Abtreibungsskandal in Spanien

Behörden ermitteln wegen Abtreibungen im achten Monat

Clinica M. C. in Barcelona

Clinica M. C. in Barcelona

31. Oktober 2006 Nach dänischen Fernsehberichten über Spät-Abtreibungen bis zum achten Schwangerschaftsmonat in einer Klinik in Barcelona haben die spanischen Behörden Ermittlungen eingeleitet. Sein Ministerium trage derzeit alle Informationen zu dem Fall zusammen, sagte der Vize-Gesundheitsminister der autonomen Region Katalonien, Lluis Torralba, am Montag. Laut einem Dokumentarfilm des dänischen Senders DR1 bieten Ärzte der Clinica M. C. in Barcelona Frauen aus ganz Europa Abtreibungen bis zur 32. Schwangerschaftswoche an. Eine im achten Monat schwangere DR1-Journalistin hatte sich mit versteckter Kamera in die Klinik geschleust und vom Klinikchef die Abtreibung ihres kerngesunden Kindes angeboten bekommen.

Klinikchef Carlos Morin bot der Journalistin zum Preis von 4.000 Euro die Tötung ihres ungeborenen Babys an. In dem am Sonntag ausgestrahlten Dokumentarfilm sagte er, er würde „das Herz des acht Monate alten Fötus durch eine Giftinjektion zum Stillstand bringen“. Dies würde Wehen hervorrufen und die Schwangere würde dann das tote Kind zur Welt bringen. Seine Klinik sei eine der wenigen weltweit, die Spätabtreibungen vornähmen, sagte in den heimlich gefilmten Aufnahmen Morin weiter. Es würden auch niederländische Ärzte dort arbeiten.

Spät-Abtreibung für 4.700 Euro

Vor Journalisten in Barcelona rechtfertigte der Klinikchef sein Gespräch mit der dänischen Reporterin. Die Frau habe behauptet, sie sei Opfer familiärer Gewalt geworden und leide unter Ängsten und Depressionen, verteidigte er sich. Deshalb habe er entschieden, sie wenigstens anzuhören. Der Psychologe der Klinik habe allerdings seine Zustimmung zu einer Abtreibung verweigert, nachdem er festgestellt habe, daß die Patientin ihre Depressionen nur vortäusche. Morin beteuerte, die Klinik nehme nur in sehr seltenen Fällen Abbrüche über die 30. Schwangerschaftswoche hinaus vor. Das Abtreibungsgesetz ermögliche in bestimmten Fällen, etwa dem drohenden Tod der Mutter oder im Falle extremen Leidens, die Erwägung einer Spätabtreibung, sagte der Arzt. Morin leitet seit rund 30 Jahren Abtreibungskliniken.

Laut Vize-Gesundheitsminister Torralba kamen nur wenige Ausländerinnen für Abtreibungen nach Katalonien. Zwischen 1995 und 2004 seien unter den Patientinnen 95 Britinnen gewesen, aber keine Dänin. In einem nicht veröffentlichten Mitschnitt des Dokumentarfilms sagte Morin dagegen, die meisten der Patientinnen seiner Klinik kämen aus Frankreich; wöchentlich seien es etwa 50 Französinnen. Eine in dem Film gezeigte Dänin berichtete von der Abtreibung ihres sieben Monate alten Fötus für 4.700 Euro.

„Das ist Mord“

In Dänemark löste die Dokumentation bei Politikern aller Parteien einen Sturm der Entrüstung aus. „Wir können solche Spätabtreibungen von gesunden Föten nicht hinnehmen. Das ist Mord“, sagte die Gesundheitspolitikerin Birthe Skaarup von der rechtsextremen Dänischen Volkspartei, die die Regierung in Kopenhagen mitträgt. Skaarup rief die Regierung auf, von Spanien ein Ende dieser „nicht hinnehmbaren und unmenschlichen Praxis“ zu verlangen. Ein Sprecher der regierenden Liberalen Partei forderte die Diskussion gemeinsamer Abtreibungsvorschriften in der EU.

In Dänemark sind Abtreibungen nach der zwölften Schwangerschaftswoche verboten. Spanien läßt seit 1985 Schwangerschaftsabbrüche in bestimmten Fällen zu: Bei Vergewaltigung sind sie bis zu zwölften Schwangerschaftswoche erlaubt, im Fall von Mißbildungen bis zur 22. Woche. Ist die Gesundheit der Schwangeren in ernster Gefahr, darf zu jedem Zeitpunkt abgetrieben werden.

Text: FAZ.NET mit Material von AFP
Bildmaterial: dpa

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