wieder eine Love Parade geben, sagte Parade-Sprecher Jürgen Scheunemann.
Zu einem schweren Unfall kam es, als ein betrunkener 31-jähriger Raver in der Innenstadt von einem Brunnen fiel. Dabei verletzte er sich nach Polizeiangaben lebensgefährlich am Kopf. Ein anderer Technofan fiel an der Paradestrecke von einer Laterne und verletzte sich schwer an der Wirbelsäule. Zum Zustand der beiden gab es in der Nacht keine neuen Informationen.
Alkohol statt Pillen
Bei den Drogen löste der Alkohol das synthetische Rauschmittel Ecstasy ab. Die Leute schlucken weniger Pillen, aber trinken mehr. Der Alkohol wird zu einem immer größeren Problem, sagte eine Malteser-Sprecherin. Der Malteser Hilfsdienst behandelte bis kurz vor Mitternacht 2075 verletzte Raver, 277 von ihnen wurden wegen kleinerer Verletzungen oder Kreislaufkollaps ins Krankenhaus gebracht. Das sind hauptsächlich junge Mädchen, die nicht wissen, wann sie aufhören sollen, sagte die Sprecherin. Die Verletztenzahlen lägen unter denen des Vorjahres. Damals sei die Hilfe der Malteser in mehr als 2500 Fällen in Anspruch genommen worden. Der Malteser Hilfsdienst war mit insgesamt 950 Sanitätern, Ärzten und Notfallseelsorgern im Einsatz.
Die Polizei setzte 1600 Beamte ein. Die Drogenkriminalität ging dieses Jahr deutlich zurück. Bis zum Ende der Love Parade nahm die Polizei 79 Menschen fest, davon 56 wegen Drogenhandels und -besitzes. Hinzu kamen andere Delikte wie Körperverletzung oder Sachbeschädigung. Es ist dieses Jahr extrem ruhig gewesen, sagte eine Sprecherin der Polizei. Der erstmals zum Schutz des Tiergartens aufgestellte, 4600 Meter lange Zaun habe sich bewährt. Der Schwarzhandel entlang der Partymeile sei deutlich zurückgegangen.
Text: dpa
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb